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Medizin

Viele vermutete Penicillinallergien sind gar keine

Mittwoch, 13. Februar 2019

Allergischer Hautausschlag auf einem Oberschenkel /Frank C. Müller, Wikimedia

Köln – Ärzte sollten vermutete Penicillinallergien bei Patienten möglichst von einem Allergologen abklären lassen. Das empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI). Denn nur die wenigsten Patienten seien tatsächlich gegen das Antibiotikum allergisch. Die Fachgesellschaft verweist in diesem Zusammenhang auf eine Publikation im Journal of the American Medical Association von Mitte Januar (2019; doi: 10.1001/jama.2018.19283).

In den USA gibt danach rund jeder zehnte Patient an, schon einmal allergisch auf ein Penicillin reagiert zu haben. Meist seien Neben­wirkungen wie beispielsweise Magen-Darm-Beschwerden oder Juckreiz der Grund für die Allergievermutung. Allergologische Tests zeigten jedoch, dass bei rund 95 Prozent der Betroffenen keine Allergie vorliege, so die Autoren der JAMA-Publikation.

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„Anstelle der hochwirksamen und gut verträglichen Penicilline erhalten Patienten mit vermeintlicher Allergie oftmals Antibiotika, die weniger effektiv sind und die Entstehung von Resistenzen befeuern“, warnt die Fachgesellschaft.

„Selbst wenn tatsächlich eine Allergie gegen ein bestimmtes Penicillin vorliegen sollte, ist meist trotzdem die Behandlung mit einem anderen Penicillin oder mit einem Cephalosporin aus dieser Gruppe möglich“, sagt Gerd Fätkenheuer, DGI-Präsident und Leiter der Infektiologie an der Klinik I für Innere Medizin am Universitätsklinikum Köln. Dennoch werde in Akutfällen oft auf die Gabe sämtlicher Beta-Laktame verzichtet.

„Dass das Ausweichen auf andere Antibiotika auch handfeste Nachteile hat, ist leider nicht hinreichend im Bewusstsein von Ärzten und Patienten verankert“, so Fätkenheuer. Denn anstelle der hochwirksamen und gut verträglichen Beta-Laktam-Antibiotika erhielten diese Patienten dann Antibiotika anderer Substanzklassen, die teils weniger effektiv seien und mit stärkeren Nebenwirkungen einhergingen – etwa einer problematischen Besiedelung des Darms mit Clostridium-difficile-Bakterien.

„Neue Zahlen belegen, dass in deutschen Krankenhäusern durch das Engagement von Ärzten und Apothekern im Bereich des Antibiotic Stewardship (ABS) zuletzt wieder mehr Penicillin und Penicillinderivate anstelle von Cephalosporinen und Fluorchinolonen verwendet werden – keineswegs zum Nachteil der Patienten“, betont auch Winfried Kern, Professor für Infektiologie am Freiburger Universitätsklinikum und Leiter der Akademie für Infektionsmedizin, welche Kurse zur rationalen Antibiotika­verschreibung für die DGI organisiert. © hil/aerzteblatt.de

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