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Medizin

US-Empfehlung: Wie perinatale Depressionen verhindert werden können

Donnerstag, 14. Februar 2019

/kjekol, stockadobecom

Portland/Ohio – Depressionen, unter denen während und nach der Schwangerschaft 1 von 7 Frauen leidet, lassen sich durch psychologische Behandlungen häufig verhindern. Zu dieser Einschätzung gelangt die US Preventive Services Task Force (USPSTF), die das dortige Ge­sund­heits­mi­nis­terium zu Fragen der Krankheits­vermeidung berät. Stellungnahme und Evidenzreport wurden im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2019; 321: 580-587 und 588-601) veröffentlicht.

Unter einer perinatalen Depression sollen weltweit bis zu 13 % der Schwangeren leiden. Es handelt sich dabei nicht nur um den „Babyblues“, zu dem es nach der Geburt infolge der hormonellen Umstellungen kommt und von der sich die Mütter innerhalb weniger Tage erholen. Eine perinatale Depression ist dagegen eine „echte“ Major-Depression, die ohne Behandlung die Gesundheit von Mutter und Kind gefährdet.

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Die Depressionen, die meist während der Schwangerschaft einsetzen, können eine intrauterine Wachstumsverzögerung sowie Früh- und Mangelgeburten begünstigen. Nach der Geburt gefährdet die Depression der Mutter die emotionale Entwicklung des Kindes, das durch den Suizid der Mutter sogar seine wichtigste Bezugsperson verlieren kann. 

Die wenigsten Frauen dürften derzeit eine Therapie erhalten und präventive Maßnahmen dürften noch seltener sein. Nach den Studien, die ein Team um Elizabeth O’Connor vom Center for Health Research des Krankenversicherers Kaiser Permanente Northwest in Portland ausgewertet hat, kann eine Prävention erfolgreich sein. 

Mit 20 Studien und 4.107 Teilnehmern am besten untersucht sind psychologische Beratungen. Eine in den USA verbreitete Variante der kognitiven Verhaltenstherapie ist das „Mothers and Babies“-Programm. Die Mütter nehmen nach der Geburt an 6 bis 12 wöchentlichen Sitzungen von 1 bis 2 Stunden Dauer teil. Das Ziel der Behandlung ist die Vermeidung negativer Gedanken und die Stärkung positive Aktivitäten. Die jungen Mütter werden über die physiologischen Wirkungen des Mütterstresses aufgeklärt und es werden ihnen Wege aufgezeigt, wie sie besser mit den kognitiven Belastungen umgehen können.

Die zweite häufig angebotene Behandlung ist das ROSE-Programm (für „Reach Out, Stay Strong, Essentials for New Moms“). Es gehört zu den interpersonellen Psycho­therapien, die sich primär auf die sozialen Beziehungen konzentrieren und den Frauen helfen soll die Kommunikation zu verbessern und Probleme anzugehen, die zu Depressionen beitragen. Diese Behandlungen beginnen bereits während der Schwangerschaft, um die Frauen auf die veränderte soziale Situation nach der Geburt vorzubereiten, einschließlich der zu erwartenden zwischenmenschlichen Konflikte.

Beide Therapien haben in Studien, das Auftreten einer perinatale Depression um 39 vermindert. O’Connor ermittelt eine gepoolte Risk Ratio von 0,61, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,47 bis 0,78 signifikant war. Mit einer Number Needed to Treat von 13,5 (9,9 bis 23,9) könnten psychologische Behandlungen nach Einschätzung von O’Connor einen wichtigen Beitrag zur Vermeidung von perinatalen Depressionen liefern.

Andere Interventionen des Gesundheitssystems wie das niederländische „Wazzup Mama?“-Programm, das Hebammen in die psychologische Betreuung der gefährdeten Frauen einbezieht, haben sich in Studien ebenfalls bewährt. O’Connor ermittelt eine gepoolte Risk Ratio von 0,58, die aber aufgrund eines weiten 95-%-Konfidenzintervall von 0,22 bis 1,53 das Signifikanzniveau verfehlt (was an der insgesamt dünnen Datenbasis von 3 Studien gelegen haben dürfte). Noch weniger untersucht ist eine medikamentösen Prophylaxe. Antidepressiva kommen wegen ihrer Nebenwirkungen für Mutter und Kind in der Schwangerschaft ohnehin nur bei einer manifesten Depression infrage. 

Die USPSTF gibt aufgrund des Evidenzreports eine Empfehlung vom Grad B. Danach besteht eine hohe Gewissheit, dass die psychologischen Behandlungen einen gewissen Nettonutzen erzielen, der nicht durch Nebenwirkungen geschmälert wird, die es nach Einschätzung des Evidenzreports nicht gibt. Die Behandlung sollte  laut USPSTF Frauen mit einem erhöhten Risiko angeboten werden. Dazu gehören Frauen mit Depressionen in der Vorgeschichte, solche mit aktuellen depressiven Symptomen oder bestimmten sozioökonomischen Risiken. Zu diesen gehören ein geringes Einkommen oder junge Eltern oder alleinerziehende Mütter.

Die Empfehlungen sind insgesamt auf das US-amerikanische Gesundheitswesen zugeschnitten, das individuelle Lösungen anstrebt, allgemeine Präventionsprogramme wie die Mutter-Kind-Kur in Deutschland oder eine Rolle von Hebammen wie in den Niederlanden nicht kennt. © rme/aerzteblatt.de

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