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Medizin

Studie: DDT erhöht Brustkrebsrisiko noch nach vier Jahrzehnten

Freitag, 15. Februar 2019

/ASP Inc, stockadobecom

Berkeley/Kalifornien – Dichlordiphenyltrichlorethan, besser bekannt als DDT, das bis zu seinem Verbot Anfang der 1970er-Jahre das am meisten verwendete Insektizid, hat vermutlich bis in die jüngste Vergangenheit noch Brustkrebserkrankungen verursacht. Dies zeigen jüngste Ergebnisse einer Fall-Kontroll-Studie im Journal of National Cancer Institute (2019; 111: djy198).

Das berüchtigte Kontaktgift DDT, dessen Entdecker 1948 noch mit dem Nobelpreis geehrt wurde, mag aus der Umwelt und dem Bewusstsein weitgehend verschwunden sein. Seine Spätwirkungen lassen sich jedoch bis in die Gegenwart nachweisen – auch auf den Menschen. DDT wurde zwar primär verboten, weil es zu unübersehbaren Bestandseinbrüchen bei Greifvögeln kam, deren Eier vor dem Schlüpfen des Nachwuchses zerbrachen.

Das Mittel, das sich in der Nahrungskette anreicherte, konnte auch dem Menschen gefährlich werden. Aufgrund seiner hormonartigen Wirkung können kleinste Mengen ausreichen, um eine toxische Wirkung zu erzielen. Da DDT ein Agonist am Östrogen­rezeptor ist, kann es Brustkrebs auslösen. Die Latenzzeit kann dabei 4 Jahrzehnte oder länger betragen, wie Barbara Cohn von der Universität von Berkeley in Kalifornien herausgefunden hat.

Die Epidemiologin hat die Daten von Frauen ausgewertet, die zusammen mit ihren Müttern in den Jahren 1959 bis 1967 an den „Child Health and Development Studies“ teilgenommen hatten. Damals waren mehrmals Blutproben von den Kindern entnommen und bei minus 20° Celsius eingefroren worden, sodass sie später auf DDT und seine Metaboliten hin untersucht werden konnten. 

In einer früheren Studie hatte Cohen die DDT-Konzentrationen von Kindern verglichen, die später bis zum Alter von 50 Jahren an einem prämenopausalen Mammakarzinom erkrankt waren, und solchen, die gesund geblieben waren. Die Analyse ergab, dass bereits eine pränatale Exposition mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko verbunden war. Die vulnerable Phase, in der DDT bei diesen Frauen die spätere Entwicklung eines prämenopausalen Mammakarzinoms angestoßen hat, reichte ungefähr bis zum 14. Lebensjahr. Die Risiken waren erheblich: Für die Frauen im obersten Drittel der Belastung ermittelte Cohen eine Odds Ratio von 5,42 mit einem allerdings weiten 95-%-Konfidenzintervall von 1,71 bis 17,19.

Jetzt hat Cohen eine zweite Gruppe von 153 Frauen, die erst nach den Wechseljahren im Alter von 50 bis 54 Jahren am Brustkrebs erkrankten, mit 432 gesunden Kontrollen verglichen. Erneut ist eine signifikante und dosisabhängige Assoziation nachweisbar. Das Expositionsfenster, das zu einem erhöhten Risiko führt, hat sich allerdings verschoben. Betroffen waren im wesentlichen die Frauen, die im Alter zwischen 4 und 24 Jahren mit DDT exponiert worden waren. Für diese Gruppe kann Cohen erneut einen dosisabhängigen Anstieg des Brustkrebsrisikos nachweisen. Im obersten Drittel der Exposition betrug die Odds Ratio 2,17 (1,13 bis 4,19).

Warum eine Exposition in einem verschiedenen Lebensaltern zu einem Anstieg des Brustkrebsrisikos in unterschiedlichen Lebensalter führt, wird sich vermutlich nicht mehr feststellen lassen. Die Studie zeigt jedoch, dass die Latenzzeit von „endokrinen Disruptoren“ ungewöhnlich lang ist. Ganz verboten ist DDT übrigens nicht. Das Stockholmer Übereinkommen von 2004 erlaubt die Herstellung und Verwendung von DDT weiterhin zur Bekämpfung von krankheitsübertragenden Insekten, insbesondere den Überträgern der Malaria. In Afrika und Asien wird es zu diesem Zweck heute noch eingesetzt. © rme/aerzteblatt.de

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