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Medizin

Neuroendokrine Tumoren: Medikamente wirken kombiniert meist besser als einzeln

Montag, 18. Februar 2019

Kombination von Tabletten und Medizin/Africa Studio, adobe.stock.com
/Africa Studio, adobe.stock.com

Bern/Genf – Bei neuroendokrinen Tumoren des Pankreas, Magens und des Darms könnten Medikamente in Kombination besser wirken als einzeln – insbesondere wenn Somatostatin-Analoga beteiligt sind. Zu diesem Ergebnis kommt eine Forschergruppe aus der Schweiz in Zusammenarbeit mit der Cochrane-Stiftung in einer Metaanalyse, die in JAMA Oncology publiziert wurde (2019; doi: 10.1001/jamaoncol.2018.6720).

Die Metaanalyse umfasste 30 randomisierte kontrollierte klinische Studien mit 3.895 Patienten, denen insgesamt 22 Therapien zugeteilt waren. „Eines der überraschendsten Resultate unserer Studie ist die hohe – und oft unterschätzte – Wirksamkeit von kombinierten Medikamenten“, sagt Erstautor Reto Kaderli von der Universität Bern.

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Wirkstoffe im Vergleich

  • Everolimus: se­lektiver mTOR-In­hibitor zur oralen An­wendung als Im­mun­sup­pressivum
  • Sunitinib: Ty­rosin­kinase-In­hibitor zur oralen An­wendung, wirkt anti­angio­genetisch und anti­proliferativ
  • Bevacizumab: Rekombi­nanter, humanisier­ter, mono­klona­ler IgG-Antikör­per gegen VE­GF, Infusion
  • Somatostatin-Analogon: Synthetische Analoga des Peptidhormons, wirkt antiproliferativ
  • 177-Lu-Dotatate: Betastrahler, radioaktiv markiertes Somatostatin-Analogon
  • Interferon: Zytokin, hemmt die Ausschüttung von Hormonen und das Tumorwachstum

Verglichen wurde das progressionsfreie Überleben und/oder die Krankheits­kontrolle nach 12 Monaten bei 7 Thera­pien versus Placebo für pankreatische neuroendokrine Tumoren (NET). Everolimus und Somatostatin zeigten als Kombinationstherapie hinsichtlich der Krankheitskontrolle ein besseres Ergebnis als Somatostatin alleine, jedoch nicht als Everolimus alleine. Beim progressionsfreien Überleben war die Kombinationstherapie von Everoli­mus und Somatostatin gleichwertig zu Everolimus alleine, jedoch ebenfalls besser als Somatostatin alleine. „Everolimus ist damit die einzige Therapie, welche als Einzeltherapie bezüglich eines Outcomes (Disease Control) besser abgeschnitten hat“, sagen die Autoren Kaderli und Martin Walter dem Deutschen Ärzteblatt.

Hingegen schnitten bei den gastrointestinalen NETs sämtliche Kombinationstherapien bezüglich progressionsfreien Überlebens und/oder der Krankheitskontrolle besser ab als Einzeltherapien. Verglichen wurden 5 Therapien: Bevacizumab plus Somatostatin-Analogon, Everolimus plus Somatostatin-Analogon, Interferon plus Somatostatin-Analogon, 177-Lu-Dotatate plus Somatostatin-Analogon und Somatostatin-Analoga als Einzeltherapie mit der geringsten Senkung der Sterberate versus Placebo (Hazard Ratio: 0,4; CI: 0,21-0,78).

Kombinierte Therapien sind in internationalen Empfehlungen von medizinischen Verbänden untervertreten. Reto Kaderli, Universität Bern

Unabhängige Studien werden weniger berücksichtigt

Kaderli überraschte noch ein weiteres Resultat: „Kombinierte Therapien sind in internationalen Empfehlungen von medizinischen Verbänden untervertreten.“ Tatsächlich zeigt die Metanalyse, dass Studien, in denen Medikamente verschiedener Hersteller kombiniert wurden, hauptsächlich von unabhängigen Forschenden stammen und dass deren Resultate in den offiziellen Behandlungsempfehlungen weniger berücksichtigt werden als Studien, die im Auftrag von Pharmafirmen durchgeführt werden.

Die Metaanalyse bestätigt auch die Wirksamkeit radioaktiver Therapien. Denn bei den gastrointestinalen NETs schnitt das radioaktiv markierte Somatostatin-Analogon (177-Lu-Dotatate) beim progressionsfreien Überleben am besten ab. Bei der Krankheits­kontrolle konnte nur die Kombination aus Bevacizumab und Somatostatin-Analog bessere Ergebnisse erzielen als die nuklearmedizinische Therapie. „Gleichzeitig zeigte sich, dass 177-Lu-Dotatate als sichere Therapie zu bewerten ist“, berichtet der Oberarzt für Viszerale Chirurgie Kaderli. Dennoch würde es nur von den NANETS, nicht aber von den ENETS Guidelines empfohlen.

„Als Spezialist auf dem Gebiet der Nuklearmedizin bin ich sehr erfreut über die vielversprechenden Resultate unserer radioaktiven Therapien“, sagt Walter. Ein entsprechender Nachweis stehe bei chirurgischen Optionen noch aus, bei denen randomisierte kontrollierte Tests in Kombination mit anderen Therapien noch fehlen. © gie/aerzteblatt.de

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