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Medizin

MRSA-Sanierung senkt Infektionsrisiko nach Klinikentlassung

Montag, 18. Februar 2019

/dpa

Irvine/Kalifornien – Patienten, bei denen anlässlich einer Krankenhausbehandlung methicillinresistente Staphylococcus aureus (MRSA) nachgewiesen wurden, erkranken im Jahr nach der Entlassung seltener an MRSA-Infektionen, wenn sie zu Hause regelmäßig eine MRSA-Sanierung (Dekolonisierung) von Haut und Haaren durchführen. Dies zeigen die jetzt im New England Journal of Medicine (2019; 380: 638-50) veröffentlichten Ergebnisse einer randomisierten klinischen Studie.

MRSA-Träger haben nach dem Abschluss einer Klinikbehandlung ein erhöhtes Risiko auf eine (erneute) Infektion. Ihnen wird deshalb bei der Entlassung zu Hygiene­maßnahmen geraten, die jedoch erneute Infektionen erfahrungsgemäß nicht immer verhindern. Die CLEAR-Studie („Changing Lives by Eradicating Antibiotic Resistance“) hat untersucht, ob eine gezielte Dekolonisierung das MRSA-Infektionsrisiko senken kann. An der multizentrischen Studie nahmen 2.121 Patienten aus 17 Krankenhäusern und 7 Pflegeheimen in Südkalifornien teil. Bei allen Teilnehmern waren anlässlich eines Kranken­haus­auf­enthalts MRSA nachgewiesen worden. 

Die Patienten wurden bei der Entlassung auf 2 Gruppen verteilt. In beiden Gruppen erhielten die Patienten ausführliche Informationen zu Hygienemaßnahmen, um MRSA-Infektionen zu vermeiden. In einer Gruppe wurden die Patienten zusätzlich zu einer MRSA-Dekolonisierung angehalten. Sie sollten im Verlauf von 6 Monaten jede zweite Woche über 5 Tage beim Baden oder Duschen eine 4-prozentige Chlorhexidin-Lotion verwenden und in dieser Zeit 2-mal täglich ein 0,12-prozentiges Mundwasser benutzen und sich die Nasenöffnungen mit einer 2-prozentigen Mupirocin-Creme einreiben. Die Produkte wurden den Teilnehmern kostenlos zur Verfügung gestellt.

Im ersten Jahr nach der Entlassung aus der Klinik kam es in der Kontrollgruppe bei 98 von 1.063 Teilnehmern (9,2 %) zu einer MRSA-Infektion. Von den 1.058 Teilnehmern, die zu einer Dekolonisierung angehalten worden waren, erkrankten dagegen nur 67  (6,3 %) an einer MRSA-Infektion. 

Susan Huang von der University of California Irvine School of Medicine und Mitarbeiter ermittelten für diesen primären Endpunkt der Studie eine Hazard Ratio 0,70, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,52 bis 0,96 signifikant war. Bei einem absoluten Unterschied von 2,9 % ergibt dies eine „Number needed to treat“ von 30 Personen. 

Bei 84,8 % der MRSA-Infektionen war ein Kranken­haus­auf­enthalt erforderlich. Haut- und Weichteilinfektionen sowie Lungenentzündung waren die häufigsten Infektions­arten.

Bei den Teilnehmern, die alle Dekolonisierungen durchführten, war die Schutzwirkung noch höher. Huang ermittelt eine Hazard Ratio von 0,56 (0,36-0,86) und eine „Number needed to treat“ von 26 zur Vermeidung einer MRSA-Infektion. 

Die Gesamthäufigkeit der Infektion wurde durch die Dekolonisierung von 23,7 auf 19,6 % gesenkt. Die Hazard Ratio betrug 0,83 (0,70-0,99) und die „Number needed to treat“ 26. Bei den Patienten, die alle Dekolonisierungen durchführten, betrug die Hazard Ratio 0,60 (0,46-0,78) und die „Number needed to treat“ 11.

Die Verträglichkeit der Dekolonisierung war gut. Die Häufigkeit von lokalen Reizungen betrug nach der Anwendung von Mupirocin 1,1 %, nach der Anwendung der Duschlotion mit Chlorhexidin 2,3 % und beim Chlorhexidin-Mundwasser 1,1 %. 

Die Dekolonisierung erwies sich damit als eine leichte, kostengünstige und hoch­effektive Methode, um MRSA-Träger nach einer Klinikentlassung vor einer Infektion zu schützen. Ein gewisser Nachteil könnte die Entwicklung von Resistenzen sein. Bei insgesamt 12,6 % der Patienten wurde eine Resistenz der MRSA gegen Mupirocin gefunden. Bei 1,9 % war diese neu aufgetreten. Ein Wirkungsverlust von Chlorhexidin (minimale Hemmkonzentration 8 µg/ml oder mehr) war mit 0,1 % selten. © rme/aerzteblatt.de

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