NewsPolitikÄrzte gegen Verkauf von Suizidmitteln für Schwerkranke
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Ärzte gegen Verkauf von Suizidmitteln für Schwerkranke

Dienstag, 19. Februar 2019

/photophonie, stockadobecom

Berlin – Die Bundes­ärzte­kammer lehnt Neuregelungen ab, die Schwerkranken den Kauf von Medikamenten zur Selbsttötung ermöglichen. „Ärzte leisten Hilfe beim Sterben, aber nicht zum Sterben“, heißt es in der Stellungnahme für eine Anhörung im Gesundheitsausschuss des Bundestags an diesem Mittwoch. Es dürfe keine Option für Ärzte sein, in schwierigen und hoffnungslosen Situationen eine aktive Tötung zu empfehlen oder daran mitzuwirken. Menschliche Extremnotlagen könnten auch nicht mit einem behördlichen Verwaltungsakt gelöst werden.

Das Bundesverwaltungsgericht hatte 2017 entschieden, dass es für Sterbewillige in Extremfällen einen Zugang zu einer tödlichen Dosis Betäubungsmittel geben könne. Schwer kranke Menschen hätten nach dem Grundgesetz das Recht zu entscheiden, wie und wann sie aus dem Leben scheiden wollen. Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium wies aber im vergangenen Jahr das zuständige Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) an, entsprechende Anträge von Bürgern abzulehnen. Bis Frühjahr 2018 gingen dort 104 Anträge ein.

Anzeige

Die FDP fordert nun in einem Antrag eine gesetzliche Klarstellung, dass „für schwer und unheilbar Erkrankte in einer extremen Notlage“, wenn sie dies beabsichtigen, „der Erwerb eines Betäubungsmittels für eine Selbsttötung“ ermöglicht werden solle. Vorgesehen werden solle dafür auch ein Verfahren, um Anträge von Betroffenen zu bescheiden. Der jetzige Zustand sei für wartende Schwerstkranke nicht haltbar. Einige müssten Sterbehilfe im Ausland in Betracht ziehen.

Die Bundes­ärzte­kammer hob dagegen die Palliativversorgung als Alternative hervor. Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin lehnte ein Bereitstellen von Betäubungs­mitteln für Suizide ebenfalls ab. Es bestehe die Gefahr, dass eine Begrenzung auf extreme Ausnahmesituationen nicht möglich sei und eine „staatliche Pflicht zur Assistenz bei Suizid“ geschaffen werden könnte. Dabei zähle eine respektvolle Auseinandersetzung mit Todeswünschen von Patienten zu den ärztlichen Aufgaben. In erster Linie gelte es aber, Optionen zur Linderung von Leid zu erörtern und gemeinsame Wege dafür zu finden.

Bundesamt hat bislang keine Suizidmittel bewilligt

Das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte teilte unterdessen dem Tagesspiegel mit, dass bereits 93 von 123 vorliegenden Anträgen abgelehnt worden seien. Einen positiven Bescheid habe es in keinem einzigen Fall gegeben. 22 suizid­willige Antragsteller seien in der Wartezeit verstorben. Neue Anträge gibt es nur noch wenige.  © dpa/kna/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #33711
Dr. Diemut Fuchs
am Mittwoch, 20. Februar 2019, 12:40

Wahrlich nicht "die Ärzte"

Die BÄK spricht auch nicht für mich und eine Reihe befreundeter Kollegen, die absolut humanistisch gesinnte Ärzte und keine Medizintechniker sind. Aus psychologischer Sicht scheint es sich bei den vehementen Gegnern eines selbstbestimmten Todes um Menschen zu handeln, die nie mit Ihrer eigenen Sterblichkeit ins reine gekommen sind und von diesbezüglichen Urängsten geplagt werden. Wer nicht gelernt hat, den eigenen Tod als natürliche und notwendige Bedingung jeglichen Lebens zu akzeptieren, der kann auch den Todeswunsch anderer Menschen weder verstehen noch zulassen.
Und daß sich hier gar der medizinisch absolut laienhafte Minister einer von ihm politisch verwalteten „Gesundheit“ anmaßt, per Anweisung das juristisch mühsam erstrittene Recht schwerkranker Patienten auf selbstbestimmtes Sterben zu verweigern, zeigt das Ausmaß unserer zunehmenden gesellschaftlichen Verlogenheit. Reflektierenswert scheint mir auch die Tatsache, daß die dogmatischsten Gegner eines human abgekürzten Sterbevorgangs sich hauptsächlich auf „christliche“ Ethik und Werte berufen. Dabei sollten gerade diese tiefgläubigen Fundamentalisten doch eigentlich bald und freudig dem Paradies entgegenstreben und das auch Anderen gönnen. Oder fürchten sie evtl. doch, nicht dort zu landen? Vielleicht in einer Hölle, zu der sie während ihres Lebens todkranke und verzweifelt um Erlösung bittende Menschen verdammt haben?
Avatar #88255
doc.nemo
am Mittwoch, 20. Februar 2019, 08:37

Nicht "die Ärzte"

Die Führungsriege der Bundesärztekammer, vielleicht auch nur ihr Vorsitzender, wie S. Rex bereits vermutet, lehnen die Suizidbeihilfe ab, keinesfalls alle Ärzte. Die BÄK spricht nicht in meinem Namen! Und die Regierung pocht auf das Einhalten des Rechts, wenn es ihrem eigenen Vorteil dient - und wo nicht, umgeht sie es selbst.
Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Dienstag, 19. Februar 2019, 20:42

Die Bundesärztekammer?

Oder vielleicht doch nur Herr Montgomery? Er sollte bei Gelegenheiten wie diesen sprachlich sehr genau darauf achten, ob er nur für sich oder wirklich für die gesamte Ärzteschaft spricht. Seine christlich fundamentalistische Weltanschauung wird längst nicht von allen Ärzten geteilt.
Avatar #739272
isabel45
am Dienstag, 19. Februar 2019, 18:14

Ärzte gegen Suizidmittel

Nicht dass ich sowas schlucken möchte---aber :KLAR will die Medizin, die Ärzteschaft und die entsprechende Industrie diese Mittel NICHT---da gehen doch jahrelange TEURE Behandlungen verloren, wenn der unglückliche (aber das ist ja egal)Mensch endlich erlöst sein MÖCHTE!!!!(Wie ist das mit den Krankenkassen-die müssten doch DAFÜR sein, oder???)
LNS

Nachrichten zum Thema

6. März 2019
Frankfurt am Main – Der FDP-Fraktionsvize Stephan Thomae hat sich für liberale Regeln in mehreren Lebensbereichen ausgesprochen. Unter der Überschrift „Selbstbestimmung von der Wiege bis ins Grab“
FDP-Vorstoß für liberale Regeln zu Leihmüttern und Sterbehilfe
5. März 2019
Karlsruhe – Das Bundesverfassungsgericht hat jetzt bestätigt, das es Mitte April über das Verbot der geschäftsmäßigen Sterbehilfe verhandelt. Das höchste deutsche Gericht in Karlsruhe kündigte heute
Verfassungsgericht verhandelt im April über Verbot geschäftsmäßiger Sterbehilfe
1. März 2019
Karlsruhe/Berlin – Das Bundesverfassungsgericht prüft voraussichtlich im April Verfassungsbeschwerden gegen das strafrechtliche Verbot organisierter Sterbehilfe. Nach Informationen des Berliner
Bundesverfassungsgericht verhandelt im April über Sterbehilfe
28. Februar 2019
Brüssel – Die Zahl der Fälle aktiver Sterbehilfe in Belgien ist leicht angestiegen. Wie die Zeitung Le Soir vom Donnerstag unter Berufung auf Zahlen der staatlichen Sterbehilfekommission berichtet,
Mehr Fälle aktiver Sterbehilfe in Belgien
25. Februar 2019
Berlin – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn hat die Linie verteidigt, dass Schwerkranke vorerst keine amtliche Erlaubnis zum Kauf von Medikamenten zur Selbsttötung bekommen. Der Bundestag habe sich
Spahn verteidigt Nein zur Abgabe von Suizidmitteln
21. Februar 2019
Berlin – Bei einer Anhörung vor dem Gesundheitsausschuss des Bundestages sprachen sich Experten mehrheitlich dagegen aus, schwer kranken Patienten auf ihren Wunsch ein tödlich wirkendes Arzneimittel
Mediziner gegen behördliche Abgabe von Tötungsmitteln
14. Februar 2019
Montreal – Während immer mehr Länder den Cannabiskonsum legalisieren und die THC-Droge zunehmend zu medizinischen Zwecken eingesetzt wird, warnen Epidemiologen vor den Folgen für die Gehirne
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER