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Medizin

Artemisinine könnten Wirkstoffkandidaten gegen neuropsychiatrische Krankheitsbilder werden

Dienstag, 19. Februar 2019

Schematische Darstellung des Rezeptor-Artemisinin – Konkurrenz um eine gemeinsame Bindungsstelle in Gephyrin. /Vikram Kasaragod, Rudolf-Virchow-Zentrum

Würzburg – Artemisinin und seine halbsynthetischen Derivate werden unter anderem zur Behandlung der tropischen Infektionskrankheit Malaria eingesetzt. Wissenschaftler der Universitäten Würzburg, des Universitätsklinikums Hamburg und der Universität Kopenhagen haben jetzt zelluläre Effekte der Wirkstoffe beschrieben. Ihrer Auffassung nach können die Artemisinine den Weg zu potenziellen Wirkstoffkandidaten gegen Krankheiten wie Alzheimer, Schizophrenie und Epilepsie weisen. Die Arbeit ist in der Zeitschrift Neuron erschienen (2019; doi: 10.1016/j.neuron.2019.01.001). 

Artemisinin wird aus den Blättern und Blüten des Einjährigen Beifußes (Artemisia annua) gewonnen und bereits seit Jahrhunderten in der traditionellen chinesischen Medizin eingesetzt. Die Wirksamkeit wurde von der chinesischen Forscherin Tu Youyou erforscht und durch die Vergabe des Nobelpreises honoriert. 

„Obwohl diese klinisch zugelassene Wirkstoffgruppe durchaus verbreitet und teilweise schon seit Jahrhunderten eingesetzt wird, war bislang unklar, welche molekularen Mechanismen den entsprechenden zellulären Aktivitäten, also zum Beispiel der Zielproteinerkennung und -modulation, zugrunde liegen“, erläutert Vikram Kasaragod aus der Forschungsgruppe von Hermann Schindelin am Rudolf-Virchow-Zentrum für Experimentelle Biomedizin der Universität Würzburg.

Die Forscher konzentrierten sich bei der Studie auf die Wechselwirkung von 2 verschie­denen Artemisinin-Derivaten – Artesunat und Artemether – mit sogenanntem Gephyrin. Dieses fungiert als zentrales Gerüstprotein inhibitorischer Postsynapsen im Zentralnervensystem von Säugetieren. Die Arbeit zeigt, wie Artemisinine auf die universelle Rezeptorbindungstasche in Gephyrin abzielen und mit den inhibierenden Neurotransmitterrezeptoren um eine überlappende Bindungsstelle konkurrieren. Laut Kasaragod bildet die vorliegende Studie ein umfassendes Modell der Regulation der inhibitorischen Neurotransmission durch Artemisinine.

„Unsere Daten liefern nicht nur eine solide Grundlage für das Verständnis, wie Artemisinine von einem Zielmolekül erkannt werden, sondern werden Forschern auch helfen, diese Wirkstoffe zu hochspezifischen Modulatoren von Gephyrin zu entwickeln und zu optimieren. Diese Modulatoren könnten zukünftig bei der Behandlung von neurologischen Krankheiten wie Morbus Alzheimer, Schizophrenie und Epilepsie eine wichtige Rolle spielen“, erläutert der Leiter der Studie, Hermann Schindelin.

© hil/aerzteblatt.de

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