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Medizin

Fieber: Drei einfache Tests können schwere Infektionen bei Säuglingen (fast immer) ausschließen

Dienstag, 19. Februar 2019

/Africa Studio, stockadobecom

Sacramento/Kalifornien – Die wenigsten Säuglinge, die in den ersten Lebenswochen mit hohem Fieber in einer Notfallambulanz vorgestellt werden, haben eine schwere bakterielle Infektion, es könnte aber auch eine beginnende Meningitis vorliegen. Eine US-Studie in JAMA Pediatrics (2019; doi: 10.1001/jamapediatrics.2018.5501) hat untersucht, wie die harmlosen Fälle am besten erkannt und die Säuglinge vor schmerzhaften Tests, unnötigen Antibiotika und einem Kranken­haus­auf­enthalt bewahrt werden können. 

Hohes Fieber ist bei Säuglingen in den ersten Wochen immer ein Warnzeichen. Wenn Harnwegsinfektionen, Bakteriämien oder eine Meningitis nicht sofort behandelt werden, kann dies schwere Folgen für die Säuglinge haben. An vielen Notfall­ambulanzen wird deshalb vorsichtshalber eine intensive Diagnostik mit Lumbal­punktion durchgeführt und die Kinder vorsorglich mit Antibiotika behandelt. Am Ende stellt sich in 9 von 10 Fällen heraus, dass die Maßnahmen unnötig waren, weil die Säuglinge nicht ernsthaft erkrankt waren.

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Das US-amerikanische Pediatric Emergency Care Applied Research Network hat nun in einer Studie nach Wegen gesucht, wie eine Überdiagnostik und Übertherapie verhindert werden könnten. Die Untersuchung wurde im Rahmen einer Studie zur Mikroarray-Diagnostik von bakteriellen Infektionen durchgeführt. Mikroarrays, die eine Vielzahl von bakteriellen Genen im Blut nachweisen, gelten als eine Diagnostik der Zukunft, da sie rasche Gewissheit nicht nur über das Vorliegen einer Infektion versprechen, sondern auch über die Identität des Erregers und seine Empfindlichkeit auf Antiinfektiosa. Mikroarrays sind jedoch noch nicht in den Kliniken eingeführt und vielleicht sind sie nicht notwendig, weil es einfachere Möglichkeiten einer Diagnose gibt.

Das Team um Nathan Kuppermann von der Davis School of Medicine in Sacramento hat für die Studie 1.821 Säuglinge im Alter von unter 60 Tagen ausgewählt, die mit wenigstens 38 °C Fieber in einer von 26 Notfallaufnahmen vorgestellt wurden (Säuglinge mit weiteren Zeichen einer schweren Infektion waren ausgeschlossen). Die Kinder wurden nach dem Zufallsprinzip auf 2 Gruppen verteilt. Die erste Kohorte diente der Ermittlung eines Protokolls, das dann an der zweiten Kohorte überprüft (Validation) wurde. 

Das Protokoll, das die Forscher jetzt vorstellen, besteht aus 3 einfachen Tests. Der erste Test ist eine Untersuchung des Urins auf eine Harnwegsinfektion. Bei einem positiven Ergebnis ist eine Antibiotikabehandlung erforderlich. Der zweite Test ist die Bestimmung der neutrophilen Granulozyten im Blutbild. Ein Anstieg auf über 4.090/µl ist ebenfalls ein Hinweis auf eine bakterielle Infektion. Der dritte Test ist die Bestimmung des Procalcitoninwerts im Blut. Ein Anstieg auf 1,71 ng/ml oder höher spricht ebenfalls für eine bakterielle Infektion.

In der Validierungskohorte erwiesen sich die 3 Tests als zuverlässig. Die Sensitivität betrug laut Kuppermann 97,7 % (95-%-Konfidenzintervall 91,3 bis 99,6 %), die Spezifität 60,0 (56,6 bis 63,3 %). Den negativen prädiktiven Wert gibt Kuppermann mit 99,6 (98,4 bis 99,9 %) und den negativen Likelihoodquotient mit 0,04 (0,01 bis 0,15 %) an.

Bei insgesamt 3 Säuglingen wurde die Diagnose einer schweren bakteriellen Infektion (zunächst) verpasst. Ein Säugling mit einer Bakteriämie und 2 Säuglinge mit Harnwegsinfektionen wurden falsch klassifiziert. Eine Meningitis wurde in keinem Fall übersehen. In der Gesamtkohorte hatten 170 Säuglinge (9,3 %) eine schwere bakterielle Infektion, darunter waren 151 Säuglinge mit einer Harnwegsinfektion, 41 Säuglinge mit einer Bakteriämie und zehn Säuglinge mit einer bakteriellen Meningitis. Die Forscher hoffen, dass die 3 Tests nach einer weiteren Validierung in einer unabhängigen Kohorte viele schmerzhafte Lumbalpunktionen, die unnötige Verabreichung von Antibiotika und Kranken­haus­auf­enthalte verhindern können. Da sich die Zusammensetzung der Patienten in Kalifornien von der in Deutschland unter­scheiden, dürfte auch hierzulande eine Validieren notwendig werden. © rme/aerzteblatt.de

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