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IQWiG bescheinigt der strahlungsfreien Videoraster­stereografie Potenzial für einen medizinischen Nutzen

Dienstag, 19. Februar 2019

Videorasterstereografie /DIERS International GmbH, Wikimedia

Köln – Patienten mit einer Verkrümmung der Wirbelsäule – einer Skoliose – können möglicherweise von einer Verlaufskontrolle mittels einer sogenannten Videoraster­stereografie profitieren. Das geht aus einer Analyse hervor, die Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen für das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) erstellt haben. Interessierte Personen und Institutionen können bis zum 18. März 2019 schriftliche Stellungnahmen zum vorläufigen Basisbericht „Videorasterstereografie bei idiopathischer Skoliose“ beim IQWiG einreichen.

Eine sogenannte idiopathische Skoliose, die nicht auf eine angeborene Fehlbildung oder einen Unfall zurückgeht, kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Je nach Stärke werden nicht nur der aufrechte Gang und die Beweglichkeit eingeschränkt, auch Wirbel und Bandscheiben können einseitig abnutzen und im höheren Alter Schmerzen verursachen. Der Brustkorb kann die Lunge einengen und auf diese Weise Atemnot erzeugen. Engmaschige Kontrollen sind deshalb nötig. 

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Bei der Videorasterstereografie projiziert eine Lichtquelle ein Linienraster auf den Rücken. Dieses Raster wird von einer Kamera aufgezeichnet und die Linien­krümmungen werden mithilfe einer Software analysiert, die daraus ein dreidimensionales Abbild der Oberfläche, einen „virtuellen Gipsabdruck“ generiert

Die Wissenschaftler fanden keine Studien, die in einem direkten Vergleich unter­suchten, welches der beiden bildgebenden Verfahren – Röntgen oder Videoraster­stereografie – zu einer zuverlässigeren Diagnose und anschließend auch zu besseren Behandlungsergebnissen führt. Die Recherchen führten lediglich zu vier Studien, die nach der „Konkordanz“ von Videorasterstereografie und Röntgen fragten – also danach, ob die Messergebnisse für die Verkrümmung voneinander abweichen. Dabei handelt es sich jedoch um Studien, deren Ergebnisse aufgrund ihrer Methodik wenig aussage­kräftig sind. Zudem sind sie zum Teil mehr als 20 Jahre alt.

Trotz dieser Einschränkungen bescheinigen die Autoren der Videorasterstereografie ein „Potenzial für einen medizinischen Nutzen“, also einen möglichen Vorteil gegenüber dem Röntgen. Dieser liege unter anderem darin begründet, dass es sich um eine strahlungsfreie Methode handelt, die auch bei den meist sehr jungen Patienten mangels gesundheitlicher Risiken unbegrenzt häufig angewendet werden könne.

Die Fachgesellschaften halten für die (Erst-)Diagnose und vor Therapieanpassungen wie Korsett oder OP eine Röntgenaufnahme für unverzichtbar. Für die Kontrolle des Verlaufs von Erkrankung und Behandlung wäre die Videorasterstereografie nach Auffassung der Autoren jedoch geeignet – selbst wenn ihre Messergebnisse ungenauer wären als die des Röntgens. Die mögliche Unsicherheit der Videorasterstereografie könne durch engmaschigere Kontrolluntersuchungen ausgeglichen werden. Deshalb stelle sie in der Verlaufskontrolle eine „gute Alternative“ zum risikobehafteten Röntgen dar, so ihr Fazit.

Der Bericht wurde im Rahmen des „ThemenCheck Medizin“ des IQWiG erstellt. Berichte aus diesem Bereich gehen auf Vorschläge aus der Bevölkerung zurück. © hil/aerzteblatt.de

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