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Politik

AOK-System stellt 100 Millionen Euro zusätzlich für Versorgung auf dem Land bereit

Mittwoch, 20. Februar 2019

/dpa

Berlin – Die bundesweit elf AOKs wollen in den Jahren 2019 und 2020 rund 100 Millionen Euro zusätzlich für die Verbesserung der medizinischen Versorgung auf dem Land bereitstellen. Das hat der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Martin Litsch, heute in Berlin angekündigt. Anlass war die Vorstellung der Initiative „Stadt. Land. Gesund“ der AOK-Gemeinschaft. Gefördert werden sollen Litsch zufolge insbesondere Projekte zur sektorenübergreifenden Versorgung, zur Delegation ärztlicher Leistungen an qualifiziertes Gesundheitspersonal, zur Ausweitung der Telemedizin beispielsweise in Form von Videosprechstunden und zur Förderung von Arztnetzen, die vor allem für eine reibungslose Versorgung der Patienten beitragen sollen, wenn Fach- oder Sektorengrenzen überwunden werden müssen.

Immer häufiger werde davor gewarnt, dass die Kluft zwischen Stadt und Land größer werde, auch in der Gesundheitsversorgung, sagte Litsch. Hier wolle die AOK, die im ländlichen Raum überdurchschnittliche Marktanteile habe, gegensteuern. Eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Kassenverbandes unter 2.000 Bundesbürgern habe ergeben, dass die Bewohner in ländlichen Regionen deutlich unzufriedener mit dem Angebot an Krankenhäusern und Fachärzten seien als Bewohner in Städten. Bei der Frage, ob sich die gesundheitliche Versorgung verschlechtert habe, hätten vor allem Befragte aus kleinen und mittleren Städten zugestimmt, insbesondere mit Blick auf die Versorgung mit Haus-, Fach- und Kinderärzte. Ein Viertel der Befragten habe darüber hinaus bereits die Erfahrung gemacht, dass Behandlungsabläufe zwischen Ärzten schlecht abgestimmt waren. Bei den chronisch Kranken und denjenigen, die einen Krankenhaus­aufenthalt hinter sich hatten, waren es bis zu einem Drittel.

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Bevölkerung würde mobile Arztpraxen und Telemedizin nutzen

Zugleich habe die Umfrage aber auch eine sehr große Aufgeschlossenheit gegenüber innovativen Versorgungsformen gezeigt, betonte Litsch. 91 Prozent fänden die Betreuung durch speziell qualifizierte medizinische Fachkräfte gut oder sehr gut. 82 Prozent könnten sich vorstellen, mobile Arztpraxen zu nutzen, und für 55 Prozent kämen Videosprechstunden generell infrage, insbesondere für die Befundbesprechung oder als Folgetermin. Ausschlaggebend für die Wahl eines Arztes oder Krankenhauses seien für die meisten Befragten die gute Qualität, deutlich vor der guten Erreichbarkeit oder einer kurzen Entfernung von zu Hause, erklärte Litsch.

Er betonte, dass diese Umfrageergebnisse die Kasse darin bestärkten, die Versorgungs­angebote nicht gleichmäßig über die Landschaft zu verteilen, sondern Distanzen zu überwinden und Erreichbarkeit herzustellen, beispielsweise über Angebote wie Fahrdienste oder digitale Services. Die Politik auf Bundesebene beiße sich schon seit längerem die Zähne daran aus, den Landarztberuf wieder attraktiver zu machen, sagte Litsch: „Trotz der zentralistischen Vorgaben und der Anreize mit der Gießkanne ist der durchschlagende Erfolg bei der Arztniederlassung bisher ausgeblieben.“ Das geplante Terminservice- und Versorgungsgesetz werde ebenfalls keinen Run der Ärzte auf die Dörfer auslösen. Die für die Sicherstellung zuständigen Kassenärztlichen Vereinigungen könnten auch keine Ärzte aufs Land zwingen. Vor diesem Hintergrund brauche es pragmatische Lösungsansätze, die über die arztzentrierte Versorgung hinausgingen.

Die innovativen Versorgungsprojekte, die die AOKs in den Ländern förderten, hätten das Potenzial, die in der ländlichen Gesundheitsversorgung entstehenden Lücken zu schließen, sagte die Vorstandsvorsitzende der AOK Bayern, Irmgard Stippler. An die Bundespolitik appellierte Stippler, die Spielräume für passgenaue regionale Versorgungslösungen nicht weiter einzuengen. „Dafür gibt es keine bundesweite Blaupause“, sagte sie. Die Probleme in den Regionen seien so individuell wie die dazu passenden Lösungen. „Die Akteure vor Ort müssen gut zusammenarbeiten. Das ist entscheidend“, sagte Stippler. © HK/aerzteblatt.de

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