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Politik

Bundesgesundheits­ministerium fördert Netzwerk für Globale Gesundheit

Mittwoch, 20. Februar 2019

/Chepko Danil, stockadobecom

Berlin – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hat gestern Abend den Startschuss für den „Global Health Hub Germany“ gegeben. Das neue Netzwerk soll Akteure aus der Politik, der Zivilgesellschaft, aus Wissenschaft und Gesundheits­wirtschaft zusammenbringen, um die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen voranzubringen, die unter anderem einen Zugang aller Menschen zu Gesundheitsdienstleistungen vorsehen. Mit dem Global Health Hub sollten Kräfte gebündelt werden, um Fortschritte zum Beispiel im Kampf gegen Tropenkrankheiten, Krebs und Antibiotikaresistenzen sowie bei der Digitalisierung zu machen, erklärte Spahn vor rund 200 Teilnehmern im Bundesministerium für Gesundheit.

Das Ministerium werde den Hub drei Jahre lang mit einer Anschubfinanzierung fördern. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit übernehme während dieses Zeitraums als Geschäftsstelle die Koordination des Netzwerks, kündigte Spahn an. „Das deutsche Engagement geht aber über staatliches Handeln hinaus“, betonte der Minister. Die Nichtregierungsorganisationen (NGOs) seien eine ebenso wichtige Säule des Projekts wie die Wissenschaft und die private Wirtschaft. Um die nachhaltigen Entwicklungszeile der Vereinten Nationen zu erreichen, müssten sich die Akteure besser international vernetzen. „Wir brauchen neue Partnerschaften“, forderte Spahn. Dabei solle der Hub helfen, „als Austauschplattform, die allen offen steht“.

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Das verstärkte Engagement der deutschen Bundesregierung für die globale Gesundheit, die sie im Rahmen der G20 und der G7 auf die internationale politische Agenda gesetzt hat, schlägt sich auch finanziell nieder. Spahn kündigte an, sein Ministerium werde mit 1,5 Millionen Euro das Programm der Weltgesundheits­organisation zur Bekämpfung vernachlässigter Tropenkrankheiten in Afrika (Expanded Special Project for Elimination of Neglected Tropical Diseases, ESPEN) unterstützen.

Untypische Partnerschaften fördern

Als Ansprechpartner und Umschlagplatz für Ideen bezeichnete Ilona Kickbusch den Global Health Hub. Die Direktorin des Global Health Center am Graduate Institute of International and Development Studies in Genf betonte das Potenzial eines solchen Netzwerks, auch mitunter zerstrittene Akteure für dynamische und durchaus kontroverse Diskussionen an einen Tisch zu bringen. „Wir müssen untypische Partnerschaften fördern, damit die Global Health Familie größer wird“, sagte Kickbusch. Der Global Health Hub solle auch zum Streit ermutigen. Denn es gelte unter anderem, Standpunkte zu grundsätzlichen Fragen zu finden. „Ist Global Health ein Konzept des Nordens? Ist es die Fortsetzung des Kolonialismus? Ist es zu gesundheitsbezogen? Das sind Fragen, die man uns stellt“, so Kickbusch.

Nie sei die Wahrscheinlichkeit größer gewesen, die nachhaltigen Entwicklungsziele tatsächlich zu erreichen und der Weltbevölkerung einen universellen Zugang zur Gesundheitsversorgung zu ermöglichen, sagte Christoph Benn, Direktor für Global Health Diplomacy am Joep Lange Institute in Amsterdam. Er stellte insbesondere die Möglichkeiten der Digitalisierung zur Erreichung dieser Ziele in den Vordergrund. „Wir sind Zeugen einer digitalen Revolution, die vor allem in den Ländern mit mittlerem und niedrigem Einkommen stattfindet“, so Benn. In Kenia beispielsweise sei es mithilfe von Smartphones inzwischen möglich, Überweisungen zu tätigen oder Geld für Gesundheitsausgaben zurückzulegen. In Indien dienten Tablets Gesundheitsarbeitern dazu, Patientendaten zu speichern und Gesundheitsparameter zu überwachen. „Es gibt aber noch viele offene Fragen zum Beispiel mit Blick auf den Datenschutz, zu denen Deutschland einen Beitrag leisten kann“, meinte Benn. Dabei könne der Hub als Netzwerk und Kommunikationszentrum Unterstützung leisten.

Der Hub birgt Interessenkonflikte

Kritisch zur Gründung des Global Health Hubs äußerte sich die Deutsche Plattform für Globale Gesundheit, ein Netzwerk aus NGOs, Wissenschaftlern und Gewerkschaften. Die Zusammensetzung des Hubs, der vor allem auf Betreiben der Industrie zustande gekommen sei, berge Interessenkonflikte zwischen Gemeinwohlinteressen und Gewinninteressen im Gesundheitsbereich. Wissenschaft und NGOs seien erst nach lautstarker Kritik und mit wenig Mitspracherecht einbezogen worden. „In der Konsequenz wird ein weiterer Ort geschaffen, an dem die Meinungsführerschaft der Industrie einen großen Stellenwert eingeräumt bekommt“, kritisierte Jörg Schaaber von der BUKO Pharmakampagne. © HK/aerzteblatt.de

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