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Medizin

PPI: Studie findet Hinweise auf Nierenschädigungen und Elektrolytstörungen

Donnerstag, 21. Februar 2019

/Helder Almeida, stock.adobe.com

San Diego – Patienten, die mit Protonenpumpenhemmern (PPI) behandelt wurden, hatten in einer Analyse der Datenbank FAERS, in der die US-Arzneimittelbehörde FDA Meldungen zu unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW) sammelt, deutlich häufiger Nierenkrankheiten und Elektrolytstörungen als Patienten, die mit H2-Blockern behandelt wurden. Die in Scientific Reports (2019; 9: 2282) publizierten Daten stellen die weit verbreitete Ansicht, nach der PPI harmlos sind und deshalb bedenkenlos verordnet werden, infrage. 

PPI sind gut verträglich und werden deshalb relativ häufig verordnet und auch – da einige PPI rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind – in der Selbstmedikation eingesetzt. In den USA soll jeder zehnte Erwachsene bei Sodbrennen und ähnlichen Beschwerden zu PPI greifen.

Eine gute Verträglichkeit nach der Einnahme bedeutet nicht automatisch, dass ein Medikament harmlos ist. Es ist möglich, dass es zu Veränderungen kommt, die sich erst bei längerer Einnahme und mit zeitlicher Verzögerung bemerkbar machen.

Die längere Einnahme von PPI wurde in den letzten Jahren mit einem erhöhten Risiko auf eine Reihe verschiedener Krankheiten in Verbindung gebracht. Neben Clostridium-difficile-Durchfällen, Pneumonien, Knochenbrüchen und Herzinfarkten gehören auch Nierenkrankheiten dazu.

Ein Team um Ruben Abagyan von der Skaggs School of Pharmacy and Pharmaceutical Sciences in San Diego hat jetzt das „FDA Adverse Event Reporting System“ (FAERS) nach möglichen Auswirkungen von PPI auf die Nierenfunktion untersucht. Das FAERS umfasst mittlerweile mehr als 10 Millionen UAW-Meldungen von Ärzten, Apothekern oder anderen Gesundheitsberuflern. Die wenigsten dieser Meldungen betrafen PPI, doch die von der FDA gesammelten ausführlichen Daten zu den einzelnen Patienten bieten die Möglichkeit, nach Zusammenhängen zu suchen.

Die Forscher verglichen Patienten, die PPI eingenommen hatten, mit solchen, den H2-Blocker verordnet worden waren. Beide Arzneimittel blockieren die Säureproduktion im Magen (wobei PPI deutlich stärker wirksam sind) und werden deshalb bei gleichen Beschwerden verordnet. Das bedeutet, dass die beiden Gruppen sich vermutlich sehr ähnlich sind. 

Die Forscher fanden heraus, dass die Anwender von PPI deutlich häufiger Störungen der Nierenfunktion aufwiesen. Die Odds Ratios waren ungewöhnlich hoch. Chronische Nierenerkrankungen waren unter PPI-Anwendern 28,4-mal häufiger, akute Nierenschäden traten 4,2-fach so oft auf. Nierenerkrankungen im Endstadium (sprich Dialyse) waren 35,5-mal häufiger und unspezifische Nierenfunktionsstörungen 8-mal häufiger. PPI-Anwender litten 2,8-fach häufiger als Anwender von H2-Blockern unter Nierensteinen.

Bei Patienten, die PPI einnahmen, wurden auch häufiger Elektrolytstörungen diagnostiziert: Eine Hypomagnesiämie war 78,5-fach häufiger, eine Hypokalzämie 26-fach häufiger, eine Hypokaliämie 6,3-fach häufiger und eine Hyponatriämie 2,2-fach häufiger.

Dass die Odds Ratios wesentlich höher ausfallen als in anderen epidemiologischen Studien, könnte daran liegen, dass dem FAERS nur kranke Menschen gemeldet werden. Häufig sind es solche mit ernsthaften gesundheitlichen Problemen, bei denen mehrere Körperfunktionen gestört sind. In früheren epidemiologischen Studien an Kohorten mit vielen Gesunden und wenigen Kranken wurde selten ein mehr als 2-fach erhöhtes Risiko gefunden. In der FAERS scheinen die Assoziationen verstärkt in Erscheinung zu treten. Letztlich handelt es sich jedoch nur um eine Querschnittsstudie, deren Evidenz begrenzt ist. Eine Kausalität lässt sich nicht belegen. Angesichts der hohen Odds Ratios erscheint es Abagyan jedoch unwahrscheinlich, dass der Effekt auf nicht identifizierte Störfaktoren zurückzuführen ist. © rme/aerzteblatt.de

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