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Medizin

Typhus und Paratyphus: Weltweit 14 Millionen Erkrankungen und 140.000 Todesfälle

Donnerstag, 21. Februar 2019

Salmonella typhi, Erreger von Typhus abdominalis (Mikroaufnahme) /dpa

Seattle – Typhus und Paratyphus, die vor mehr als 100 Jahren in Europa noch schlimme Epidemien auslösten, sind selten geworden. Die Erkrankung, die vor der Entwicklung der Antibiotika tödlich endete, kann heute in den meisten Fällen behandelt werden. Eine Studie in Lancet Infectious Diseases (2019; doi: 10.1016/S1473-3099(18)30685-6) zeigt, wo sich Reisende am ehesten anstecken können. 

Typhus ist noch immer ein furchterregender Name. Die Bezeichnung (altgriechisch für Dunst, Nebel, Rauch oder Dampf) beschreibt den „benebelten Geisteszustand“ zu dem es im fortgeschrittenen Stadium kommt, wenn die systemische Infektion zu neurologischen Symptomen führt. Typhus hat sich tief im kollektiven Gedächtnis eingegraben. Die Bezeichnung löst bei den meisten Menschen Ängste aus. Ärzte sollten ihn nach Möglichkeit vermeiden. Wofür in Deutschland aber praktisch kein Anlass besteht. Infektionen mit Salmonella enterica subspecies serovars Typhi und Paratyphi A, B und C sind so selten, dass die meisten Ärzte die Erkrankung in ihrem Berufsleben kein einziges Mal diagnostizieren. Selbst für Infektiologen sind Typhus und Paratyphus hierzulande eine absolute Rarität. 

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Dem Robert-Koch-Institut sind im Jahr 2017 insgesamt 78 Erkrankungen gemeldet worden, fast alle bei Touristen, die Endemieländer besucht hatten. Am Paratyphus erkrankten nachweislich 44 Personen, die sich ebenfalls im Ausland angesteckt hatten. Todesfälle hat es nicht gegeben. Die Meldepflicht ist angesichts der fehlenden Erkrankungen und der wegen guter sanitärer Verhältnisse unwahrscheinlichen fäkal-oralen Übertragung nur historisch zu verstehen.

In Südasien ist die Situation anders. Von den weltweit 14,3 Millionen Erkrankungen, die laut einer Studie des Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) in Seattle im Jahr 2017 aufgetreten sind, entfielen 10,2 Millionen auf den indischen Sub­kontinent. Dort sind die sanitären und hygienischen Verhältnisse in einigen Regionen weiterhin so prekär, dass die Bakterien aus den Fäkalien auf die Nahrungs­mittel gelangen können. Weitere Endemieregionen sind Südostasien von Myanmar bis nach Neuguinea und die tropischen und subtropischen Länder Afrikas. 

Doch auch in diesen Ländern und global hat sich die Situation deutlich verbessert. Im Jahr 1990, als die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) zuletzt eine globale Statistik zu weltweiten Erkrankungen durchführte, erkrankten noch 25,9 Millionen Menschen an Typhus oder Paratyphus, davon 20 Millionen in Südasien.

Der Typhus endet bei rechtzeitiger Antibiotikabehandlung selten tödlich. Es gib zudem mehrere Impfstoffe. Die Zahl der Todesfälle ist in den letzten 25 Jahren trotz des Bevölkerungswachstums von 203.500 auf 139.900 pro Jahr gesunken, wobei es sich um grobe Schätzungen handelt. Das IHME-Team um Jeffrey Stanaway ermittelt für die aktuellen Todesfälle ein 95-%-Unsicherheitsintervall von 76.900 bis 218.900. Die Case-Fatality-Rate beträgt 0,95 % (0,54 bis 1,53 %), wobei der „echte“ Typhus abdominalis zu 89 % häufiger tödlich endet als der Paratyphus.

Die traditionellen Antibiotika der ersten Wahl – Chloramphenicol, Ampicillin und Cotrimoxazol – haben ihre Wirkung seit den 1970er-Jahren eingebüßt. Mittel der Wahl sind laut der „Coalition against Typhoid“ heute Fluorchinolone. Sie wirken nicht nur schneller als die klassischen Typhusmittel, sie beseitigen auch die Bakterien zuverlässiger aus dem Darm, sodass es seltener zu Rückfällen kommt und die Infektionskette beim Verursacher durchbrochen wird. 

In den letzten Jahren ist es jedoch zu einer Zunahme von Resistenzen gegen Fluorchinolone gekommen. Dies erzwingt die Verwendung neuerer, teurerer und weniger leicht verfügbarer Antibiotika wie Cephalosporine der dritten Generation und Azithromycin. Wenn diese Zweitlinienantibiotika nicht verfügbar sind, kann ein multiresistenter Typhus schwierig oder nicht mehr behandelbar sein. Die Resistenzen, die vor allem vom Stamm H58 getragen werden, haben sich in den letzten Jahren vom indischen Subkontinent in Richtung Ostasien, Ostafrika und nach Syrien ausgebreitet. Einfluss auf die globalen Erkrankungszahlen hatten die Resistenzen offenbar noch nicht. © rme/aerzteblatt.de

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