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Hochschulmedizin: Suche nach Wegen aus dem Dilemma

Donnerstag, 21. Februar 2019

/nd3000, stockadobecom

Berlin – Die Diskrepanz zwischen dem Potenzial der Hochschulmedizin und der Wirklichkeit an den Standortorten der universitären Medizin vertieft sich nach Ansicht vieler Vertreter aus Medizin und Wissenschaftsmanagement sowie Politik und Wirtschaft zunehmend. Die deutsche Universitätsmedizin –­ vom Wissenschaftsrat in den vergangenen Jahren als „Fundament des deutschen Gesundheitssystems“ bezeichnet ­– gehöre teilweise zu den weltweit führenden medizinischen Einrichtungen, konstatierten die Experten beim Hochschulsymposium der Hanns-Martin-Schleyer-Stiftung in Kooperation mit der Heinz-Nixdorf-Stiftung und der Universität Gießen (JLU) gestern und heute in Berlin. Mit der aktuellen Situation der Universitätsmedizin könne man dennoch nicht zufrieden sein, war das einhellige Fazit. Sie sei von einer zunehmenden Dominanz der Patientenversorgung gekennzeichnet.

„Wenn die Universitätsmedizin einmal in eine Dysfunktionalität gebracht ist, wird es lange dauern, bis das System wieder stabil ist“, warnte Heyo K. Kroemer, Dekan der Medizinischen Fakultät Göttingen und designierter Vorstandsvorsitzender der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Doch was ist nötig, um die Schieflage in der Universitätsmedizin zu mindern? Unter dem Titel „Hochschulmedizin auf dem Prüfstand“ suchten die Teilnehmer gemeinsam in der Hessischen Landesvertretung in Berlin nach Lösungen.

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Forschung und Lehre an die Wand gedrückt

„Die Hochschulmedizin hat kein Geld, keine Leute und ist wenig vernetzt“, brachte es Werner Seeger, Ärztlicher Geschäftsführer am Universitätsklinikum Gießen und Marburg auf den Punkt. Kurz: Die Hochschulmedizin stehe mit ihrem Anspruch, auf Spitzenniveau zu forschen und auszubilden und Patienten zu versorgen somit vor beträchtlichen finanziellen, personellen sowie strukturellen Problemen. Unter dem Druck der ökonomischen Rahmenbedingungen und der pauschalierten Vergütung medizinischer Versorgungsleistungen verlagerten sich die Prioritäten an den Universitätskliniken derzeit zugunsten der Patientenbetreuung. „Forschung und Lehre werden von der Krankenversorgung, die etwa 75 Prozent des Umsatzes generiert, an die Wand gedrückt“, erläuterte Kroemer.

Zuschäge für Sonderaufgaben notwendig

Maßnahmen zur finanziellen Konsolidierung der Universitätsmedizin hält deshalb Ralf Heyder, Generalsekretär des Verbandes der Universitätsklinik Deutschlands (VUD), für dringend erforderlich. Die Universitätskliniken hätten eine Reihe von Sonderaufgaben, die über das Fallpauschalensystem (DRG) finanziert werden müssten. „Das ist ein deutscher Alleingang“, sagte er. In anderen europäischen Ländern gebe es für die besonderen Aufgaben der Universitätsmedizin Zuschläge. Nur in Deutschland werde der Sonderstatus der Universitätsklinika gesundheitspolitisch nicht anerkannt. „Wir brauchen ein anderes Verständnis von Hochschulmedizin und eine politische Gesamtverantwortung“, forderte der VUD-Generalsekretär.

Eine Finanzspritze allein reicht nach Ansicht von Hans-Jochen Heinze, Universität Marburg, aber nicht aus, um die Universitätsmedizin zu stärken. Als Mitglied des Wissenschaftsrates sieht er auch strukturellen Reformbedarf und empfiehlt den Aufbau von „Profilbereichen“. Diese sollen insbesondere dem klinisch-wissenschaftlichen Nachwuchs verbesserte Perspektiven bieten. „Fortschritt wird von den Ärzten betrieben, die auch forschen“, betonte er. Man brauche deshalb mehr Clinical-Scientist-Programme.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zeigte sich den Vertretern der Hochschul­medizin gegenüber zur Kooperation bereit. „Aus dem Potenzial der Hochschulmedizin mehr zu machen, wird die große Aufgabe für die nächsten Jahre sein“, versprach er den Teilnehmern des Symposiums. Insbesondere die Umstellung auf eine zunehmend digitalisierte Medizin sei eine wesentliche Herausforderung. © ER/aerzteblatt.de

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