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Medizin

„Bewaffneter“ Antikörper erzielt Remissionen bei triple-negativem Mammakarzinom

Freitag, 22. Februar 2019

/Kwangmoo, stockadobecom

New York – Das Antikörperkonjugat Sacituzumab-Govitecan, das Krebszellen mit dem Zytostatikum Irinotecan gezielt abtötet, hat in einer ersten klinischen Studie bei jeder dritten Patientin mit mehrfach vorbehandeltem triple-negativem Mammakarzinom eine Remission erzielt. Die Ergebnisse wurden im New England Journal of Medicine publiziert (2019; 380: 741-751).

Sacituzumab-Govitecan gehört zu einer Reihe von neueren „bewaffneten“ Antikörpern, die die Chemotherapie besser auf die Krebszellen zentrieren und die gesunden Teile des Körpers schonen soll. Der Antikörper von Sacituzumab-Govitecan ist gegen das Antigen Trop 2 („antitrophoblast cell-surface antigen 2“) gerichtet, das sich auf der Oberfläche der meisten Brustkrebszellen befindet. Nach der Bindung wird das Antikörperkonjugat von der Zelle aufgenommen. Im Zytoplasma löst sich der Wirkstoff SN-38, der ein aktiver Metabolit von Irinotecan ist, vom Antikörper. Der Topoisomerase-I-Inhibitor greift dann die DNA an und verhindert eine Replikation bei der Zellteilung. Die Folge ist ein Absterben der Krebszelle.

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Remission bei triple-negativen Mammakarzinomen möglich

Der Hersteller lässt Sacituzumab-Govitecan derzeit in einer Basketstudie bei verschiedenen Krebserkrankungen an Patienten testen, die nach mehreren Vorbe­handlungen austherapiert sind. Darunter befanden sich auch 108 Frauen mit einem triple-negativen Mammakarzinom. Diese Tumore haben weder Rezeptoren für Östrogene, Progesteron oder HER2. Eine Hormontherapie oder eine Therapie mit Trastuzumab ist deshalb nicht möglich. Triple-negative Mammakarzinome haben eine schlechte Prognose. Die Überlebenszeiten nach der Operation betragen oft nur wenige Monate.

Die 108 Patientinnen, die an 10 Zentren in den USA behandelt wurden, hatten zwischen 2 und 10 frühere Therapien erhalten (meist Taxane und Anthrazykline) und galten als austherapiert. Wie Aditya Bardia vom Massachusetts General Hospital in Boston und Mitarbeiter berichten, wurde mit Sacituzumab-Govitecan bei 36 Patientinnen (33,3 %) eine Remission erzielt. Darunter waren 3 Vollremissionen. Bei weiteren 13 Patientinnen konnte das Krebswachstum zunächst gestoppt werden, so dass der klinische Nutzen bei 45,4 % (49 von 108 Patienten) lag.

Die Remissionen hielten nach Beurteilung der behandelnden Ärzte median 7,7 Monate an (95-%-Konfidenzintervall 4,9 bis 10,8 Monate). Nach externer Begutachtung waren es median 9,1 Monate (95-%-Konfidenzintervall 4,6 bis 11,3 Monate). Das mediane progressionsfreie Überleben betrug 5,5 Monate (4,1 bis 6,3 Monate und das mediane Gesamtüberleben 13,0 Monate (11,2 bis 13,7 Monate). Das sind für die Patientinnen­gruppe recht gute Ergebnisse, wenn man bedenkt, das alle Standardtherapien versagt hatten. 

FDA stuft Sacituzumab-Govitecan als „Durchbruchtherapie“ ein

Die Toxizität scheint sich in Grenzen zu halten. Es kam zwar zu 4 Todesfällen, die jedoch laut Bardia auf die Tumorprogression zurückzuführen waren. Nur 3 Patientinnen (2,8 %) brachen die Behandlung wegen unerwünschter Ereignisse ab. Zu den häufigen schweren Nebenwirkungen der Grade 3 oder 4 gehörten eine Anämie und Neutropenie. Bei 10 Patientinnen kam es zu einer fieberhaften Neutropenie. Die US-Arzneibehörde FDA stuft Sacituzumab-Govitecan als „Durchbruchtherapie“ ein, was eine schnellere Zulassung verspricht. Entscheidend dafür werden die Ergebnisse der laufenden Phase-3-Studie sein, in der Sacituzumab-Govitecan mit 4 anderen Zytostatika verglichen wird. © rme/aerzteblatt.de

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