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Medizin

Studie: Schultergelenk­ersatz-Operation nicht ohne Risiken

Freitag, 22. Februar 2019

/Sebastian Kaulitzki, stockadobecom

Oxford – Die Zahl der Gelenkersatzoperationen an der Schulter ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Nach einer Kohortenstudie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2019; 364: l298) sollten bei der Indikationsstellung jedoch die Risiken der Operation und die eventuelle Notwendigkeit von Austauschoperationen bedacht werden.

Die Zahl der Gelenkersatzoperationen an der Schulter hat sich in England in weniger als 10 Jahren fast versechsfacht. Zwischen April 1998 und April 2017 haben 51.895 Erwachsene 58.054 Endoprothesen erhalten. Die Patienten waren im Mittel 72,2 Jahre alt und zu 72 Prozent Frauen. Wie zufrieden die Patienten mit dem Operationsergebnis waren, konnte Richard Craig vom Oxford Biomedical Research Centre nicht ermitteln, da die Kliniken hierzu keine Daten sammeln. Craig konnte jedoch recherchieren, wie häufig es in den ersten 30 und 90 Tagen nach der Operation zu Lungenembolie, Herzinfarkt, Lungenentzündung, Nierenversagen, schweren Harnwegsinfektionen, Schlaganfällen oder sogar zum Tod kam. 

Diese unerwünschten Ereignisse lassen sich nicht kausal auf die Operation zurück­führen. Die Forscher haben keine Vergleichsgruppe von Menschen mit möglichst gleichen Eigenschaften untersucht, die keine neue Schulter erhielten. Das Auftreten eines dieser Ereignisse zeigt jedoch, dass sich der Eingriff für den Patienten persönlich nicht gelohnt haben könnte.

Laut Craig kam es bei einem von 28 Patienten in den ersten 30 Tagen nach der Operation zu einem schweren unerwünschten Ereignis. Nach 90 Tagen war einer von 22 betroffen. Die postoperative Morbidität stieg mit dem Alter der Patienten an. Von den über 85 Jahre alten Frauen erlitt 1 von 9 innerhalb von 90 Tagen ein schweres unerwünschtes Ereignis. Bei den Männern dieser Altersgruppe war es sogar 1 von 5. Diese Nachteile sollten laut Craig berücksichtigt werden, wenn älteren Menschen eine „neue“ Schulter vorgeschlagen werde.

Bei jüngeren Menschen könnte die Notwendigkeit einer Austauschoperation den persönlichen Nutzen des Gelenkersatzes infrage stellen, zumal der Austausch häufig im hohen Alter erfolgt und dann mit den genannten Problemen verbunden sein könnte. Von den Männern im Alter zwischen 55 und 59 Jahren muss nach den Berechnungen von Craig 1 von 4 damit rechnen, dass er später erneut operiert werden muss. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #672734
isnydoc
am Samstag, 23. Februar 2019, 11:16

NHS versus andere Gesundheitssysteme?

Sicher sind Frakturen dieser Lokalisation mehr bei Frauen in diesem Alter anzutreffen. Neben der OP spielt sicherlich die postoperative Weiterbehandlung eine wesentliche Rolle, was den späteren Erfolg angeht. Wie steht es um Reha, Physiotherapie ... dazu gibt der Artikel keine Antworten.
Austauschoperationen dürften in dieser Altersklasse selten vorkommen.
Avatar #735550
rp__bt
am Freitag, 22. Februar 2019, 18:41

Ist das nicht eine Binsenweisheit, ...

...daß man vor jeder Operation "die Risiken der Operation und die eventuelle Notwendigkeit von Austauschoperationen" bedenken sollte?
LNS

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