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Britische Wissenschaftler warnen vor Auswirkungen eines No-Deal-Brexits auf das Gesundheitswesen

Montag, 25. Februar 2019

/dpa

London – Englische Gesundheitswissenschaftler und Ärzte warnen in einem soge­nannten Health Policy Review in der Fachzeitschrift Lancet vor den Konsequenzen des Brexit für den britischen National Health Service (NHS). Danach wird sich jede Form des Austritts aus der Europäischen Union (EU) negativ auswirken, „aber die Aussicht auf ein No-Deal-Brexit stellt bei weitem das schlimmste Szenario dar, mit negativen Auswirkungen auf die Arbeitskräfte im Gesundheitswesen, die Finanzierung des NHS, die Verfügbarkeit von Medikamenten und Impfstoffen, den Austausch von Informationen und die medizinische Forschung“, so das Autorenkollektiv (2019; doi: 10.1016/ S0140-6736(19)30425-8).

In ihrer Analyse nutzen sie nach eigenen Angaben die verfügbaren rechtlichen und politischen Texte zu verschiedenen Brexitszenarien, um die wahrscheinlichen Auswirkungen auf verschiedene Aspekte des britischen Gesundheitswesens zu bewerten.

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Ein Problem ist laut den Autoren der Personalengpass im Gesundheitswesen. Das zwischen der EU und Theresa May ausgehandelte sogenannte Rücktrittsabkommen sehe gegenseitige Vereinbarungen und die gegenseitige Anerkennung von Berufs­qualifikationen bis 2020 vor. Bekanntlich habe das britische Parlament dieses Abkommen aber abgelehnt.

Ein jetzt drohender No-Deal-Brexit wird nach Auffassung der Autoren die notwendige Einwanderung von Gesundheitspersonal nach Großbritannien ernsthaft einschränken. 

Auch die grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung würde unter einem No-Deal-Brexit besonders leiden. „Alle gegenseitigen Gesundheitsvereinbarungen würden 2019 im Rahmen eines No-Deal-Szenarios auslaufen. Dies wäre besonders schädlich für ältere britische Einwohner und Menschen mit Vorerkrankungen, für die der Kranken­versicherungsschutz in der EU besonders teuer wäre“, schreiben die Autoren.

Auch die Lieferketten für Arzneimittel, Impfstoffe, Medizinprodukte und Ausrüstungen seien gefährdet. „Trotz der Zusicherung der Regierung, dass Notfallpläne vorhanden sind, sind Engpässe wahrscheinlich, da die Vorratshaltung nicht länger als ein paar Wochen dauern kann“, heißt es in dem Beitrag. Zudem werde das Vereinigte Königreich für die globale Pharmaindustrie an Attraktivität verlieren, was bedeuten könne, dass die Markteinführung von neuen Medikamenten bis zu 24 Monate später erfolgen könnte.

„Einige Leute werden unsere Analyse als ‚Project Fear‘ abtun“, schreibt Martin McKee von der London School of Hygiene & Tropical Medicine. Aber bei der geringen verbleibenden Zeit bis zum Austrittsdatum genüge es nicht mehr „Slogans“ zu verbreiten. „Wir haben die Probleme detailliert dargelegt, basierend auf den besten verfügbaren Erkenntnissen. Wenn andere anderer Meinung sind, dann schulden sie es dem britischen Volk, zu sagen, warum. Es ist einfach nicht genug, immer wieder zu erklären, dass ‚etwas funktionieren wird‘, ohne Details zu nennen, wie genau es funktionieren soll“, so McKee. © hil/aerzteblatt.de

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