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Medizin

Trichinellose: In der EU erkranken jährlich etwa 100 Menschen

Montag, 25. Februar 2019

Trichinella spiralis – Abkapselung in Gewebe (Mikroaufnahme, Vergrößerung 200:1) /dpa

Stockholm – Obwohl die Schlachttier- und Fleischuntersuchung auf Trichinen EU-weit vorgeschrieben ist, kommt es jedes Jahr zu vereinzelten Infektionen von Menschen. Die meisten Erkrankungen werden in den Monaten Januar und Februar erkannt, weil über die Weihnachtstage häufig das Fleisch von Wildschweinen auf den Tisch kommt. Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) hat für den Europäischen Wirtschaftsraum (EU/EAA) für das Jahr 2016 insgesamt 166 Fälle recherchiert, von denen 101 bestätigt wurden.

Vor dem „Reichsfleischbeschaugesetz“ vom Juni 1900 erkrankten in Deutschland jährlich 15.000 Menschen an einer Trichinellose. Seit der Einführung der routine­mäßigen Untersuchung von Schlachtfleisch ist die Erkrankung selten geworden, ausgestorben ist sie jedoch nie, weder in Deutschland noch in anderen Ländern Europas. 

Die mit unzureichend erhitztem Fleisch aufgenommenen Larven von Trichinella spiralis oder seinen Verwandten reifen zunächst in Epithelzellen des oberen Dünndarms zu adulten Würmern heran. Es kommt zur Begattung. Nach etwa einer Woche beginnt das Weibchen mit der Ablage der Larven. Diese „enterale Phase“ der Trichinellose dauert etwa 20 Tage, während der es zu Bauchschmerzen und Durchfällen kommen kann.

Diagnostiziert wird die Erkrankung in der Regel erst, nachdem die Larven die Darmwand passiert und über die Blutgefäße die Muskulatur erreicht haben. In der Migrationsphase kommt es zu hohem Fieber und Schüttelfrost, die zum Arztbesuch führen. Möglich sind periorbitale und Gesichtsödeme, Konjunktivitis, Splitterblutungen und Hautausschläge. Im Blutbild kommt es wie bei allen Parasitenerkrankungen zur Vermehrung der eosinophilen Granulozyten.

Nach Besiedlung der Muskulatur kommt es zu ausgeprägten Myalgien. Wegen der guten Durchblutung besiedeln die Larven gerne Zwerchfell, Nacken-, Kaumuskulatur sowie die Muskeln des Schultergürtels und der Oberarme. Bei Befall des Herzmuskels kann es zu lebensbedrohlichen Komplikationen kommen. Ansonsten stehen beständige Muskelbeschwerden und -schwächen im Vordergrund, ausgelöst durch die Larven, die sich in infizierten Muskelzellen spiralförmig aufrollen und bis zu 30 Jahre überleben können.

Trichinenuntersuchungen sind durch die Commission Implementing Regulation (EU) 2015/1375 europaweit vorgeschrieben. Alle Tiere, die von Trichinen befallen werden können, müssen getestet werden. Es gibt jedoch immer wieder Lücken, vor allem bei Wildschweinen, Hausschlachtungen oder Importen aus dem Ausland. In Europa treten die meisten Erkrankungen in den Balkanstaaten auf. Auf die Länder Rumänien, Bulgarien und Kroatien entfielen im Jahr 2016 insgesamt 122 der in EU/EAA gemeldeten 166 Erkrankungen. Bei den bestätigten Erkrankungen waren es 66 von insgesamt 101 Erkrankungen.

Auch in anderen Ländern sind Ausbrüche möglich. In Spanien kam es 2016 zu einer Häufung von 12 Erkrankungen. In Deutschland kam es 2013 zu 14 Trichinellosen, nachdem ein infiziertes Wildschwein in den Produktionsprozess gelangt war. Zuletzt wurden 2017 2 Fälle bekannt. 2 Frauen im Alter von 16 und 63 Jahren hatten sich vermutlich in Äthiopien infiziert. © rme/aerzteblatt.de

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