NewsMedizin„Intelligente“ Spritze für schwierige Injektionen entwickelt
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

„Intelligente“ Spritze für schwierige Injektionen entwickelt

Dienstag, 26. Februar 2019

/jimbophotoart, stockadobecom

Boston – US-Forscher haben eine einfache Modifikation an Injektionsspritzen vorgenommen, die die Applikation von Medikamenten in Hohlräume erleichtern soll. Der „intelligent injector for tissue targeting“ (I2T2) hat sich in ersten Experimenten in Nature Biomedical Engineering (2019; doi: 10.1038/s41551-019-0350-2) bei einer Medikamentenapplikation am Auge bewährt, die besonders schwierig ist.

Normale Medikamentenspritzen bestehen aus einer Kunststoffröhre, die auf einer Seite bis auf eine kleine Öffnung verschlossen ist. An dieser Öffnung befindet sich die Kanüle, durch die das Medikament appliziert wird. Auf der anderen Seite der Röhre befindet sich der Stempel, der die Flüssigkeit durch die Kanüle drückt. Es gibt also nur ein bewegliches Teil in der Spritze.

Anzeige

Bei einer Injektion in Hohlräume hält der Arzt die Spritze an der Röhre und drückt die Nadelspitze durch das Gewebe. Der Stempel wird nicht gedrückt. Es soll ja zunächst keine Flüssigkeit entweichen. Beim Vorschieben musst der Arzt erspüren, wann die Spitze der Nadel den Hohlraum erreicht. Dies ist genau dann der Fall, wenn der Widerstand, der durch das Vorschieben der Nadelspitze durch das Gewebe erzeugt wird, plötzlich nachlässt, weil sich die Nadelspitze in einer Flüssigkeit leichter vorschieben lässt als im Gewebe. Dann stoppt der Arzt das Vorschieben der Röhre und drückt auf den Stempel, um den Inhalt in den Hohlraum zu spritzen.  

Bei epiduralen Injektionen und bei intraperitonealen Injektionen ist hier viel Finger­spitzengefühl gefordert. Zu den schwierigsten Applikationen gehört die Injektion von Medikamenten in den suprachorioidalen Raum. Das ist ein kleine Schicht direkt unterhalb der Lederhaut des Auges (Sklera), oberhalb von Aderhaut (Chorioidea) und Netzhaut (Retina). Dieser Raum wird für die lokale Injektion von Stammzellen genutzt. Dies stellt zusätzliche Anforderung, da die empfindlichen Zellen bei der Injektion nicht beschädigt werden sollen. 

Die I2T2, die ein Team um Jeff Karp vom Brigham and Women's Hospital in Boston entwickelt hat, soll dies erleichtern. Die I2T2 hat 2 bewegliche Teile. Neben dem Stempel hinten ist auch vorne die Nadel an einem Stempel befestigt. Zwischen den beiden Stempeln befindet sich die Injektionsflüssigkeit. Beide Stempel befinden sich in einer Röhre, aus der vorne die Spitze der Nadel leicht herausragt.

Wenn der Arzt die Röhre aufsetzt, dringt die Nadelspitze ins Gewebe ein. Dies kann die Sklera des Auges sein. Der Arzt drückt dann auf den hinteren Stempel. Da die Flüssigkeit nicht komprimiert werden kann, wird dadurch der vordere Stempel nach vorne geschoben. Die Nadel dringt tiefer in das Gewebe ein. Wenn die Nadelspitze einen Hohlraum erreicht hat, ist der Weg für die Flüssigkeit frei. Unter dem leichten fortgesetzten Druck des hinteren Stempels entweicht sie in den Hohlraum. Der vordere Stempel bewegt sich nicht weiter, bis das Flüssigkeitsreservoir entleert ist. Die I2T2 erkennt automatisch, wann die Nadelspitze den Hohlraum erreicht.

Die Forscher haben die Nadel an den Augen von Rindern, Schweinen und Kaninchen getestet. Wenn man Karp glauben darf, gelangen die Injektionen präzise und schonend. Als nächstes führten die Forscher epidurale Injektionen durch. Auch hier gelang laut der Studie eine zielgenaue Injektion. Weitere Einsatzgebiete könnten die Punktion des Peritonealraums (zum Einleiten von Gas vor laparoskopischen Eingriffen) oder auch die subkutane Injektion sein, was den Patienten die Applikation von Insulin oder Biologika erleichtern könnte.

Alle Experimente wurden zwar an biologischen Materialien, aber noch ex vivo durchgeführt. Dass die Injektionen auch an lebenden Organismen gelingen, müssen die Forscher in weiteren präklinischen Studien zeigen. Ob die Technik am Ende auch bei Menschen „kinderleicht“ durchführbar ist, wird sich wohl erst in den klinischen Studien zeigen. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 27. Februar 2019, 11:04

Und was ist jetzt...

an dieser speziellen Spritze "intelligent"?
Schwierige Injektionen erfordern von der Spritze allenfalls einen IQ in Höhe der Raumtemperatur.
Von der-/m-jenigen, welche die Indikation zu einer schwierigen Injektion stellen und diese selbst durchführen, sollte man allerdings einen deutlich höheren "Intelligenz-Quotienten" erwarten.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
LNS

Nachrichten zum Thema

12. August 2019
Potsdam – Das Brandenburger Arbeitsministerium hat auf Sicherheitsrisiken durch automatisierte externe Defibrillatoren (AED) der Marke Telefunken (Modell FA1 und HR1) aufmerksam gemacht. Wie jetzt
Sicherheitswarnung zu Defibrillatormodellen von Telefunken ausgegeben
7. August 2019
Bochum – Einen elektronischen Blindenstock, der über ein radargestütztes System Informationen über das weitere Umfeld an seinen Träger vermittelt, haben Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum
Elektronischer Blindenstock ermöglicht Orientierung im weiteren Umfeld
2. August 2019
Pittsburgh – US-Forscher haben eine Technik für 3-D-Drucker entwickelt, mit der sich komplexe anatomische Strukturen bis hin zum Herz eines Neugeborenen aus Kollagen herstellen lassen. Ein in Science
3-D-Drucker stellt Ersatzteile für das menschliche Herz aus Kollagen her
26. Juli 2019
San Francisco – Mitte Juli verkündete Elon Musk seine neuen Visionen im Bereich Neurotechnologie. Mit seiner Firma „Neuralink“ will er flexible Elektroden per Roboter minimal-invasiv ins menschliche
„Der Artikel kommt im Gewand einer wissenschaftlichen Publikation daher“
22. Juli 2019
Amsterdam – Beim Gesundheitstechnikkonzern Philips sind die Geschäfte im zweiten Quartal gut gelaufen. Der Umsatz stieg um neun Prozent auf knapp 4,7 Milliarden Euro, wie das niederländische
Philips mit starkem zweiten Quartal
19. Juli 2019
Wien– Chirurgen der Medizinischen Universität Wien haben erstmals erfolgreich bei 3 Patienten nach Nerventransfers Sensoren implantiert, die zur Steuerung bionischer Prothesen Biosignale per Funk
Biosignale per Funk ermöglichen intuitive Steuerung von Armprothesen
19. Juli 2019
Göttingen – Die unverändert starke Nachfrage nach Technologien zur Herstellung von Biopharmazeutika hat dem Pharma- und Laborzulieferer Sartorius im zweiten Quartal weiteren Schwung verliehen. Sowohl
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER