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Medizin

Erhöhte Strahlenwerte im Krematorium nach Verbrennung von Krebspatienten

Mittwoch, 27. Februar 2019

/dpa

Phoenix/Arizona – Wenn Krebspatienten kurz nach einer nuklearmedizinischen Behandlung sterben, kann es bei einer Leichenverbrennung im Krematorium zu einer Strahlenbelastung kommen, wie ein Fallbericht im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2019; 321: 803-804) zeigt.

Der 69-jährige Patient, der an einem neuroendokrinen Tumor des  Pankreas litt, hatte 2 Tage vor seinem Tod eine intravenöse Behandlung 177-Lu-Dotatate (Dosis 193,6 mCi) erhalten, einer bei diesem Tumor empfohlenen Therapie. Die Verbrennung fand nach 3 weiteren Tagen statt. Als die Radioonkologen der Mayo Clinic in Phoenix später davon erfuhren, veranlassten sie eine Untersuchung des Krematoriums. Sie fand einen Monat nach der Behandlung statt. 

Zum einen wurde die Strahlung in der leeren Krematoriumskammer mit einem Geigerzähler gemessen. Zum anderen wurde der 24-Stunden-Urin des Betreibers auf radioaktive Nukleotide hin untersucht.

Wie ein Team um den Radioonkologen Lynn Closway berichtet, wurden in der Kammer 5.000 bis 25.000 Impulse pro Minute gemessen, was einer maximalen Exposition von 7,5 mR pro Stunde entspricht. Ein spektroskopiefähiges Strahlungsmessgerät identifizierte das Isotop 177-Lutetium.

Im Urin des Betreibers wurde ebenfalls Radioaktivität nachgewiesen. Sie stammte allerdings nicht vom Isotop 177-Lutetium, sondern vom Isotop 99-Technetium. Diese Radioisotop wird ebenfalls in der Nuklearmedizin eingesetzt, der verstorbene Patient hatte es jedoch nicht erhalten. Closway schließt daraus, dass der Betreiber sich bei der Verbrennung anderer Leichen kontaminiert haben muss.

Die einmalige Exposition mit 177-Lutetium, das eine Halbwertzeit von 6,65 Tagen hat, oder mit 99-Technetium, dessen Halbwertzeit lediglich 6 Stunden beträgt, dürften nach Einschätzung von Closway die Gesundheit des Betreibers nicht gefährdet haben. Die effektive Grenzwertdosis von 1 mSv pro Jahr werde nicht überschritten. Die Tatsache, dass 99-Technetium trotz der kurzen Halbwertzeit im Urin des Betreibers nachweisbar war, könnte jedoch bedeuten, dass er häufiger mit Radiopharmaka kontaminierte Leichen verbrennt. Angesichts von weltweit schätzungsweise 40 Millionen nuklearmedizinischen Untersuchungen oder Behandlungen pro Jahr, könnte der Betreiber aus Phoenix nicht der einzige sein, der mit radioaktiven Isotopen aus der Medizin in Berührung kommt. © rme/aerzteblatt.de

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