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Medizin

Wie der Schlaf Immunfunktionen beeinflusst

Mittwoch, 27. Februar 2019

/pix4U, stockadobecom

Tübingen/Lübeck – Schon kurzer Schlafmangel beeinträchtigt die Funktion von T-Zellen. Das berichten Luciana Besedovsky und Stoyan Dimitrov vom Tübinger Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie und Tanja Lange aus der Lübecker Klinik für Rheumatologie und klinische Immunologie im Journal of Experimental Medicine (2019; doi: 10.1084/jem.20181169).

Die Wissenschaftler führten mit Probanden ein 24-stündiges Experiment durch: Eine Gruppe konnte nachts für 8 Stunden schlafen, eine zweite Gruppe blieb über den gesamten Zeitraum wach. Während des Experiments wurde den Teilnehmern regelmäßig Blut abgenommen. Dabei überprüfte das Forschungsteam vor allem die Bindungsstärke der T-Zellen an ein Molekül namens „Intercellular Adhesion Molecule-1“ (ICAM-1), das es ihnen ermöglicht, sich an andere Zellen anzuheften, die sogenannte Adhäsion. Wie die Untersuchung zeigte, war die Adhäsionsfähigkeit der T-Zellen bei den Probanden ohne Schlaf sichtlich reduziert.

Die Wissenschaftler untersuchten zudem, auf welche Weise Schlaf die T-Zellfunktion beeinflusst: Dazu gaben sie Plasma von schlafenden sowie von wach geblieben Probanden für wenige Minuten auf isolierte T-Zellen. Stammte das Plasma von den Probanden ohne Schlaf, senkte es signifikant die Adhäsionsfähigkeit, verglichen mit dem Plasma der Probanden, die geschlafen hatten.

Diese Unterdrückung der T-Zellfunktion konnte das Team in einem weiteren Experiment rückgängig machen, indem es eine bestimmte Rezeptorklasse blockierte, sogenannte Gαs-gekoppelte Rezeptoren: Über diese wirken unter anderem das Stresshormon Adrenalin und Prostaglandine, Hormone die bei Entzündungen eine Rolle spielen.

„Dies zeigt, dass bereits bei kurzem Schlafentzug lösliche Stoffe diese Rezeptoren aktivieren und darüber auch die Adhäsion der T-Zellen beeinträchtigen“, folgerte die Studienleiterin Besedovsky.

In parallel laufenden Experimenten konnten die Forscher zudem zeigen, dass einige der löslichen Moleküle, die an diese Rezeptorklasse binden, wie Adrenalin, Prostaglandine und der Botenstoff Adenosin, die Adhäsion stark beeinträchtigen, wenn sie direkt auf T-Zellen gegeben wurden. „Unsere Ergebnisse zeigen einen möglichen, grundlegenden Mechanismus, über den Schlaf uns beim alltäglichen Kampf gegen Infektionen unterstützt“, hieß es aus der Arbeitsgruppe. © hil/aerzteblatt.de

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