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Monsanto-Klagewelle reißt nicht ab

Mittwoch, 27. Februar 2019

/dpa

Leverkusen – Der übernommene US-Saatgutkonzern Monsanto entwickelt sich für Bayer zum Wachstumstreiber, bleibt aber ein juristisches Sorgenkind. Die Zahl der Kläger, die in den USA Schadenersatz wegen der angeblichen Krebsgefahr durch Glyphosat einfordern, stieg binnen drei Monaten um knapp 2.000 auf etwa 11.200, wie Bayer heute in Leverkusen mitteilte. Im vergangenen Jahr hatte ein Gericht einem ersten Kläger einen hohen Schadenersatz zugesprochen, danach brach die Aktie ein. Bayer ging in Berufung. Unlängst startete ein zweites Verfahren, weitere sind absehbar.

Bayer weist die Vorwürfe entschieden zurück. „Glyphosat ist ein sicheres Produkt“, sagte Konzernchef Werner Baumann heute und wiederholte damit den aus seiner Sicht „kristallklaren“ Standpunkt des Dax-Konzerns. Man werde sich „in allen weiteren Verfahren entschieden zur Wehr setzen“. Glyphosat sei „ein sicheres und nützliches Produkt für moderne und nachhaltige Landwirtschaft“.

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Der Manager wies auf eine unlängst bekanntgewordene Prüfung des kanadischen Ge­sund­heits­mi­nis­teriums hin, die ebenso wie zahlreiche andere Behörden weltweit zu dem Schluss gekommen sei, dass „die vorgebrachten Bedenken nicht wissenschaftlich gestützt werden können“. Die Internationale Krebsforschungsagentur hatte Glyphosat 2015 aber als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft.

Rückstellungen für Verteidigungskosten

Trotz der Tausenden Kläger in den USA sieht Bayer keinen Grund, für mögliche Schadensersatzzahlungen Vorsorge zu leisten. Der Streit um Glyphosat kostet aber bereits viel Geld: Die Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten stiegen im vergangenen Jahr um rund 660 Millionen Euro. „Wir stellen hier im Wesentlichen für drei Jahre Verteidigungskosten zurück“, erklärte Finanzvorstand Wolfgang Nickl.

In den USA sind hohe Klägerzahlen in Zivilverfahren nicht ungewöhnlich – in den Massenverfahren wollen Anwaltskanzleien möglichst viele Betroffene ins Boot holen. Die Großkanzleien und Prozessfinanzierer argumentieren, dass die einzelnen Betroffenen ohne ihre Unterstützung wenig Chancen hätten auf eine angemessene finanzielle Kompensation, da es für ihre Mandanten eine ungleiche Auseinander­setzung wäre mit den Vertretern der Konzerne.

Positive Umsatzzahlen

Bayer legte heute seine Jahreszahlen vor, die in der Agrarchemie-Sparte – und damit auch bei der früheren Monsanto – positiv ausfielen: Der Umsatz der Sparte „Crop Science“ lag bei 14,3 Milliarden Euro. Wenn Monsanto nicht erst seit 2018, sondern schon 2017 Konzernteil geworden wäre, wäre dies im Jahresvergleich ein Plus von 3,1 Prozent. In Europa kam der Konzern hier auf weniger Erlöse, in Nordamerika zog das Geschäft hingegen an.

Ohne den theoretischen Vergleichswert von 2017 schnellte Bayers Agrarchemie-Sparte beim Umsatz um 49 Prozent nach oben. Der rasante Zuwachs verdeutlicht, wie das Geschäft mit Saatgut und Pflanzenschutzmitteln für den Konzern an Bedeutung gewonnen hat.

Ungetrübter Grund zur Freude war die Bilanz 2018 aber nicht. Denn Bayer musste einen Gewinneinbruch hinnehmen, der Überschuss sackte um drei Viertel auf 1,7 Milliarden Euro ab. Das lag an Kosten im Zusammenhang mit dem rund 63 Milliarden Dollar schweren Monsanto-Deal wie Finanzierungs- und Anwaltskosten, aber auch an hohen Vergleichswerten von 2017, als Bayer kräftige Einnahmen beim Verkauf der Kunststoff-Tochter Covestro einsacken konnte. Der Konzernumsatz inklusive der Sparten Pharmazie, rezeptfreie Arzneimittel und Tiergesundheit lag 2018 bei 39,6 Milliarden Euro. Währungseffekte und Übernahmen herausgerechnet war das ein Plus von 4,5 Prozent.

Umstrukturierungen bis 2021

Der Schuldenberg wuchs wegen des Monsanto-Kaufs aber weniger stark als gedacht. Ende 2018 lagen die Schulden unterm Strich bei 35,7 Milliarden Euro. Finanzvorstand Nickl wertete dies positiv, schließlich war man im August von 39 Milliarden Euro ausgegangen.

Im November hatte Bayer eine Umstrukturierung verkündet, auch weil das Geschäft mit rezeptfreien Arzneien schwächelte. Bis Ende 2021 sollen 12.000 der weltweit knapp 120.000 Stellen abgebaut werden, ein großer Teil davon in Deutschland. Wie viele genau, ist unklar – die Gespräche mit der Arbeitnehmerseite laufen. Es dauere noch, bis die genauen Stellenkürzungen auf Länderebene verkündet werden, sagte Baumann. „Da sind wir noch ein paar Monate von entfernt.“ © dpa/aerzteblatt.de

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