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Politik

Spahn legt Kabinettsentwurf zur Psychotherapeuten­ausbildung vor

Mittwoch, 27. Februar 2019

/pressmaster, stockadobecom

Berlin ­– Das Bundeskabinett hat heute dem Entwurf eines Gesetzes zur Reform der Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung aus dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium zugestimmt. Mit der Gesetzesnovelle soll die Ausbildung der derzeitigen Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten auf eine neue Grundlage gestellt und außerdem die psychotherapeutische Versorgung verbessert werden. „Wir schaffen eine eigenständige und fundierte Ausbildung für Psycho­therapeutinnen und Psychotherapeuten“, sagte Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn heute vor der Presse in Berlin. „Damit wird ihre Qualifikation noch besser und ihr Beruf noch attraktiver. Das ist gut für Therapeuten und Patienten gleichermaßen“, so Spahn.

Künftig soll die Approbation nach einem fünfjährigen Universitätsstudium der Psychotherapie erteilt werden. Für den Zugang zur gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung ist eine anschließende Weiterbildung notwendig, in der die Fachkunde in einem wissenschaftlich anerkannten Verfahren erworben sowie Schwerpunkte in der Behandlung von Erwachsenen beziehungsweise Kinder- und Jugendlichen gesetzt werden. „Erst dann kann der Eintrag ins Arztregister erfolgen, die Voraussetzung für die Zulassung zur vertragsärztlichen Versorgung“, stellte Spahn klar.

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Regelung zur berufsgruppenübergreifenden koordinierten Zusammenarbeit im Gesetzentwurf

Darüber hinaus enthält der Gesetzentwurf zur Reform der Psychotherapeuten­ausbildung einen Auftrag an den Gemeinsamen Bundesauschuss (G-BA) zur Ergänzung der Psychotherapie-Richtlinie. Um eine verbesserte und zeitgerechtere psychothera­peutische Versorgung zu erreichen, wird der G-BA beauftragt, eine berufsgruppen­übergreifende koordinierte Zusammenarbeit der Psychotherapeuten mit anderen Leistungserbringern zu regeln. Diese Regelung ersetzt den Passus zur „gestuften und gesteuerten Versorgung“ (Paragraf 92 Absatz 6a SGB V) aus dem Terminservice- und Versorgungsgesetz. Diesen Passus hatten Therapeutenverbände, Ärzte und Patientenvertreter heftig kritisiert. In einer Bundestagspetition hatten sich zuletzt  217.000 Menschen gegen diese Regelung ausgesprochen.  SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach kritisierte dieses Vorhaben. Die Versorgung schwer psychisch Kranker zu verbessern ist eine politische Aufgabe", sagte er der Neuen Osnabrücker Zeitung. "Die dürfen wir nicht an die Selbstverwaltung abschieben, weil wir uns nicht einigen können", sagte Lauterbach.

Psychotherapeuten wehren sich gegen vorgeschaltete Instanz vor Behandlung

Berlin – Ein Passus aus dem Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) war gestern Thema einer öffentlichen Anhörung im Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages. Die Petition der Psychotherapeutin Ariadne Sartorius vom Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten (bvvp) richtete sich gegen die Vorgabe einer „gestuften und gesteuerten Versorgung im Rahmen einer psychotherapeutischen Behandlung“ (...)

Kein Modellversuchsstudiengang Psychopharmakotherapie 

Der Kabinettsentwurf sieht im Gegensatz zum Referentenwurf keine Modellversuchs­studiengänge zum Erwerb von Kompetenzen in Psychopharmakotherapie mehr vor. „Nach vielfältigen Protesten vonseiten der Ärzte, aber auch der Psychotherapeuten selbst, haben wir die Möglichkeit der Modellstudiengänge rausgenommen“, erläuterte Spahn. Auch die – wie bisher – verpflichtende somatische Abklärung durch einen Arzt vor einer Psychotherapie sei deutlicher als im Referentenentwurf im Kabinettsentwurf formuliert.

Die neue Berufsbezeichnung laute, wie bereits im Referentenentwurf vorgegeben, Psychotherapeutin/Psychotherapeut. „Ärzte können dabei den Zusatz „ärztlicher“ Psychotherapeut führen, betonte Spahn. Diese Regelung hatte die Bundes­ärzte­kammer ebenfalls heftig kritisiert. „Die vorgesehene Reduktion der Berufsbezeichnung auf 'Psychotherapeut' für Absolventen des Direktstudienganges ist ein Etikettenschwindel. Das schlechter ausgebildete „Produkt“ bekommt die hübschere Verpackung", hatte Bundes­ärzte­kammer-Präsident Frank Ulrich Montomery in einem Beitrag im Deutschen Ärzteblatt geschrieben.  Wie solle die Bevölkerung erkennen, dass gerade Ärzte mit Facharztstatus als hoch qualifizierte Psychotherapeuten nach längerer Aus- und Weiterbildung und mit umfassenderem Wissen tätig seien, fragte Montgomery.

Die wesentlichen Regelungen des Gesetzentwurfs zur Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung 

Psychotherapie soll ein eigenständiges universitäres Studienfach werden.

Das Studium gliedert sich in ein dreijähriges Bachelor- und ein zweijähriges Masterstudium.

Das Studium wird mit einer staatlichen psychotherapeutischen Prüfung abgeschlossen.

Bei bestandener Prüfung wird die Approbation (Erlaubnis zur Behandlung) erteilt.

Die neue Berufsbezeichnung lautet Psychotherapeutin und Psychotherapeut.

An das Studium schließt sich eine nach Landesrecht zu organisierende Weiterbildung in stationären und ambulanten Einrichtungen an.

Im ambulanten und stationären Bereich werden die Behandlungsleistungen, die Psychotherapeuten in Weiterbildung (PiW) im Rahmen ihrer Weiterbildung erbringen, von den Krankenkassen vergütet. Damit können PiWs in der vertragsärztlichen Versorgung im Angestelltenverhältnis beschäftigt und vergütet werden.

Mit Abschluss der Weiterbildung sind die Psychotherapeuten berechtigt, sich ins Arztregister eintragen zu lassen und sich um eine Zulassung für die Versorgung im System der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung zu bewerben.

(Quelle: BMG)

Der Gesetzentwurf sieht weiterhin vor, dass die inhaltliche Ausgestaltung der neuen Studiengänge in der Appro­bations­ordnung für Psycho­therapeuten näher geregelt wird. Im Ausbildungsziel des Gesetzes werden die Kompetenzen beschrieben, die insbesondere zur Teilnahme an der psychothera­peutischen Versorgung befähigen sollen. Gestärkt werden soll auch die wissen­schaftliche Kompetenz, die zur Mitwirkung an einer Überprüfung und Weiterentwicklung psychothera­peutischer Verfahren befähigen soll.

Ausbildung solle die Breite der wissenschaftlich anerkannten Psychotherapieverfahren umfassen

Im Einzelnen ziele die Ausbildung darauf ab, die psychotherapeutischen Kompetenzen zu erwerben, die grundlegend zur Behandlung von Patientinnen und Patienten aller Altersstufen befähigen, erläutert das BMG. Die Ausbildung solle die Breite der wissenschaftlich anerkannten psycho­therapeutischen Verfahren umfassen. Nur mit einem breit angelegten Studium könnten die künftigen Psychotherapeuten eine sichere Entscheidung für ein späteres Vertiefungsverfahren in der Weiter­bildung treffen.

Neue Studiengänge der Psychotherapie erstmals zum Wintersemester 2020

 „Der Kabinettsentwurf ist der Beginn der parlamentarischen Beratungen – unser Ziel ist die Beschlussfassung bis zur Sommerpause“, sagte Spahn. Das Gesetz ist im Bundesrat zustimmungspflichtig. Ergänzend zu dem Gesetz werde eine Approbations­ordnung entwickelt, die die Inhalte des Studiums und der psychotherapeutischen Prüfung näher regelt. Läuft alles nach Plan, sollen die neuen Studiengänge der Psychotherapie erstmals zum Wintersemester 2020 angeboten werden. „Darauf müssen sich die Universitäten vorbereiten“, betonte Spahn.

Die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) lehnte im Vorfeld den Referentenentwurf zur Ausbildungsreform strikt ab. Der vorliegende Kabinettsentwurf werde derzeit „intensiv geprüft“, heißt es aus der BÄK. Frank Ulrich Montgomery befürchtet grundsätzlich „eine weitgehende Ausgliederung der Behandlung von psychisch Kranken aus dem medizinischen Versorgungssystem“. Anstatt auf eine ganzheitliche Behandlung komplexer Krankheitsbilder hinzuwirken, bedrohe die Reform eine individuelle somatische wie psychische Aspekte integrierende Versorgung. „Wir wollen Verbesserungen. Aber eine solche Reform darf nicht zulasten der Patienten gehen“, monierte Montgomery. 

Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung: Gesetzlicher Etikettenschwindel

Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium hat Anfang Januar einen Referentenentwurf für ein Gesetz zur Reform der Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung vorgelegt. Die Ärzte lehnen den Entwurf ab. Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundes­ärzte­kammer. Gut Ding will Weile haben“ – so sagt es der Volksmund. Anders verhält es sich mit dem Gesetzentwurf zur Reform der (...)

Die Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK) begrüßt den Kabinettsentwurf. „Der Entwurf ermöglicht eine breitere Qualifizierung für die ambulante und stationäre psychotherapeutische Versorgung “, erklärt Dietrich Munz, Präsident der BPtK. „Der Sonderweg der bisherigen Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung, der den Zugang zur Ausbildung aus heutiger Perspektive ungenügend regelt und unseren Nachwuchs in eine prekäre Lebenslage zwingt, wird beendet.“

Die BPtK sieht jedoch auch Nachbesserungsbedarf, insbesondere in Bezug auf eine zusätzliche finanzielle Förderung der ambulanten Weiterbildung. Die notwendige breitere und differenziertere Aus- und Weiterbildung von Psychotherapeuten sei „nicht zum Nulltarif möglich“. Dieser Bedarf entstehe durch spezifische psychotherapeutische Weiterbildungsleistungen, wie die Supervision, Selbsterfahrung und Theorie­vermittlung sowie durch die Ausgaben für eine sozial­ver­sicherungs­pflichtige Beschäftigung der Psychotherapeuten während der ambulanten Weiterbildung.

Übergangsregelungen für derzeitige Psychotherapeuten in Ausbildung gefordert

Erste Reaktionen kommen auch aus der Politik. „Der Kabinettsentwurf geht in die richtige Richtung, aber er muss noch erweitert werden, weil die Finanzierung der ambulanten Weiterbildung weiterhin ungeklärt bleibt“, sagt die Sprecherin für Gesundheitspolitik von Bündnis 90/Die Grünen, Maria Klein-Schmeink. Auch fehle eine Regelung, um die prekäre finanzielle Situation der aktuellen Psychotherapeuten in Ausbildung zu beenden. Bis zur Umsetzung des Gesetzes würden noch etliche Jahrgänge nach altem Recht eine fünfjährige Ausbildung nach abgeschlossenem Psychologiestudium ohne geregelte sozialrechtliche Absicherung und Entgelt absolvieren müssen. „Das muss noch im Gesetzgebungsverfahren mit einer Übergangsregelung gelöst werden“, fordert Klein-Schmeink. © PB/aerzteblatt.de

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Avatar #761217
Zaungast
am Mittwoch, 6. März 2019, 12:06

Fragwürdig

Beschämend zu lesen, dass wie üblich unter dem Deckmantel des Patientenwohls, die übliche geld- und machtgeileitete Interessenpolitik betrieben wird (s. auch die auch hier zitierte Stellungnahme Montgomerys "Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung: Gesetzlicher Etikettenschwindel").
Die Kritik beschränkt sich wie üblich auf Punkte, die mit einer Abgabe von Kompetenzen zu tun haben, natürlich alles zum Nachteil der Patienten.
Am hanebüchensten dabei der Aspekt des "Etikettenschwindel". Fakt ist, und das weiß auch jeder der im Bereich der Psychiatrie arbeitet (auch Ärzte), dass nichtärztliche Psychotherapeuten um ein Vielfaches besser im Bereich der Psychotherapie ausgebildet sind. Das Psychologiestudium (mit dem für die Psychotherapieausbildung zwingenden Schwerpunkt der klinischen Psychologie) umfasst viel Psychotherapiewissen, das Medizinstudium keines. Die darauf folgende Weiterbildung ist für nichtärztliche Psychotherapeuten 3x so umfassend, wie die ärztliche Facharzt- oder Zusatzausbildung in diesem Bereich (Theorie-/Behandlungsstunden). Das kann jeder in den entsprechenden Weiterbildungsverordnungen nachlesen.
Der einzige Etikettenschwindel ist die derzeitige Situation, dass Psychiater sich als Psychotherapeuten bezeichnen dürfen. Die meisten mir bekannten Psychiater kennen nicht einmal die Rahmenbedigungen einer Psychotherapie, geschweige denn, dass sie eine durchführen könnten/würden. Wer es nicht glaubt kann ja ausprobieren, wieviele Psychiater eine leitliniengerechte Psychotherapie anbieten.
Da der Arztberuf ein sehr umfassendes Wissen in somatischen Bereichen nötig macht ist das alles auch kein Wunder, man kann nicht alles tun. Fragwürdig aber, dass in Stellungnahmen dieser Art auch der von den "Psychotherapeuten" wesentlich besser abgedeckte Bereich mit völlig unzutreffenden Argumenten umkämpft wird.
Avatar #674756
santantimo
am Donnerstag, 28. Februar 2019, 06:11

Das ist das Ergebnis unserer "Wahnsinn"-Gesellschaft.

Vier Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland sind psychisch krank. 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland leiden unter seelischen Erkrankungen.
Und weiter geht`s auf dem Weg zur Mauer. Kein Stopp oder Umkehr ist zu ersehen.
Avatar #731002
CharlotteLeidenich
am Mittwoch, 27. Februar 2019, 19:24

Himmelangst

Mir wird langsam himmelangst vor der neuen Psychotherapeuten-Generation. Was wir vor allem brauchen, sind endlich mal vernünftige ambulante psychosomatische Therapien, da Körper und Seele bekanntlich schmerzhaft ineinander greifen.
LNS

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