NewsMedizinPränatale Vitamine könnten Autismus-Spek­trum-Störungen beim Nachwuchs beeinflussen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Pränatale Vitamine könnten Autismus-Spek­trum-Störungen beim Nachwuchs beeinflussen

Donnerstag, 28. Februar 2019

Vitamine als Tabletten und Obst /grigorylugovoy, adobe.stock.com
/grigorylugovoy, adobe.stock.com

Davis – Pränatale Multivitaminpräparate im ersten Monat der Schwangerschaft könnten von Vorteil sein. Denn Kinder von Müttern, die in diesem Zeitraum keine Vitamine eingenommen haben, erhielten später häufiger eine Autismusdiagnose. Das zeigt eine prospektive Kohortenstudie bei Hochrisikofamilien in Jama Psychiatry (2019; doi: 10.1001/jamapsychiatry.2018.3901). Einen kausalen Zusammenhang konnte das Studiendesign nicht nachweisen.

Bei pränatalen Vitaminpräparaten handelt es sich um Vitaminkombinationen, die speziell für die Schwangerschaft mit hohen Nährstoffanteilen etwa von Folsäure, Eisen und anderen B-Vitaminen entwickelt werden. Die Studie umfasste 241 Kinder, die Geschwister mit einer diagnostizierten Autismus-Spektrum-Störung (ASD) hatten.

Anzeige

Geschwister von Kindern mit ASD haben ein etwa 12-mal höheres Risiko, ASD zu entwickeln, als die Normalbevölkerung.

Quelle: Environmental Health Perspectives 2018

Die ASD-Prävalenz bei Kindern, deren Mütter im ersten Schwangerschafts­monat pränatale Vitamine erhielten, war mit 14,1 % niedriger als bei Kindern, deren Mütter zu diesem frühen Zeitpunkt nach eigenen Angaben keine pränatalen Vitamine zu sich nahmen (32,7 %). Das relative Risiko (RR) für eine ASD ohne pränatale Vitamine lag bei 0,5 (95-%-Konfidenzintervall 0,30-0,81). Kein reduziertes Risiko durch pränatale Vitamine zeigte sich hingegen für andere untypische Entwicklungen in den ersten 3 Jahren (adjustierte RR, 1,14; 95-%-Konfidenzintervall 0,75-1,75).

In der Vitamingruppe zeigten sich zudem Autismussymptome in einem geringeren Schweregrad (adjustierte geschätzte Differenz, -0,60; 95%-KI, -0,97- -0,23) und betroffene Kinder erzielten höhere kognitive Werte (adjustierte geschätzte Differenz, 7,1; 95%-KI, 1,2-13,1). 

Die Korrelation mit pränatalen Vitaminen könnte durch jedes der in diesen Vitaminepräparaten enthaltenen Vitamine getrieben worden sein. Rebecca Schmidt, University of California

Die Forscher untersuchten auch Folsäure- und Eisenmengen aus anderen Vitaminpräparaten. Die Kombination in speziellen pränatalen Vitaminpillen hatte jedoch die größte Auswirkung, berichtet Erstautorin Rebecca Schmidt von der University of California. Die meisten Mütter gaben bei den Telefoninterviews an, dass sie täglich eine pränatale Vitaminpille einnahmen, wobei es sich meist um rezeptfreie Pillen handelte, die etwa 800 ug Folsäure enthielten. „Die Korrelation mit pränatalen Vitaminen könnte durch jedes der in diesen Vitaminepräparaten enthaltenen Vitamine getrieben worden sein“, erklärt Schmidt.

Frühere Studien sind widersprüchlich

Die Studienautoren selbst weisen darauf hin, dass weitere Studien den beobachteten Zusammenhang bestätigen müssten. Auch die optimale Dosis der einzelnen Vitamine müsste evaluiert werden. 

Frühere Studie haben zu widersprüchlichen Ergebnissen geführt. Eine 2011 in Epidemiology publizierte populationsbasierten Fall-Kontroll-Studie ergab, dass die pränatale Vitaminzufuhr im Zeitraum der Empfängnis das Risiko für ASD um etwa 40 % reduziert. Diese Assoziation konnte eine prospektive Geburtskohortenstudie mit 85.176 norwegischen Kindern replizieren (Jama 2013).  Andere Studien zeigten entweder keinen Zusammenhang (Autism 2015) oder keine Korrelation mit dem Zeitpunkt der pränatalen Vitaminzufuhr (Jama Psychiatry 2018). © gie/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

17. April 2019
Vancouver – Ein absoluter Mangel an Vitamin D ist eigentlich nicht mit dem Leben vereinbar. Bei einer 58-jährigen Frau mit Spondylitis ankylosans lag die Vitamin-D-Konzentration jedoch über viele
Frau lebt seit Jahrzehnten ohne (nachweisbares) Vitamin D im Blut
11. April 2019
Tempe/Arizona – Häufige Verdauungsprobleme von Patienten mit Autismus-Spektrum-Störungen haben zu der Vermutung geführt, dass eine Störung der Darmflora an der Erkrankung beteiligt ist. Eine Variante
Autismus-Spektrum-Störung: Stuhltransplantation lindert Symptome in offener Studie
10. April 2019
Boston/Tokio – Kann Vitamin D ein Krebswachstum verlangsamen? Nachdem in den letzten Jahrzehnten andere Vitamine und Spurenelemente reihenweise in klinischen Studien enttäuscht haben, ruhen die
Vitamin D könnte vielleicht gegen Darmkrebs wirksam sein
1. April 2019
München – Zum morgigen Welt-Autismus-Tag hat Bayerns Sozialministerin Kerstin Schreyer (CSU) darauf aufmerksam gemacht, dass Menschen mit Autismus eine auf ihre Bedürfnisse und Fähigkeiten abgestimmte
Aufruf zu größerem Bewusstsein für Autismus
22. März 2019
Los Angeles – Kinder, die im Central Valley aufwuchsen, einer intensiv landwirtschaftlich genutzten Region in Kalifornien, erkranken häufiger an Autismus, wenn sie vor der Geburt oder im ersten
Pestizide: Studie sieht leicht erhöhtes Autismusrisiko
6. März 2019
Kopenhagen – Die wenigen Kinder, die in Dänemark nicht gegen Mumps, Masern und Röteln (MMR) geimpft werden, erkranken nach den Ergebnissen einer bevölkerungsweiten Kohortenstudie in den Annals of
Kein Hinweis auf Autismus durch MMR-Impfung in Dänemark
25. Januar 2019
Cambridge – Antioxidantien könnten bei Schwangeren Herz-Kreislauf-Erkrankungen des Kindes durch Sauerstoffmangel vorbeugen. Nach Versuchen bei Nagetieren haben Forscher aus Cambridge jetzt erstmals
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER