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Medizin

Morbus Parkinson: Infusion von Wachstumsfaktoren in Basalganglien Putamen zeigt in der PET Wirkung

Donnerstag, 28. Februar 2019

Basalganglien (orange) /decade3d, stockadobecom

Bristol – Mit der regelmäßigen Infusion eines Nervenwachstumsfaktors in das Putamen wollen britische Neurochirurgen abgestorbene Regionen des Gehirns wieder zum Leben erwecken. Doch die in Brain (2019; 142: 512-525) und im Journal of Parkinson’s Disease (2019; doi: 10.3233/JPD-191576) vorgestellten Ergebnisse einer ersten klinischen Studie liefern keine Hinweise auf eine klinische Wirkung, auch wenn in der Positronen-Emissions-Tomografie (PET) Zeichen einer dopaminergen Aktivität zu erkennen sind.

Die beiden britischen Stiftungen „Parkinson UK“ und „The Cure Parkinson's Trust“ setzen ihre Hoffnungen auf eine neuartige Behandlung, die sich nicht weniger zum Ziel gesetzt hat als die Revitalisierung zerstörter Hirnregionen.

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Dies soll durch die monatliche Infusion von GDNF („Glial Cell Line Derived Neurotrophic Factor“) in das Putamen gelingen. Das Putamen gehört zu den Basalganglien, die für die Koordinierung der motorischen Bewegungen zuständig sind. Dies erfolgt mithilfe von dopaminergen Neuronen, die beim Morbus Parkinson nach und nach zerstört werden. Betroffen ist dabei auch das Putamen.

Der Nervenwachstumsfaktor GDNF soll die Bildung neuer Nervenzellen stimulieren. Nachdem in Tiermodellen bis hin zu Primaten günstige Ergebnisse erzielt wurden, wurden an einem Behandlungszentrum in Bristol erste Patienten behandelt. Für die Behandlung wurde eigens ein neues stereotaktisches Operationsverfahren entwickelt. Es besteht aus der Anlage von jeweils 4 permanenten Zugängen vom Schädel aus ins Putamen. Über sie wurde den Patienten einmal im Monat der Nervenwachstumsfaktor GDNF infundiert.

In einer ersten Phase wurden 6 Patienten behandelt, um die Sicherheit des Behandlungsansatzes zu prüfen. Nachdem keine ernsthaften Komplikationen auftraten, wurden weitere 35 Personen im Rahmen einer randomisierten Doppelblindstudie behandelt. In den ersten 9 Monaten wurde jeweils die Hälfte der Patienten mit GDNF oder mit Placebo behandelt. Anschließend wurden alle Patienten für weitere 9 Monate mit GDNF behandelt.

Primärer Endpunkt war die Dauer der Off-Phasen in der Symptomskala UPDRS („Unified Parkinson’s Disease Rating Scale“). Die Off-Phasen sind die Zeit, in der die Medikamente (L-Dopa oder Dopaminagonisten) nicht wirken. Eine Zunahme der Off-Phasen weist in der Regel auf eine Fortschreiten der Erkrankung mit zunehmendem Nervenzelluntergang im Gehirn hin. 

Wie Alan Whone von der Bristol Medical School und Mitarbeiter jetzt berichten, ist es in den beiden Therapiegruppen zu einer leichten klinischen Verbesserung gekommen. Die Off-Phasen gingen in der aktiven Behandlungsgruppe um 17,3 % zurück gegenüber einem Rückgang von 11,8 in der Placebogruppe. Der Unterschied von 4,9 Prozentpunkten war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von minus 7,1 bis 16,9 Prozentpunkten jedoch nicht signifikant. Auch in den sekundären Endpunkten war kein signifikanter Unterschied erkennbar. 

Es könnte jedoch sein, dass die Therapie bei einigen Patienten anschlägt. Bei 9 Patienten (43 %) der aktiven Gruppe kam es in der Off-Phase zu einer Verbesserung der motorischen Symptome um 10 oder mehr Punkte, was in der Placebogruppe bei keinem einzigen Patienten beobachtet wurde.

Weitere Hoffnung ziehen die Forscher aus der Entwicklung in der PET. Die Anreicherung des Tracers F18-Dopa, der dopaminerge Neurone markiert, habe sich in der aktiven Behandlungsgruppe um 100 verbessert, berichtete Whone der Presse. Auch hier soll es unter Placebo zu keinen Veränderungen gekommen sein. Eine solche Verbesserung sei bisher in keiner Studie zum Morbus Parkinson beobachtet worden. Die Forscher hoffen, dass die Veränderungen in der PET sich mit der Zeit doch noch günstig auf die Symptome auswirken werden. Die Forscher wollen die Behandlungen bei weiteren Patienten eventuell mit einer höheren Dosierung fortsetzen. © rme/aerzteblatt.de

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