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Medizin

FDA: Thermografie keine Alternative zur Mammografie

Donnerstag, 28. Februar 2019

/dpa

Silver Spring/Maryland – Die US-Zulassungsbehörde FDA hat mehrere Behandlungs­zentren abgemahnt, die eine Thermografie als Alternative zur Brustkrebs­früh­erkennung angeboten haben. Die digitale Infrarotbildgebung sei nur als zusätzliche diagnostische Methode zugelassen, nicht aber als Ersatz für die für viele Frauen unangenehme Röntgenreihenuntersuchung, mahnt die FDA.

Die Thermografie erfasst die Infrarotemissionen der Brust. Mit einem wärme­empfindlichen Gerät werden die Temperaturdaten erfasst und dann durch verschiedene Farben oder Grautöne bildlich dargestellt. Die Rationale der Untersuchung ist, dass die erhöhte Stoffwechselaktivität im Tumorgewebe sowie die Neubildung von Blutgefäßen (Angiogenese) zu einer höheren Temperatur im Vergleich zu gesunden Teilen der Brust führen.

Das Verfahren war bereits 1956 von dem kanadischen Chirurgen Ray Lawson vorgestellt worden. In den 1960er- bis 1980er-Jahren wurden dann verschiedene Studien erprobt. Dabei stellte sich heraus, dass die Thermografie die diagnostische Trefferrate verbessern kann, wenn sie zusätzlich zur Röntgenmammografie eingesetzt wird. In dieser Indikation ist die Thermografie in den USA seit 1982 zugelassen.

In den 1970er-Jahren wurde im „Breast Cancer Detection and Demonstration Project“ auch ein direkter Vergleich von Mammografie und Thermografie an 16.000 Frauen durchgeführt, von denen 139 an einem durch Biopsie bestätigten Mammakarzinom erkrankt waren. Die Röntgenmammografie fand 109 Tumore (78 %), die Thermografie dagegen nur 54 (39 %). Sie war damit sogar schlechter als eine klinische Untersuchung der Brust, bei der immerhin 76 Tumore (55 %) ertastet wurden. Hinzu kam eine hohe Zahl von falsch-positiven Befunden. Die Mammografie erzielte damals bei kleineren Tumoren die besten Ergebnisse. Diese wurden von der Thermografie häufig übersehen (Radiology 1977; 122: 123-127).

Die US-amerikanische Society for Breast Imaging gesteht in einem Positionspapier ein, dass die heutigen digitalen Geräte („digital infrared thermal imaging“, DITI) eine genauere Untersuchung ermöglichen, einen wissenschaftlichen Beweis für eine Gleichwertigkeit gebe es jedoch nicht.

Die Datenlage ist in der Tat mager. Sie basiert nur auf kleineren Studien. Sie wurden zudem an Frauen durchgeführt, bei denen bereits ein klinischer Verdacht auf ein Mammakarzinom bestand. Die Ergebnisse sind deshalb nicht auf ein Screeningszenario übertragbar.

In einer Studie wurde bei 60 von 92 Frauen in der Biopsie ein Mammakarzinom entdeckt. Die DITI identifizierte 58 der 60 Tumore, es gab jedoch zahlreiche falsch-positive Befunde. Die Publikation gibt die Sensitivität mit 97 %, die Spezifität mit 44 % und den negativen Vorhersagewert mit 82 % an (Arora et al.; Am J Surg. 2008; 196: 523-6). In einer weiteren Studie an 100 Frauen – die ebenfalls wegen eines verdächtigen Befunds zur Biopsie geschickt wurden – erreichte der DITI mit einem neuen Softwareprogramm eine Sensitivität von 78 % und eine Spezifität von 75 % (Wishart GC et al.; Eur J Surg Oncol. 2010; 36: 535-40). Diese Ergebnisse liefern nach Ansicht der Society for Breast Imaging keinen Hinweis dafür, dass Frauen zugunsten der „sanften“ Thermografie auf die unangenehme Mammografie verzichten sollten.

Eine kurze Google-Recherche zeigt, dass die Infrarotthermografie auch in Deutschland als Alternative zur Röntgenmammografie angeboten wird. Anders als in den USA müssen die Anbieter hierzulande nicht mit einer Abmahnung durch eine mächtige Zulassungsbehörde rechnen. © rme/aerzteblatt.de

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