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Medizin

Frühgeburt: Können antenatale Steroide das Geburtsgewicht verringern?

Donnerstag, 28. Februar 2019

/Tobilander, stock.adobe.com

London – Die antenatale Steroidbehandlung, die bei einer drohenden Frühgeburt die Reifung der fetalen Lungen fördern soll, ist laut einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie in PLOS Medicine (2019; doi: 10.1371/journal.pmed.1002746) mit einem Rückgang des Geburtsgewichts verbunden. 

Die Effektivität der antenatalen Steroidgabe ist durch Studien gut belegt. Eine Übersicht der Cochrane-Collaboration kam zuletzt auf der Basis von 30 Studien zu dem Ergebnis, dass die einmalige Gabe eines Kortikosteroids, die der Mutter bei vorzeitigen Wehen verabreicht wird, die Entfaltung der Säuglingslunge unterstützt und häufig ein Atemnotsyndrom verhindert. Die Cochrane-Autoren fanden zudem Hinweise auf eine Erhöhung der Überlebenschancen, was die derzeitigen Leitlinien stützt, die zu der Prophylaxe raten.

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Dies bedeutet allerdings nicht, dass die Behandlung ohne Komplikationen ist. Ein Nachteil könnte ein vermindertes Wachstum des Feten sein. Alina Rodriguez vom Imperial College London und Mitarbeiter haben hierzu die Daten des finnischen Geburtsregisters ausgewertet, das alle Geburten des Landes erfasst und auch eine antenatale Steroidbehandlung dokumentiert. 

Von 278.508 lebend geborenen Kindern aus Einzelschwangerschaften waren 4.887 (1,75 %) nach einer antenatalen Steroidbehandlung der Mutter geboren worden, davon 2.173 (44 %) allerdings nicht vorzeitig, sonder erst zum errechneten Termin. Die antenatale Steroidbehandlung, die ja nicht die Frühgeburt verhindert, hatte sich bei fast jedem zweiten Kind als unnötig erwiesen. Die Kinder waren demnach über längere Zeit den Auswirkungen der Steroiddosis ausgesetzt.

Ein Nachteil könnte in einer Verminderung des intrauterinen Wachstums bestehen. Rodriguez ermittelte für sehr Frühgeborene (Gestationswochen 24 bis 29) ein im Durchschnitt um 61,54 Gramm niedrigeres Geburtsgewicht, wenn sie antenatal einer Steroidbehandlung ausgesetzt waren. Bei einer Frühgeburt (Wochen 30 bis 34) betrug die Differenz sogar 222,78 Gramm. Bei Kindern die zwischen der 35. und 37. Woche geboren wurden, betrug der Rückstand 159,25 Gramm und bei einer termingerechten Geburt (38. bis 41. Woche) 91,62 Gramm. Auch für die Größe der Kinder und den Kopfumfang wurden Assoziationen gefunden.

In den Apgarwerten, die den klinischen Zustand während der Geburt beschreiben, waren dagegen keine Nachteile erkennbar. Es bleibt deshalb fraglich, ob sich die vermeintliche Wachstumsverzögerung ungünstig auf die Entwicklung des Kindes auswirken wird, zumal eine Beobachtungsstudie keine Kausalität herstellen kann. Auffällig ist, dass auch für Kinder, die kurz nach der antenatalen Behandlung zur Welt kamen, ein geringeres Wachstum nachgewiesen wurde. Es erscheint unwahrscheinlich, dass eine einzelne Steroidgabe innerhalb von 1 bis 2 Tagen das Gewicht bei der Gewicht beeinflusst. Es bleibt deshalb abzuwarten, ob sich die Ergebnisse der Studie auf die Leitlinien auswirken werden. © rme/aerzteblatt.de

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