NewsMedizinSystematische Lymphadenektomie bei fortgeschrittenem Ovarialkarzinom ohne Vorteile
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Systematische Lymphadenektomie bei fortgeschrittenem Ovarialkarzinom ohne Vorteile

Freitag, 1. März 2019

/Syda Productions, stockadobecom

Essen – Die systematische Entfernung von Lymphknoten im Becken und im Bereich der Aorta hat in einer randomisierten klinischen Studie das progressionsfreie und Gesamtüberleben von Patientinnen mit fortgeschrittenem Ovarialkarzinom, bei denen eine komplette makroskopische Resektion des Tumors und seiner Metastasen gelungen war, nicht verbessert. Die im New England Journal of Medicine (2019; 380: 822-832) publizierten Ergebnisse stellen eine verbreitete Behandlungsstrategie infrage und könnten die betroffenen Frauen vor den Komplikationen einer aggressiven Operation schützen.

An der LION-Studie („Lymphadenectomy in Ovarian Neoplasms“) haben an 59 Zentren in Deutschland, Österreich, einigen benachbarten Ländern und in Südkorea 647 Patientinnen mit fortgeschrittenem Ovarialkarzinom (FIGO IIB-IV) teilgenommen, bei denen eine Entfernung der Metastasen, die bei diesem Tumor vor allem im Bauchraum auftreten, für möglich erachtet wurde. Um einen fairen Vergleich zu ermöglichen, wurden die Patientinnen erst während der Operation und nach der kompletten Entfernung der sichtbaren Tumormassen auf eine zusätzliche Lymphadenektomie oder keine Lymphadenektomie randomisiert. Primärer Endpunkt der Studie war das Gesamtüberleben.

Wie Philipp Harter von den Kliniken Essen-Mitte und Mitarbeiter berichten, wurden bei den 323 Patientinnen, die auf eine Lymphadenektomie randomisiert wurden, im Mittel 57 Lymphknoten (35 Becken- und 22 paraortale Knoten) entfernt. Diese Patientinnen lebten nach der Operation median noch 65,5 Monate, davon 25,5 Monate ohne Tumorprogression. In der Kontrollgruppe lebten die Patientinnen median noch 69,2 Monate, davon 25,5 Monate ohne Tumorprogression.

Signifikante Vorteile für die Lymphadenektomie-Gruppe waren weder im Todesfallrisiko (Hazard Ratio 1,06; 95-%-Konfidenzintervall 0,83 bis 1,34) noch im Risiko auf Tumorprogression oder Tod (Hazard Ratio 1,11; 0,92 bis 1,34) erkennbar.

Die systematische Lymphadenektomie belastetet die Patientinnen dagegen durch längere Operationszeiten (340 versus 280 Minuten) und einen höheren Blutverlust (650 versus 500 ml). Es wurden häufiger Bluttransfusionen (63,7 versus 56,0 %) und die Gabe von gefrorenem Frischplasma (36,3 versus 29,7 %) erforderlich. In der Lymphadenektomie-Gruppe kam es mit 12,4 % versus 6,5 % in der Kontrollgruppe fast doppelt so häufig zu schweren Komplikationen, und auch die Mortalität in den ersten 60 Tagen nach der Operation war mit 3,1 versus 0,9 % signifikant erhöht.

Die Studie stellt nach Einschätzung des Editorialisten Eric Eisenhauer vom Massachusetts General Hospital, Boston, ein verbreitetes Dogma infrage, nach dem die regionalen Lymphknoten ein Rückzugsgebiet für Krebszellen sind, die sich dort dem Zugriff der Chemotherapie entziehen und später zum Ausgangsgebiet von Metastasen werden.

Auffällig sind die langen Überlebenszeiten der Patientinnen von mehr als 5 Jahren. Hier könnte zum einen die Auswahl der Patientinnen eine Rolle spielen. Die Teilnahme war auf Patientinnen beschränkt, bei denen eine makroskopisch komplette Resektion gelang. Zum anderen könnte eine Rolle spielen, dass nur Kliniken mit ausgewiesener Expertise in der Operation an der Studie teilnehmen durften. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

5. Juni 2020
Alexandria – Eine breite Testung auf Mutationen, die mit einem erhöhten Krebsrisiko assoziiert sind, kann zu ungerechtfertigten Operationen führen. So unterzogen sich einige Frauen des
Nach Gentest zu oft die Eierstöcke raus
2. Juni 2020
Alexandria – Wenn ein platinsensitives, erstmals rezidiviertes Ovarialkarzinom erneut komplett reseziert werden kann, haben die Patientinnen einen deutlichen Überlebensvorteil gegenüber einer
Rezidiviertes Ovarialkarzinom: Zweite Komplettresektion verlängert das Überleben im Median um fast 16 Monate
30. Mai 2020
Alexandria/Köln − Für Patientinnen mit Rezidiv eines BRCA-mutierten, platinsensiblen Ovarialkarzinoms könnte der Poly-ADP-Ribose-Polymerase(PARP)-Inhibitor Olaparib Standard für die
Erhaltungstherapie mit PARP-Inhibitor rezidivierten Ovarialkarzinom: „Bedeutender Fortschritt für Patientinnen“
4. Mai 2020
Berlin – Im Leitlinienprogramm Onkologie ist eine aktualisierte Fassung der S3-Leitlinie „Diagnostik, Therapie und Nachsorge maligner Ovarialtumoren“ erschienen. An der Arbeit daran haben sich 29
S3-Leitlinie zu malignen Ovarialtumoren aktualisiert
9. Januar 2020
Research Triangle Park/North Carolina – US-Gerichte haben vor einigen Jahren Frauen, die nach Verwendung von Talkumpuder im Genitalbereich an einem Ovarialkarzinom erkrankt waren, Schadenersatz in
Talkumpuder: Meta-Analyse findet keinen (sicheren) Hinweis auf Krebsrisiko
27. Dezember 2019
Madrid/Houston/Lyon – Die Erhaltungstherapie mit einem PARP-Inhibitor kann bei Patientinnen mit Ovarialkarzinom nach einer Chemotherapie eine erneute Tumorprogression hinauszögern. Die beste Wirkung
Drei PARP-Inhibitoren verlängern progressionsfreies Überleben bei fortgeschrittenem Ovarialkarzinom
15. November 2019
Houston – Eine chirurgische Zytoreduktion, die ein fester Bestandteil in der Primärtherapie des fortgeschrittenen Ovarialkarzinoms ist, hat sich in einer randomisierten Studie im New England Journal
VG WortLNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER