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Politik

Berufliche Integration ausländischer Pflegekräfte oft schwierig

Freitag, 1. März 2019

/dpa

Düsseldorf/Frankfurt – Krankenhäuser und Altenpflegeeinrichtungen stellen zunehmend Pfleger ein, die ihren Berufsabschluss im Ausland erworben haben. Ihre Integration in die betrieblichen Abläufe gestaltet sich jedoch häufig schwierig. Das geht aus einer neuen Studie des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität Frankfurt hervor, die gemeinsam mit dem Institut für Sozial­forschung (IfS) erstellt wurde. Gefördert wurde die Studie von der Hans-Böckler-Stiftung.

Die Zahl der Fachkräfte in diesem Bereich, die jährlich einwandern, ist danach innerhalb von fünf Jahren um das Fünffache angestiegen: Waren es 2012 noch 1.500 Pflegekräfte mit einem ausländischen Abschluss, wurden 2017 schon 8.800 solcher neuen Mitarbeiter gezählt. Vor allem in Großstädten schreitet diese Entwicklung rasch voran: In den Frankfurter Krankenhäusern stammt inzwischen fast jede zweite neue Pflegefachkraft aus dem Ausland, schätzen die Experten.

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Oftmals zwei zerstrittene Lager im Krankenhaus

In rund 60 Gesprächen mit Pflegern und Experten stellten die Forscher fest, dass sich in den Kliniken nicht selten zwei zerstrittene Lager bilden – mit etablierten Pflegern auf der einen und Neuankömmlingen auf der anderen Seite.

In vielen Herkunftsländern würden Pflegefachkräfte an Hochschulen ausgebildet. Gleichzeitig übernähmen Fachkräfte etwa in Südeuropa mehr Management- sowie Behandlungsaufgaben, die in Deutschland Medizinern vorbehalten seien. Umgekehrt sei es für ausländische Pflegekräfte oft ungewöhnlich, Patienten beim Essen oder der Körperpflege zu unterstützen. Dafür gebe es in den Herkunftsstaaten teils spezielle Servicekräfte, teils müssten Angehörige einspringen.

Mangelnde Sprachkenntnisse großes Problem

Die Unzufriedenheit sei teilweise groß, heißt es in der Studie: So hätten viele der zugewanderten Pflegekräfte den Eindruck, „unter Wert“ arbeiten zu müssen. Zudem hätten sie das Gefühl, dass die deutsche Sprache als „Hierarchisierungsmittel“ eingesetzt werde, mit dem sie in eine Außenseiterrolle gedrängt würden.

Die in Deutschland ausgebildeten Pflegefachkräfte kritisieren laut Studie umgekehrt, dass neu zugewanderte Kollegen schon wegen mangelnder Sprachkenntnisse im stressigen Arbeitsalltag nicht voll einsetzbar seien. Die akademische Ausbildung werde als „praxisfern“ kritisiert – es fehlten Kompetenzen, etwa bei der Körperpflege von Patienten und im „Sozialverhalten“.

Die Forscher halten es für unerlässlich, dass Kliniken und Altenpflegeeinrichtungen ihre Beschäftigten mit den Herausforderungen nicht allein lassen. Sie empfehlen ausreichend Zeit für fachlichen Austausch und Konfliktlösung. Auch unabhängige Coaches und Betriebsräte könnten eine wichtige Moderatorenrolle einnehmen.

Gute Vorbereitung und Begleitung notwendig

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) sieht aufgrund der Studie großen Handlungsbedarf, um die betriebliche Integration von Pflegekräften aus dem Ausland erfolgreich zu gestalten. „Damit die zugewanderten und einheimischen Pflegekräfte Hand in Hand miteinander arbeiten können, braucht es eine gute Vorbereitung und Begleitung aller Beteiligten“, sagte Sylvia Bühler, Mitglied im Verdi-Bundes­vorstand. Wichtig für eine erfolgreiche und nachhaltige Integration ausländischer Pflegefach­kräfte seien zudem bessere Arbeitsbedingungen für alle Beschäftigten.

„Genug Personal und eine faire Bezahlung sind Grundlage für eine gedeihliche Zusammenarbeit und ein gutes Arbeitsklima. Entscheidend ist auch, dass die Beschäftigten, die aus ihren Heimatländern andere fachliche Erfahrungen mitbringen, systematisch und mit ausreichend Zeit eingearbeitet werden“, betonte sie.

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) sprach sich dafür aus, bei Pflegekräften aus dem Ausland möglichst früh mit Deutschunterricht zu beginnen. "Idealerweise, bevor sie nach Deutschland kommen", sagte er in einem am Freitag vom Ministerium verbreiteten Video.

© hil/kna/aerzteblatt.de

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Avatar #73846
Titania Vertrieb
am Mittwoch, 13. März 2019, 17:18

BPA ignoriert die großen Probleme mit ausländischen Pflegekräften

wer die Erhebungen der umfänglichen Studie akribisch analysiert kann nur zu dem Ergebnis kommen...... der leichtere Weg die bereits in Deutschland arbeitenden Pflegekräfte anständig aus-und fortzubilden und vor allem anständig / angemessen zu entlohnen wäre sehr viel zielführender. Hierbei hilft jedoch die Motivsuche warum wird dies schlichtweg eben NICHT angepackt. In der Pflege steckt dynamisch viel Potenzial für die auch privaten Pflegeheimbetreiber. Die Bilanzen verzeichnen gute Gewinnspannen, bei nahezu null Risiko. Die Anzahl der Pflegebedürftigen steigt und steigt stetig wie die Zwangsbeiträge für die Pflegeversicherung. Dies ist ein Erfolgsmodell für die Pflegeheimbetreiber... wie Gelddrucken...
Avatar #79884
andreabraun
am Sonntag, 3. März 2019, 19:55

Peinlich

ist es für das deutsche Gesundheitswesen, sich in seiner ganzen Hinterwäldlerischkeit, seinen Sparzwängen und hinsichtlich der Pflegeberufe so unterprivilegiert zeigen zu müssen. Cést ca.
Avatar #79783
Practicus
am Freitag, 1. März 2019, 22:07

Schön wäre es

wenn da studierte "Nursing"-Experten kämen... Krankenpflege als Studium würde ja hierzulande den Beruf auch attraktiver machen - bei Abi-Quoten von 50%+ sicher sinnvoll, um die "bessere Hälfte" der Absolventen für Pflege zu gewinnen - endlich weg von den Alten- und KrankenpflegehelferassistenInnen - jede arbeitslose Frau wird irgendwie für Pflegehilfstätigkeiten pseudoqualifiziert... um dann als "gelernte Demenzbetreuerin" Solo-Nachtwachen in "Pflege-WGs" zu schieben.
Und die Qualifikation der Bewerber aus dem Nicht-EU-Ausland steht oft nur auf dem im Internet bestellbaren Pflegediplom (zB Bosnien)
Wer in D Pflege leisten will, sollte doch das deutsche Staatsexamen der Alten- Kranken- und Gesundheitspflege ablegen - aber auf Deutsch!
Das wird von Angehörigen der Gesundheitsberufe in anderen Ländern auch verlangt. Das deutsche Examen könnte ja in den Herkunftsländern abgelegt werden, es gibt ja überall Konsulate!
Avatar #749292
bluedreams54
am Freitag, 1. März 2019, 21:32

Sprachkenntnisse

Sind gerade in der Kontakraufnahme zu Patientem, Klienten, Heimbewohnern und KollegInnen unverzichtbar. Auch die Nomenklatur ist vonnöten zu beherrschen.
Pflegekräfte IN d keiden u.a. unter der Konkurrenzangst anderer vor allem akad. Berufsgruppen, die in den letztwn Jahren wieder zunehmend versuchen, aus Pflegefachkräften Hilfs- und Zuarbeitungsberufe zu machen. Köroerpflege gehört und gehlrte in D schon immerzu den basispflegerischen Grundkompetenzen. Wenn ich bedenke wie breitgefächert ich diese Kenntnisse während meiner Ausbildung 1982 erlernt habe. Das wir Arzthelfer sein sollen wurfe uns nicht vermittelt.
LNS

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