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Medizin

Schwangerschaft kurz nach einer Totgeburt schadet nicht

Freitag, 1. März 2019

/rilueda, stockasobecom

Perth – Frauen, die innerhalb eines halben Jahres nach einer Totgeburt wieder schwanger werden, haben kein erhöhtes Risiko auf eine erneute Fehlgeburt oder andere Komplikationen. Das ist das Ergebnis einer einer internationalen Kohortenstudie im Lancet (2019; doi: 10.1016/S0140-6736(18)32266-9), die eine Empfehlung der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) bestätigt.

Die WHO rät Frauen nach einer Lebendgeburt zu einem Intervall von mindestens 2 Jahren bis zum nächsten Kind. Nach einer Totgeburt könnten sie jedoch bereits nach 6 Monaten einen neuen Versuch unternehmen. Tatsächlich wollen viele Frauen möglichst schnell wieder schwanger werden. In Finnland, Norwegen und Western Australia beträgt die mittlere Dauer bis zur nächsten Schwangerschaft nach einer Totgeburt nur 9 Monate gegenüber 25 Monaten nach einer Lebendgeburt, wie Annette Regan von der Curtin University in Perth in einer Analyse von Geburtenregistern der 3 Länder/Staaten ermittelte. Ein Drittel der Frauen wurde sogar innerhalb von 6 Monaten nach der Totgeburt wieder schwanger.

Doch bei vielen Folgeschwangerschaften kommt es erneut zu Problemen: 18 % der Kinder wurden zu früh geboren, 9 % waren zu klein für das Gestationsalter und bei 2 % kam es erneut zu einer Totgeburt. Der Grund ist allerdings nach weiteren Analysen von Regan nicht in dem zu kurzen Intervall zu suchen.

Frauen, die innerhalb von 6 Monaten erneut schwanger wurden, hatten weder ein erhöhtes Risiko auf eine Totgeburt (Odds Ratio OR 1,09; 95-%-Konfidenzintervall 0,63 bis 1,91), noch kam es häufiger zu einer Frühgeburt (OR 0,91; 0,075-1,11) oder zu einer Mangelgeburt (OR 0,66; 0,51-0,85).

Da es sich um eine retrospektive Auswertung von Patientenregistern handelt, kann die Studie nicht abschließend beweisen, dass ein kurzes Intervall sicher ist. Es ist durchaus möglich, dass Faktoren, die nicht von den Patientenregistern erfasst werden, etwa chronische Erkrankungen der Mutter, Schwangerschaftsabsicht, assistierte Repro­duktion oder der sozioökonomische Status die Ergebnisse beeinflusst haben könnten. Es könnte auch sein, dass Frauen, die kurz nach einer vorherigen Schwangerschaft erneut schwanger werden, gesünder und fruchtbarer sind als Frauen, die erst später schwanger werden. Sie könnten deshalb weniger anfällig für Schwangerschafts­komplikationen sein.

Der wahrscheinlichste Grund für die hohe Rate von Früh-, Mangel- und auch Totgeburten dürfte allerdings sein, dass die Ursachen, die zur ersten Totgeburt führten, auch für weitere Kinder bestehen. Sie könnten bei der Mutter zu suchen sein oder aber in einer ungünstigen genetischen Konstellation beider Eltern, deren Kinder eine geringere Chance auf eine erfolgreiche Austragung haben als bei anderen Paaren. © rme/aerzteblatt.de

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