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Medizin

Cannabinoide mögliche Therapieoption bei ALS-induzierter Spastik

Montag, 4. März 2019

/kentannenbaum46, stockadobecom

Mailand – Muskelspastik ist ein mögliches Begleitsymptom einer Amyotrophen Lateralsklerose (ALS). Ein Cannabispräparat könnte eine Therapieoption sein. Das berichten Mailänder Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Lancet Neurology (2019; doi: 10.1016/S1474-4422(18)30406-X). Auf ihre Ergebnisse hat die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) hingewiesen. 

Die ALS ist eine fortschreitende Erkrankung des motorischen Nervensystems. Ein mögliches Symptom der ALS ist eine muskuläre Spastik, die nicht nur schmerzhaft sein kann, sondern auch Bewegungen beeinträchtigt. Die Behandlung einer Spastik kann daher die Lebensqualität deutlich verbessern.

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„Der Verlauf der ALS ist sehr variabel und das Symptomspektrum ist relativ weit gefächert, je nachdem, ob das erste oder das zweite Motoneuron stärker betroffen ist“, erklärt der DGN-Experte Volker Dietz, Zürich. Insgesamt ist das zweite Motoneuron häufiger betroffen, dabei kommt es zu Muskelschwund mit Muskelschwäche und schlaffen Lähmungen. Bei vorwiegender Beteiligung des ersten Motoneurons kommt es dagegen zu muskulärer Spastik mit erhöhter Muskelspannung und Muskelsteifheit, auch krampfartige Schmerzen sind möglich.

Für die Therapie einer Spastik im Rahmen einer Multiplen Sklerose ist das Cannabis-Kombinationspräparat Nabiximols als additive Therapie zugelassen. Nabiximols enthält Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) in standardisierten Mengen (2,7 mg THC und 2,5 mg CBD pro 100 µl – einem Sprühstoß entsprechend) und wird rasch über die Wangenschleimhaut resorbiert.

Die Mailänder Forscher haben die Wirkung jetzt auch bei ALS-induzierter Spastik untersucht. In ihrer randomisierten, doppelblind-placebokontrollierten Phase-2-Studie wurden 60 erwachsene Patienten mit ALS randomisiert, die seit mindestens 3 Monaten an spastischen Symptomen litten und seit mindestens 30 Tagen eine definierte antispastische Therapie erhielten. Die Patienten wurden randomisiert und erhielten für 6 Wochen entweder Nabiximols oder Placebo. In den ersten 14 Tagen steigerten die Patienten das Spray nach einem vorgegebenen Therapieschema, danach blieb die Dosis über 4 Wochen konstant. Primärer Endpunkt war die Änderung des modifizierten sogenannten Ashworth­-Scores innerhalb der 6 Wochen. Ausgewertet wurden 29 Patienten aus der Nabiximolsgruppe und 30 aus der Placebogruppe. 

Der modifizierte Ashworth­-Score verbesserte sich in der Nabiximolsgruppe signifikant. Während der 6 Studienwochen gab es keine Therapieabbrüche, Nabiximols wurde gut vertragen, Nebenwirkungen traten nicht auf.

„In vielen medizinischen Bereichen, die mit schmerzhafter Muskelspasmen einher­gehen, erweisen sich Cannabinoide inzwischen als Alternative, wenn herkömmliche Therapien nicht oder nicht ausreichend ansprechen“, kommentierte Dietz die Ergebnisse. Die DGN schließt sich daher der Ansicht der Autoren dieser „proof-of-concept“-Studie an, dass nun größere klinische Phase-3-Studien folgen sollten, damit eine Cannabinoidtherapie künftig auch für geeignete Situationen bei ALS zur Verfügung steht. © hil/aerzteblatt.de

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