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Medizin

Antibiotikatherapien in England oft nicht leitliniengerecht

Montag, 4. März 2019

/Andrey Popov, stockadobecom

London/Groningen/Oxford – Antibiotikabehandlungen werden in der hausärztlichen Versorgung in Großbritannien häufig zu lange durchgeführt – insbesondere bei Atemwegsinfektionen. Das berichten Wissenschaftler des National Infection Service, des University Medical Centre Groningen und des Health Economics Research Centre, Oxford, im British Medical Journal (2019; doi: 10.1136/bmj.l780). 

Die Wissenschaftler verglichen die Dauer der Antibiotikabehandlungen für häufige Infektionen in der englischen Primärversorgung mit vorliegenden Leitlinien. Sie verwendeten dazu Daten aus Allgemeinpraxen, die zwischen 2013 und 2015 zur Datenbank des sogenannten Health Improvement Network (THIN) beigetragen haben. Chronische und wiederkehrende Erkrankungen sowie Wiederholungsrezepte schlossen sie dabei aus. Außerdem konzentrierten sie sich auf 13 Erkrankungen, darunter akute Sinusitis, akute Halsschmerzen, akuter Husten und Bronchitis, Lungenentzündung und akute Zystitis.

Von den 931.015 erfassten Konsultationen mit Antibiotikaverordnung waren die häufigsten Erkrankungen akuter Husten und Bronchitis (386.972 Konsultationen), akuter Halsschmerz (239.231) und akute Otitis media (83.054).

„Die Dauer der Antibiotikabehandlung entsprach im Allgemeinen nicht den Vorgaben. Die meisten Überschusstage waren auf Atemwegserkrankungen zurückzuführen, bei denen 80 % oder mehr der Antibiotikatherapien die Vorgaben übertrafen“, berichten die Autoren. 

Deutlich zu lange Antibiotikatherapien erfassten die Autoren auch bei Blasen­entzündungen bei Frauen: Mehr als die Hälfte (54,6 %) der Antibiotikaverordnungen waren länger als empfohlen.

Auf der anderen Seite stießen die Autoren auf eine Unterversorgung bei Männern, zum Beispiel eine signifikante Unterbehandlung bei akuter Prostatitis und bei akuter Blasenentzündung bei Männern. So waren über die Hälfte (52,3 %) der Antibiotikatherapien bei Prostatitis kürzer als die empfohlenen 28 Tage und fast ein Drittel (31,8 %) der Zystitisbehandlungen unter den vorgeschlagenen 7 Tagen.

Die Ergebnisse der Studie deuten laut den Autoren insgesamt auf „erhebliche Möglichkeiten“ hin, die Verschreibung von Antibiotika durch eine bessere Einhaltung der empfohlenen Behandlungsdauer zu reduzieren. © hil/aerzteblatt.de

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