NewsVermischtesAids-Hilfe setzt große Hoffnungen in neue Selbsttests
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Aids-Hilfe setzt große Hoffnungen in neue Selbsttests

Montag, 4. März 2019

/dpa

Saarbrücken – Die Hemmschwelle, sich beim Hausarzt oder dem Gesundheitsamt auf den Aidserreger HIV testen zu lassen, ist für viele Menschen noch immer groß. „Sie schämen sich zum Beispiel oder fürchten, für ihr sexuelles Verhalten verurteilt zu werden“, erklärt ein Sprecher der Deutschen Aids-Hilfe. Wer dennoch überprüfen lassen möchte, ob er sich infiziert hat, hat es nun leichter: Seit Oktober 2018 sind HIV-Selbsttests in Deutschland für rund 25 Euro in Apotheken und Drogerien erhältlich. Das Angebot wird im Saarland bislang unterschiedlich genutzt.

Apothekerin Yasmin Hassan aus der Stadtapotheke in Saarbrücken musste die Tests gerade erst wegen des Interesses ihrer Kundschaft nachbestellen. „Viele HIV-Patienten gehen nicht in ihre Dorfapotheke, sondern kommen ganz bewusst zu uns“, sagt Hassan. Der Präsident der Apothekerkammer des Saarlandes, Manfred Saar, hatte hingegen in seiner Apotheke in Heusweiler in den vergangenen fünf Monaten noch keine einzige Nachfrage. Das hänge wohl damit zusammen, dass das Angebot noch nicht so bekannt sei und die Zielgruppe im ländlichen Raum eher klein. Grundsätzlich hält er das Angebot aber für eine „gute, relativ einfache und niederschwellige Möglichkeit“.

Anzeige

Die Deutsche Aids-Hilfe hofft, dass sich dadurch mehr Menschen testen lassen und so mehr Infektionen frühzeitig festgestellt und behandelt werden können. Laut Aids-Hilfe erkranken jedes Jahr in Deutschland mehr als 1.000 Menschen an Aids oder einem schweren Immundefekt, obwohl dies vermeidbar wäre. „Der Selbsttest trägt dazu bei, dass hoffentlich vielen das erspart bleibt“, sagt Sprecher Holger Wicht.

Im Saarland gab es bei HIV-Tests bislang eine Besonderheit: Die Grenznähe hatten Bürger aus dem Südwesten dazu genutzt, den Test in Frankreich zu besorgen. Frank Kreutzer, Geschäftsführer der Aids-Hilfe Saar, begrüßt, dass es das Angebot nun auch in Deutschland gibt. Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts wissen rund 11.200 Menschen bundesweit nichts von ihrer HIV-Infektion, im Saarland sind es den Schätzungen zufolge etwa 110 Betroffene.

Im Saarland gibt es viele Angebote für Betroffene – sowohl in den Gesundheitsämtern in sechs Landkreisen als auch im Rahmen eines Präventionsprogramms für homosexuelle Männer bei der Aids-Hilfe Saar.

Die Einrichtung bietet auch zertifizierte Tests an und begleitet die Betroffenen. Die Aids-Hilfe Trier will diese persönlichen Begleitungen ab April ebenfalls anbieten. „Es wird ein anonymes Angebot sein“, betont Diplom-Pädagogin Tonja Rausch.

Die Fachleute auch im Saarland betonen, dass die Tests das CE-Zeichen haben müssen. „Der Knackpunkt ist, dass diese Tests super empfindlich sind“, so Rausch. Unter Umständen könnten sie falsch-positiv ausfallen.

„Das heißt nicht, dass man mit dem Virus wirklich infiziert ist, doch der Schreck ist erst einmal groß. Emotional ist das ein ganz schwieriges Thema“, so die Beraterin. Deshalb biete man an, während und nach dem Test an der Seite der Betroffenen zu sein. © dpa/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

18. Mai 2020
Durham/North Carolina − Die intramuskuläre Injektion von Cabotegravir, die nur alle 8 Wochen wiederholt werden muss, hat in einer großen internationalen Studie Männer, die Sex mit Männern haben
PrEP: Intramuskuläre Cabotegravir-Injektionen schützen effektiver vor HIV-Infektion
14. April 2020
Branford, Connecticut − Die zusätzliche Behandlung mit dem Attachment-Inhibitor Fostemsavir, der das Andocken von HI-Viren an CD4-Zellen verhindert, hat in einer klinischen Studie die
HIV: Fostemsavir bei Patienten mit multiresistenter Infektion effektiv
31. März 2020
San Francisco/Oakland – Die Welt-Aids-Konferenz wird aus Sorge vor einer weiteren Verbreitung des neuartigen Coronavirus in diesem Jahr erstmals virtuell abgehalten. Die Entscheidung sei aus Sorge um
Welt-Aids-Konferenz kommt virtuell zusammen
11. März 2020
Cambridge/England – Nach dem Berliner Patienten wurde jetzt auch der Londoner Patient für geheilt erklärt. Die im Lancet HIV (2020; doi: 10.1016/S2352-3018(20)30069-2) vorgestellten Befunde zeigen,
Wie der Londoner Patient von HIV kuriert wurde
6. März 2020
London und Omaha/Nebraska – Die monatliche intramuskuläre Injektion eines Depotpräparats mit den Wirkstoffen Cabotegravir und Rilpivirin könnte HIV-Patienten künftig die tägliche Einnahme der
HIV: Monatliche Injektionen von Cabotegravir und Rilpivirin unterdrücken Virusreplikation
24. Februar 2020
Stockholm – In einigen europäischen Ländern entfällt mehr als die Hälfte aller HIV-Neuinfektionen auf Migranten, von denen sich viele offenbar erst nach dem Eintreffen in Europa infizieren. Das
HIV: Migranten infizieren sich häufiger nach der Ankunft in Europa
24. Februar 2020
Johannesburg – In Südafrika sind dutzende schwangere Frauen, die positiv auf das HI-Virus getestet wurden, offenbar unmittelbar nach der Entbindung zwangssterilisiert worden. Das ergab eine
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER