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Medizin

Profifußballspieler erkranken in Studien häufiger und früher an ALS

Dienstag, 5. März 2019

/dpa

Mailand – In Italien sind über 4 Jahrzehnte 33 Profifußballer an einer amyotrophen Lateralsklerose (ALS) erkrankt. Die seltene Erkrankung, die durch den Untergang von Motoneuronen in Gehirn und Rückenmark ausgelöst wird, tritt unter den Fußballern nicht nur häufiger, sondern im Durchschnitt auch 20 Jahre früher auf, wie Forscher auf der Jahrestagung der American Academy of Neurology in Austin/Texas berichten. 

Ein Team um Ettore Beghi vom Istituto Mario Negri in Mailand hat in Krankenregistern nach den Namen von etwa 25.000 Profifußballern gesucht, die die Forscher den (nicht nur) in Italien beliebten Paninikarten aus den Jahren 1950 bis 2000 entnahmen. Die gefundenen 33 Erkrankungen bedeuten, dass durchschnittlich 3,2 Profifußballer pro 100.000 Menschen pro Jahr an einer ALS erkranken. Die Inzidenz ist damit doppelt so hoch wie in der Normalbevölkerung, wo auf 100.000 Menschen und Jahr 1,7 Erkrankungen kommen. Beghi ermittelte eine standardisierte Inzidenzrate (SIR) von 1,9, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,3 bis 2,6 statistisch signifikant war. 

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Die ALS trat bei den Profifußballern durchschnittlich im Alter von 43,3 Jahren auf gegenüber 62,5 Jahren in der Allgemeinbevölkerung. Im Alter von unter 45 Jahren erkranken Profifußballer fast 5-mal häufiger als die Normalbevölkerung (SIR 4,7; 2,7-7,5).

Beghi ist nicht der erste Epidemiologe, dem eine Häufung von Erkrankungen bei italienischen Profifußballern aufgefallen ist. Forscher der Universität Turin (Amyotroph Lateral Scler. 2009), des Istituto Superiore di Sanità in Rom (Eur J Epidemiol 2005 und Ann Ist Super Sanità 2018) und der Universität Pittsburgh (Eur J Public Health 2007) sind in den vergangenen Jahren zu ähnlichen Ergebnissen gekommen. US-Epidemiologen war zuvor eine Häufung der ALS bei Spielern der National Football League aufgefallen, wo die Prävalenz mit 206 pro 100.000 Spielern sogar 40-fach höher ist als in der US-Allgemeinbevölkerung (5 Erkrankungen auf 100.000 Menschen). Die ALS wird in den USA vielleicht nicht zufällig nach dem Baseball-Spieler „Lou“ Gehrig benannt, der 1941 im Alter von nur 37 Jahren an einer ALS starb.

Wieso Kontaktsportler ein erhöhtes Erkrankungsrisiko haben, ist nicht bekannt. Neben der häufigen Vermutung, dass wiederholte kleinere Traumata den Untergang der Motoneuronen begünstigen, wird auch die Einnahme von nichtsteroidalen Antiphlogistika oder von leistungssteigernden Mitteln diskutiert, bisher allerdings ohne konkreten Beweis. © rme/aerzteblatt.de

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