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Medizin

Antikörper gegen Darmbakterien könnte Autoimmun­erkrankungen abschwächen

Dienstag, 5. März 2019

/rost9, stockadobecom

Singapur – Bestandteile von zerfallenden Darmbakterien werden offenbar vom Darm resorbiert und sind dann im Blut mit einem Antikörper nachweisbar, der in tierexperimentellen Studien in Nature Microbiology (2019; doi: 10.1038/s41564-019-0381-1) bei Mäusen Autoimmunerkrankungen abgeschwächt hat.

Die Bakterien, die nach der Geburt den menschlichen Darm besiedeln, beeinflussen die Entwicklung des Immunsystems. Einige Forscher vermuten sogar, dass eine Störung der Darmflora an der Entwicklung von Autoimmunerkrankungen beteiligt ist. Auf der Suche nach den Pathomechanismen haben Zhenxing Huang von der Agency for Science, Technology and Research in Singapur eine merkwürdige Entdeckung gemacht.

Mit einem monoklonalen Antikörper konnten sie beim Menschen Peptidoglykane (PGN) im Blut nachweisen. PGN sind ein Bestandteil der Zellwand von Bakterien. Im menschlichen Körper kommen sie nicht vor. Die PGN, die die Forscher zunächst bei 7 gesunden Probanden entdeckten, mussten von außen in den Blutkreislauf eingedrungen sein. Der wahrscheinlichste Eintrittsort ist die Darmschleimhaut, die offenbar nicht nur für Nahrungsbestandteile durchgängig ist, sondern auch für Moleküle, die beim Zerfall von Darmbakterien entstehen. Dass die PGN aus dem Darm stammen, konnten die Forscher an Mäusen zeigen. Wenn diese keimfrei aufgezogen werden und der Darm keine Bakterien enthält, sind ist PGN nur in Spuren im Blut nachweisbar (Huang vermutet, dass sie bakteriellen Verunreinigungen im Futter der Tiere stammten).

Weitere Untersuchungen an Menschen asiatischer und europäischer Herkunft zeigten, dass PGN in unterschiedlicher Menge im menschlichen Blut auftreten. Bei ein und demselben Menschen ist die Konzentration jedoch über längere Zeit konstant. Auch das spricht dafür, dass die PGN von den Darmbakterien stammen. Denn die Darmflora der meisten Menschen verändert sich im Verlauf des Lebens wenig.

Welche Folgen die Resorption von PGN aus dem Darm für die Gesundheit hat, ist noch nicht bekannt. Huang vermutet jedoch, dass die PGN die Entwicklung von Autoimmun­erkrankungen fördern, da sie manchmal als Adjuvans zur Verstärkung von Immun­reaktionen eingesetzt werden. Die Forscher untersuchten deshalb an Mäusen, welchen Einfluss PGN aus dem Blut auf Autoimmunerkrankungen haben. 

Bei Mäusen kann durch die Injektion von Kollagen mit Freund-Adjuvans ein Gelenkrheuma ausgelöst werden. Eine kontinuierliche Infusion von MDP (einer PGN-Variante) beschleunigte die kollageninduzierte Arthritis. Eine Behandlung mit dem Antikörper gegen PGN verhinderte dies (was die Forscher an einer kollagenantikörper­induzierten Arthritis zeigen konnten, die schneller zu Gelenkschäden führte). 

Der Antikörper zeigte auch dann noch eine Wirkung, wenn die Gelenkbeschwerden bereits eingetreten waren. Dieser Befund dürfte die Aufmerksamkeit von Rheuma­tologen wecken. Die von Huang vorgestellten Ergebnisse könnten ein neues Licht auf die im Alter häufige Autoimmunerkrankung werfen. Ob die von Darmbakterien frei­gesetzten Proteoglykane hier eine Rolle spielen und ob eine Antikörperbehandlung eine therapeutische Wirkung erzielen würde, müsste in weiteren Studien gezeigt werden. © rme/aerzteblatt.de

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