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Medizin

Oxalsäure kann Funktionsverlust der Nieren beschleunigen

Mittwoch, 6. März 2019

/decade3d, stockadobecom

Boston – Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion und einer hohen Ausscheidung von Oxalsäure hatten in einer prospektiven Kohortenstudie in JAMA Internal Medicine (2019; doi: 10.1001/jamainternmed.2018.7816) ein erhöhtes Risiko, in den Folgejahren ein chronisches Nierenversagen zu entwickeln.

Seit Längerem ist bekannt, dass Oxalsäure, die in einigen Gemüsearten (Rhabarber, Spinat), Kohlsorten, Nüssen, Kakao und Tee in höherer Konzentration enthalten ist und im Stoffwechsel anfällt, die Nieren schädigen kann. Oxalsäure ist außerdem in 80 % aller Nierensteine vorhanden (die sich aber meist in den abführenden Harnwegen bilden). 

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Bislang gingen die Forscher davon aus, dass eine schädliche Wirkung auf die Nieren selbst auf wenige Patienten beschränkt ist, bei denen es aufgrund seltener genetischer Stoffwechselstörungen (primäre Hyperoxalurie) oder einer vermehrten Resorption aus dem Darm (enterische Hyperoxalurie) oder nach Vergiftungen (Ethylenglycol) zu einer erhöhten Ausscheidung über die Nieren kommt.

Sushrut Waikar von Brigham and Women’s Hospital in Boston und Mitarbeiter können jetzt jedoch zeigen, dass auch eine Oxalsäureausscheidung in einem bisher als unbedenklich eingestuften Bereich mit einem Nierenfunktionsstörungen verbunden ist. Die Forscher haben die Daten der CRIC-Kohorte („Chronic Renal Insufficiency Cohort“) ausgewertet, die seit 2003 eine Gruppe von 3.939 Patienten begleitet, bei denen eine Einschränkung der Nierenfunktion (glomeruläre Filtrationsrate 20 bis 70 ml/min/1,73m2) festgestellt worden war. 

Bereits bei der Eingangsuntersuchung war aufgefallen, dass die Teilnehmer mit der höchsten Ausscheidung von Oxalsäure die schlechteste Nierenfunktion hatten. In den Folgejahren bis 2008 kam es dann bei den Patienten mit höheren Oxalsäure­konzentrationen im Urin zu einem rascheren Verlust der Nierenfunktion.

Bislang sind (nach 22.318 Personenjahren) 752 Patienten an einem dialysepflichtigen Nierenversagen (ESRD) erkrankt. Bei 940 Patienten ist es entweder zum ESRD oder zu einem 50-prozentigen Rückgang der eGFR (Krankheitsprogression) gekommen.

Im Fünftel mit der höchsten Oxalatausscheidung (über 27,8 mg/24 Stunden) kam es doppelt so häufig zur Krankheitsprogression als im Fünftel mit der niedrigsten Oxalatausscheidung (unter 11,5 mg/24 Stunden). Nach einer Berücksichtigung möglicher anderer Ursachen, ermittelte Waikar eine Hazard Ratio von 1,33, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,04 bis 1,70 signifikant war. Die Hazard Ratio auf ein ESRD betrug sogar 1,45 (1,09 bis 1,93). Auch hier hatte die erste Analyse auf ein deutlich höheres Risiko hingewiesen.

Wie immer in epidemiologischen Studien lässt sich nicht ausschließen, dass andere Ursachen, die zufällig mit einer erhöhten Oxalsäureausscheidung korrelierten, für den Rückgang der Nierenfunktion verantwortlich waren. Waikar hat auch keine eindeutige Dosis-Wirkungs-Beziehung gefunden, die in epidemiologischen Studien immer ein Hinweis auf eine Kausalität ist. Eine Schädigung der Nieren durch eine hohe Ausscheidung von Oxalsäure erscheint jedoch plausibel. Ob eine oxalsäurearme Diät Menschen mit eingeschränkter Organfunktion vor einem chronischen Nierenversagen schützen könnte, ist bisher nicht untersucht. © rme/aerzteblatt.de

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