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Medizin

Nachweis von Tau-Proteinen im Blut zeigt Demenzrisiko an

Mittwoch, 6. März 2019

/Voy_ager, stockadobecom

Melbourne – Ein neuer Test, der Tau-Proteine in geringsten Spuren im Blut nachweisen kann, hat in einer prospektiven Kohortenstudie drohende Demenzen und verwandte Störungen bereits 4 Jahre vor den ersten Symptomen erkannt. Mangels effektiver Behandlung dürfte der in JAMA Neurology (2019; doi: 10.1001/jamaneurol.2018.4666) vorgestellte Test zunächst nur für die Forschung von Interesse sein.

Die Diagnostik des Morbus Alzheimer hat sich in den letzten Jahren verbessert. Lange konnten sich die Ärzte ihrer Diagnose erst sicher sein, wenn nach dem Tod in der histologischen Untersuchung die typischen Ablagerungen von Beta-Amyloiden und Tau-Fibrillen im Gehirn nachgewiesen wurden. Inzwischen gibt es diagnostische Liquortests und auch Tracer für die Positronen-Emissions-Tomografie, mit denen sich die Diagnose häufig bestätigen lässt. Ein einfacher Bluttest fehlte bisher.

Ein neues Verfahren, der „Single Molecule Array“ der US-Firma Quanterix, hat die Nachweisgrenze von Tau-Proteinen auf 0,019 pg/ml gesenkt. In dieser Konzentration sind die Proteine auch bei Menschen nachweisbar, die an einem Morbus Alzheimer oder anderen Tauopathien erkrankt sind. Matthew Pase vom Florey Institute for Neuroscience and Mental Heath und Mitarbeiter können jetzt zeigen, dass die Konzentration der Proteine bereits vor Ausbruch der Erkrankung steigt.

Die Forscher haben archivierte Blutproben von 1.453 Teilnehmern der US-amerikanischen Framingham Heart Study untersucht und die Ergebnisse dann an 367 Mitgliedern der französischen Memento-Studie validiert. Die Framingham Heart Study begleitet mittlerweile in dritter Generation die Einwohner einer US-Kleinstadt. An der Memento-Studie nehmen Personen mit leichten kognitiven Einschränkungen oder subjektiven kognitiven Beschwerden teil. Die Forscher haben die Ergebnisse der Blutuntersuchung mit der späteren Entwicklung von Demenzen oder verwandter Endophänotypen in Beziehung gesetzt. Die Nachbeobachtungszeit betrug in der Framingham Heart Study im Durchschnitt 6 Jahre und in der Memento-Studie 4 Jahre.

In den Framingham-Kohorten war nach Berücksichtigung von Alter und Geschlecht jeder Anstieg der Gesamt-Tau-Plasmaspiegel um eine Standardeinheit mit einer Zunahme des Alzheimer-Demenz-Risikos um 35 % verbunden (Hazard Ratio 1,35; 95-%-Konfidenzintervall 1,10-1,67). Die Früherkennung einer Alzheimer-Demenz wurde dadurch signifikant verbessert (Net Reclassification Improvement 0,382; 0,030-0,716).

Höhere Gesamt-Tau-Plasmakonzentrationen korrelierten auch signifikant mit schlechteren Ergebnissen in kognitiven Tests und mit einem Rückgang des Hippocampusvolumen in der Magnetresonanztomografie. Nach dem Tod waren bei Personen mit höheren Gesamt-Tau-Plasmakonzentrationen häufiger bei der Autopsie Neurofibrillen und Mikroinfarkte (Odds Ratio 3,04; 1,26-7,37) nachweisbar. In der Memento-Studie konnten die Ergebnisse im Wesentlichen bestätigt werden.

Die Studie eröffnet die Perspektive auf eine Früherkennung von Tauopathien, zu denen neben dem Morbus Alzheimer noch andere Erkrankungen gehören. Das US-National Institute on Aging betrachtet Tau als Biomarker für neuronale Schäden aller Art und nicht mehr als spezifisches Diagnoseinstrument für den Morbus Alzheimer.

Der Bluttest dürfte in der Diagnostik derzeit nicht relevant sein, da es keine Möglichkeit gibt, den Verlauf der Erkrankung durch eine Therapie zu beeinflussen. Der Test könnte jedoch für klinische Medikamenten-Studien wertvoll sein. Die meisten Experten sind sich einig, dass zukünftige Behandlungen nur erfolgreich sein können, wenn sie lange vor Einsetzen der ersten Symptome begonnen werden. © rme/aerzteblatt.de

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