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Medizin

Kein Hinweis auf Autismus durch MMR-Impfung in Dänemark

Mittwoch, 6. März 2019

/dpa

Kopenhagen – Die wenigen Kinder, die in Dänemark nicht gegen Mumps, Masern und Röteln (MMR) geimpft werden, erkranken nach den Ergebnissen einer bevölkerungs­weiten Kohortenstudie in den Annals of Internal Medicine (2019; doi: 10.7326/M18-2101) genauso häufig (oder selten) wie geimpfte Kinder an Autismus.

Es ist mehr als 20 Jahre her, seit ein inzwischen mit Berufsverbot belegter britischer Mediziner in einem Beitrag zum Lancet zu belegen versuchte, dass eine MMR-Impfung autistische Krankheitsbilder auslösen kann. Der inzwischen von der Zeitschrift zurückgezogene Beitrag wird für einen zwischenzeitigen Rückgang der Impfquote in England und anderswo mit verantwortlich gemacht.

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Eine Assoziation zwischen der MMR-Impfung und autistischen Erkrankungen wurde niemals in epidemiologischen Studien beobachtet, und Anders Hviid vom Statens Serum Institut in Kopenhagen und Mitarbeiter finden jetzt in einer Analyse dänischer Register ebenfalls kein „Sicherheitssignal“.

Hviid hat die Daten von 657.461 Kindern ausgewertet, die in den Jahren von 1999 bis 2010 geboren wurden. Wie alle Einwohner Dänemarks erhielten sie bei der Geburt eine persönliche Identifikationsnummer, die in den unterschiedlichen Registern verwendet wird. Es gibt ein Impfregister, das unter anderem die MMR-Impfungen erfasst. Autismuserkrankungen werden in Patientenregistern erfasst.

Nach den Recherchen von Hviid wurden 95,19 % der Kinder gegen Mumps, Masern und Röteln geimpft. Die Impfquote lag damit knapp über der von der Weltgesundheits­organisation empfohlenen 95-%-Grenze zur Vermeidung größerer Epidemien.

In den Jahren 2000 bis 2013 wurde in Dänemark bei insgesamt 6.517 Kindern ein Autismus diagnostiziert. Die Erkrankungen traten bei den Kindern, die den MMR-Impfstoff erhalten hatten, nicht häufiger auf als bei den 31.619 nicht geimpften Kindern. Hviid ermittelt im Vergleich von geimpften zu nicht geimpften Kindern eine adjustierte Hazard-Ratio (aHR) von 0,93, was bedeutet, dass die geimpften Kinder sogar etwas seltener an Autismus erkrankten. Auch dafür gibt es keine plausible Erklärung. Ein nichtsignifikantes 95-%-Konfidenzintervall von 0,85 bis 1,02 spricht dafür, dass es sich um ein Zufallsergebnis handelt.

Die große Datenbasis ermöglichte eine Reihe von Subgruppenanalysen zu Kindern, die aus anderen Gründen ein erhöhtes Autismusrisiko haben. Dazu gehören Geschwister von Kindern, die an Autismus erkrankt waren, Kinder, deren Mütter schwangerschafts­bedingte Komplikationen hatten, oder Kinder, deren Mütter geraucht hatten oder Kinder mit niedrigem Geburtsgewicht. Für keine Gruppe fand Hviid Hinweise auf eine weitere Steigerung des Autismusrisikos durch die MMR-Impfung.

Anlass für die Untersuchung sind der jüngste Anstieg der Masernerkrankungen in Europa, die Folge einer regionalen und auf bestimmte Gruppen beschränkten „Impfmüdigkeit“ sind. Häufig spielen weltanschauliche Gründe eine Rolle. Dass die Analyse die Impfgegner überzeugen wird, darf bezweifelt werden. Die zeitliche Nähe zwischen den Impfungen und den ersten Symptomen autistischer  Erkrankungen wird betroffene Eltern auch in Zukunft davon überzeugen, dass die Impfung die Ursache sein muss. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #759489
MITDENKER
am Montag, 11. März 2019, 15:02

MADSEN STUDIE - Kritik and der angeblichen Beweiskraft derartiger Studien

PS:
https://childrenshealthdefense.org/news/new-danish-mmr-study-shows-autism-rate-of-1-in-100-cdc-should-rush-to-denmark/

und:
https://jameslyonsweiler.com/2019/03/05/an-autopsy-on-hviid-et-al-2019s-mmr-vaccine-science-like-activities/
Avatar #759489
MITDENKER
am Montag, 11. März 2019, 14:53

Nicht alles so eindeutig, wie immer erzählt wird... oder auch: The Myth of the settled Science

Wie man sieht, ist es mit der Madsen-Studie nicht allzu weit her:

https://childrenshealthdefense.org/news/a-matter-of-right-and-wrong-the-cdcs-troubling-lack-of-research-ethics/

Zur Verharmlosung von autistischen Erkrankungen (@kairoprax), die schon peinlich ist:
AUTISMUS e.V. Bundesverband schreibt zur Einschätzung dieser Erkrankung:

Prognose und Perspektive

"Die Merkmale autistischer Störungen ändern sich mit zunehmendem Alter. Im Erwachsenenalter, mit weitgehend gleichbleibenden Voraussetzungen in der Sozialisation, der Kommunikation und den Interessen, bleiben sie jedoch bestehen. Ebenso sind sie in ihrer Zusammensetzung und ihrem Ausprägungsgrad von Person zu Person unterschiedlich. Autismusbedingte Beeinträchtigungen können zwar häufig gebessert oder kompensiert aber nicht geheilt werden. Die meisten Menschen mit Autismus benötigen aufgrund der umfassenden Beeinträchtigungen eine lebenslange Hilfe und Unterstützung, deren Grad wiederum sehr unterschiedlich sein kann. Autismus ist unabhängig vom Intelligenzniveau, jedoch ist die Wahrscheinlichkeit einer Intelligenzminderung erhöht."

Die Wohlfahrtsverbände stampfen eine Autismusgruppe (in Heimen) nach der anderen aus dem Boden; offenbar weil Autisten alle Sonderbegabungen haben, die sie weiter bringen (Vorsicht: Ironie). Natürlich gibt es leichte Formen, aber darum geht es hier nicht. Wie man sieht, gibt es unterschiedliche Schweregrade für den Grad der Schwerbehinderung:
"ohne soziale Anpassungsschwierigkeiten beträgt der GdS 10–20,
mit leichten sozialen Anpassungsschwierigkeiten beträgt der GdS 30–40,
mit mittleren sozialen Anpassungsschwierigkeiten beträgt der GdS 50–70,
mit schweren sozialen Anpassungsschwierigkeiten beträgt der GdS 80–100."


Und noch einmal, auch wenn es vielen nicht gefällt, die Diskussion ob Impfungen mitunter (wenn auch nicht oft u. wenn auch - logischerweise - nicht ausschließlich durch Impfungen ) zu Autismus führen können, ist EBEN NICHT VORBEI; dazu braucht man keinen Wakefield mit seiner unwichtigen Ministudie. Zum Thema findet man einiges an Studien, z.B. hier eine Studie mit Signifikanz UND Dosis-Wirkungsbeziehung (!):
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21623535

Und genau so ein Verhalten befeuert die "Impfgegner"-Szene: Es wird vertuscht und verheimlicht u. verharmlost u. Impfkritiker als "Deppen" hingestellt. Meistens von Leuten, die deutlich weniger Ahnung von diesem Thema als Impfkritiker haben. Und der besorgte Bürger sowie der Impfkritiker merkt, dass einiges nicht stimmt u. vieles nicht zugegeben wird - wenn man etwas genauer nachforscht....und Fakten wie diese Studie findet u. man z.B. mitkriegt, dass in den USA bereits über 4 Milliarden Dollar für schwer erkrankte Impfschadenopfer via Gerichtsurteil ausgegeben wurden (sicher nicht für Rötungen an der Einstichstelle).
Avatar #110206
kairoprax
am Donnerstag, 7. März 2019, 19:23

Autismus als Krankheit - MMR-Impfung als Ursache - zweimal falsch!

Es sind so viele Einzelaspekte.
ad 1: Warum die Impfmüdigkeit zunimmt? Sicher nicht, weil Impfen zu Autismus führt. Diese Vermutung diese Kausalzusammenhangs wurde im kleinen Kreis diskutiert und schon bei seiner Entstehung in Frage gestellt.
Schuld sind andere Dinge, z.B. die ebenso unhaltbare Ausrottungstheorie, oder der Dogmatismus, mit dem Impfbefürworter geradezu zum Impfen prügeln wollen.

Ad 2: viel wichtiger ist der falsche Umgang mit dem Autismus.
Wir sollten eigentlich längst weg sein davon, Autisten als Behinderte zu sehen und autistische Kinder als Katastrophe für die ganze Familie in Sonderschulen zu verstecken.
Die falsche Vorstellung, Autisten seien krank, und man müsse gesunde Kinder schützen davor, zu Autisten zu werden, hat doch nur zu der Überzeugung führen können, irgendetwas wie Impfungen sei schuld am Autismus.

Also, es gibt ausreichend viele Gründe, Impfskeptiker zu sein, aber daß man durch Impfungen einen Autismus auslösen kann, ist ein Fake.

Und zweitens, es gibt ausreichend viele Möglichkeiten, Autisten in ein für sie normales Leben zu führen - Autisten arbeiten z.B. sehr erfolgereich als Computerprogrammierer und werden von Software-herstellern gesucht und umworben.
Man muß dieser Sonderform des Verhaltens gerecht werden, und man wird es nicht, indem Falschaussagen über eine phantasievoll-falsche Pathogenese in die Welt gesetzt werden zu einer angeblich erworbenen Kranbkheit, was Autismus nicht ist.

Ich ärgere mich folglich weniger darüber, daß man Argumente bei den Autisten sucht, um gegen die Impfmüdigkeit anzugehen, als daß ich mich ärgere darüber, den Autismus unwissenschaftlich und unmedizinisch schlechtzureden.

Wenn jemand meint, ich stehe mit dieser Meinung allein, möge er bei Oliver Sacks ( gestorben 2015) nachlesen, was dieser Psychiater, der sicher zu den bekanntesten Psychiater unserer Zeit zählt, von Autismus hielt, und was Autismus nicht ist.

Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Donnerstag, 7. März 2019, 12:13

"rme" und DÄ-Redaktion müssen sich entscheiden!

Ob sie als Quintessenz ihrer Berichterstattung:
   "Die große Datenbasis ermöglichte eine Reihe von Subgruppenanalysen zu Kindern, die aus anderen Gründen ein erhöhtes Autismusrisiko haben. Dazu gehören Geschwister von Kindern, die an Autismus erkrankt waren, Kinder, deren Mütter schwangerschafts­bedingte Komplikationen hatten, oder Kinder, deren Mütter geraucht hatten oder Kinder mit niedrigem Geburtsgewicht. Für keine Gruppe fand Hviid Hinweise auf eine weitere Steigerung des Autismusrisikos durch die MMR-Impfung."
stehen lassen, oder sich in kruden Verschwörungstheorien ergehen bzw. populistisch anbiedern wollen ("Die zeitliche Nähe zwischen den Impfungen und den ersten Symptomen autistischer Erkrankungen wird betroffene Eltern auch in Zukunft davon überzeugen, dass die Impfung die Ursache sein muss.")?

"Pro-Natur" ist an parawissenschaftlicher Verblendung mal wieder kaum zu überbieten. Die Madsen-Studie aus DK: "A Population-Based Study of Measles, Mumps, and Rubella Vaccination and Autism" von Kreesten Meldgaard Madsen et al. vom 07.11.20002
https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa021134
untersuchte in einer retrospektiven Kohortenstudie alle von 1991 bis 1998 in Dänemark geborenen Kinder. Die ältesten waren zur Studien-Erstellung 2002 in einem Alter von 11 Jahren, die jüngsten waren 4 Jahre alt. Die wenigen Autismus-Diagnosen waren eindeutig gesichert ["METHODS - We conducted a retrospective cohort study of all children born in Denmark from January 1991 through December 1998"].
Das hinderte selbsternannte Impf-Skeptiker selbstverständlich nicht daran, das Gerücht in die Welt setzen zu wollen, a l l e Kinder seien erst 4 Jahre alt gewesen. Auch "Pro-Natur" hat die Originalpublikation weder gelesen noch verstanden.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z.Zt. Mauterndorf/A)
Avatar #66961
TMOlesch
am Donnerstag, 7. März 2019, 00:55

Warum dieser unnötige Kommentar im letzten Satz des Berichtes?

Der letzte Satz dürfte im Zweifelsfall Eltern in ihrer durch diese Untersuchung ja ausdrücklich nicht bestätigten Meinung bestärken. Jetzt können sie dazu auch noch das Deutsche Ärzteblatt zitieren. Ein Bärendienst! Ich erwarte eine klare Trennung von Bericht und Kommentar.
Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Mittwoch, 6. März 2019, 23:21

Nur ein paar Zahlen

Im Abstract zur Studie (siehe Link im Artikel) stehen die Zahl der Studienteilnehmer und die Zahl der Beobachtungsjahre, im Durchschnitt 7,6 Jahre pro Kind.

In der aktuellen Leitlinie zum Thema Autismus wird klar darauf verwiesen, dass die Symptomatik meist schon vor dem 3. Lebensjahr beginnt, aufgrund der großen Breite der Symptomatik und der wechselhaften Symptomatik in den ersten Lebensjahren können die genaue Variante und die Prognose u.U. erst ab dem 5. Lebensjahr sicher beurteilt werden:
https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/028-018l_S3_Autismus-Spektrum-Stoerungen_ASS-Diagnostik_2016-05.pdf
Besonders empfehle ich in der Leitlinie Punkt A.5.7 Ausgeschlossene Risikofaktoren und B.2.5 Aktualisierung zu den Leit- und Frühsymptomen.

Wenn Pro-Natur methodische Schwächen an dieser Studie aufzeigen möchte, dann wäre es schön, wenn stichhaltige Beweise incl. Quellen präsentiert würden.
Avatar #687997
Pro-Natur
am Mittwoch, 6. März 2019, 19:34

Denke an die Madsen-Studie

Bekannt ist beispielsweise die breit angelegte dänische Madsen-Studie von 2002 an über 500‘000 Kindern, die keinerlei Zusammenhang finden konnte. Doch haben mittlerweile verschiedene Wissenschaftler die Madsen-Studie reanalysiert und sind dabei auf Ungereimtheiten gestoßen. So konnte festgestellt werden, dass Madsen bloß Kinder bis vier Jahre berücksichtigt hatte, obwohl Autismus in Dänemark frühestens mit fünf Jahren erstmals diagnostiziert wird. Kein Wunder, dass die Madsen-Studie kaum Autismus-Fälle finden konnte.
LNS

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