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Anklage gegen Apotheker und Kunden wegen Betrugsverdachts

Mittwoch, 6. März 2019

/dpa

Frankfurt am Main – Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main hat Anklage gegen einen Apotheker und zwei seiner Kunden wegen gewerbsmäßigen Betruges erhoben. Der Apotheker soll fast vier Jahre lang bei Krankenkassen Rezepte über teure Medikamente abgerechnet haben, obwohl sie nicht an die Versicherten abgegeben wurden, teilte die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main heute mit.

Die Rezepte soll der 42-Jährige bei den beiden Mitangeschuldigten und bei weiteren Kunden zu einem Teilbetrag des tatsächlichen Rezeptwertes angekauft haben. Auf diese Weise soll der Apotheker zwischen Januar 2010 und Dezember 2013 mehr als 400 Rezepte abgerechnet haben. Der Gesamtwert der Rezepte beträgt rund 2,9 Millionen Euro, den Schaden beziffert die Generalstaatsanwaltschaft auf 1,1 Millionen Euro.

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Seit September 2013 wurde gegen den Apotheker ermittelt, nachdem die AOK Anzeige erstattet hatte. Im Rahmen einer Rezeptprüfung war aufgefallen, dass zwei in Köln wohnende Versicherte bei dem Frankfurter Apotheker Rezepte über ein bestimmtes Medikament eingelöst hatten. Teilweise sei dies sogar am gleichen Tag geschehen.

Im Januar 2014 wurde die Apotheke durchsucht. Die Ermittlungen waren nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft aufwändig, da zur Feststellung des Gesamtschadens die Daten der Warenlieferungen bei mehreren Hundert Lieferanten der Apotheke mit den Abrechnungsdaten der Krankenkassen abgeglichen werden mussten.

Die Anklageschrift ist 1.100 Seiten lang und wirft dem Apotheker gemeinschaftlichen, gewerbsmäßigen Betrug in 48 Fällen vor. Auch den beiden Kunden wird aufgrund der wechselnden Beteiligung gemeinschaftlicher, gewerbsmäßiger Betrug in 48 Fällen zur Last gelegt. Gegen neun weitere Kunden wird noch ermittelt.

Schon 2009 stand die Apotheke im Fokus von Ermittlungen. Der damalige Besitzer, der Bruder des nun beschuldigten Apothekers, soll ebenfalls hochpreisige Medikamente abgerechnet haben, ohne sie an Kunden abzugeben.

Dabei sei ein Schaden von 1,3 Millionen Euro entstanden. Wegen dieses Vorwurfs wurde der Bruder im Mai 2018 wegen Betruges in sieben Fällen zu einer Haftstrafe von drei Jahren und zwei Monaten verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. © afp/aerzteblatt.de

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