NewsMedizinImmuntherapien gegen Allergien unterscheiden sich zwischen USA und Europa
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Immuntherapien gegen Allergien unterscheiden sich zwischen USA und Europa

Donnerstag, 7. März 2019

Pollen bzw Allergene von verschiedenen Pflanzen. /Kateryna_Kon, adobe.stock.com
Während Ärzte in den USA Mischungen unterschiedlicher Allergenquellen zur Therapie einsetzen, bevorzugen Allergologen in Europa Injektionen einzelner hochdosierter Allergene oder homologer Gruppen von Allergenen. /Kateryna_Kon, adobe.stock.com

Langen/Cincinnati– Die Hyposensibilisierung ist eine etablierte Behandlungsoption, die sich in den USA und Europa sehr unterschiedlich darstellt. Die Produkvielfalt ist in Europa größer als in den USA. Gleichzeitig setzt Europa strengere Zulassungskriterien voraus. Zu diesem Schluss kommen Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) und der University of Cincinnati in einer Übersichtsarbeit, die im Journal of Allergy and Clinical Immunology veröffentlichten wurde (2019; doi: 10.1016/j.jaci.2019.01.024).

In Nordamerika stehen von der US-amerikanischen Zulassungsbehörde FDA (Food and Drug Administration) zugelassene standardisierte und nicht standardisierte wässrige Inhalationsallergen-Extrakte (zum Beispiel Gräserpollen) für die Behandlung zur Verfügung. Diese Produkte werden fast ausschließlich subkutan angewendet. Anders die Situation in Europa: Hier gibt es auch Produkte wie aluminium- und tyrosin­absorbierte Allergene und chemisch modifizierte Allergene mit vermindertem Allergiepotenzial (Allergoide). Zudem werden die Allergene in Europa nicht nur subkutan verabreicht, sondern auch direkt unter der Zunge platziert. Für die sublinguale Immuntherapie (SLIT) stehen wässrige Formulierungen oder Tabletten zur Verfügung. Sie nehmen einen erheblichen Teil des Marktes ein.

Die Hyposensibilisierung, auch als Allergen-Immuntherapie (AIT) bezeichnet, wurde vor mehr als 100 Jahren erstmalig für die Behandlung des Heuschnupfens entwickelt. Bei der AIT wird das Immunsystem über eine in der Regel mehrjährige Therapie an das Allergen gewöhnt, um die Allergie nachhaltig abzumildern oder im besten Fall zu beseitigen.

Ein weiterer zentraler Unterschied: In den USA werden häufig Extrakte unterschiedlicher Pollen, Schimmelpilz­sporen, Hausstaubmilben oder Tierhaar­allergene in der ärztlichen Praxis gemischt und injiziert. In Europa setzen Ärzte Mischungen unterschiedlicher Allergenquellen wegen eines Verdünnungseffekts in der Regel nicht ein. Allergologen bevorzugen Injektionen einzelner hochdosierter Allergene oder homologer Gruppen von Allergenen, wenn sie als klinisch relevant gelten. Als klinisch relevant gelten Allergene, die beim individuellen Patienten zu klinischen Symptomen der Allergie führen oder lebensbedrohlich sein können.

Strengere Zulassungskriterien in Europa

Die Unterschiede betreffen aber nicht nur das Spektrum der für die Hyposensibili­sierung verfügbaren Produkte, sondern auch die klinische Entwicklung, diagnostische Verfahren und die Regulation durch die Zulassungsbehörden. Während die FDA den minimalen klinischen Effekt über ein statistisches Verfahren definiert hat, fordert die Europäische Kommission einen statistisch signifikanten Unterschied in ausgewählten primären Endpunkten (definierten Zielkriterien der klinischen Studie). Zudem muss in Europa die klinische Bedeutung des in einer klinischen Prüfung gefundenen Effektes für den einzelnen Patienten dargelegt werden.

„Mit unserem Vergleich werden internationale Unterschiede bezüglich der Produkt­vielfalt für die Hyposensibilisierung und ihrer Anwendung deutlich“, erklärt Vera Mahler, Abteilungsleiterin der Allergologie am PEI. Als einziges Zulassungsinstitut in Europa hat das PEI frühzeitig eine auf Allergologie spezialisierte Abteilung geschaffen, um die Qualität, Wirksamkeit und Sicherheit von Therapieallergenen sicherzustellen. Es war treibende Kraft für die Implementierung der Therapieallergene-Verordnung, die seit 2008 in Deutschland wirksam ist. © gie/EB/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

3. Juni 2020
Alexandria – Das fortgeschrittene kleinzellige Lungenkarzinom hat eine schlechte Prognose, die sich erst in jüngster Zeit durch das Aufkommen der neuen immunonkologischen Therapien langsam zu
ES-SCLC: Kombination von Checkpoint-Inhibitoren nicht wirksamer als Einzelsubstanz mit Chemotherapie
3. Juni 2020
Alexandria – Die schlechte Prognose des fortgeschrittenen kleinzelligen Lungenkarzinoms ist nach wie vor ein Problem. Immuncheckpoint-Inhibitoren bieten hier aufgrund der hohen Mutationslast dieser
Kleinzelliges Lungenkarzinom: Pembrolizumab im fortgeschrittenen Stadium in der Erstlinie wirksam
3. Juni 2020
Alexandria – In der Therapie des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC) ohne nachweisbare Treibermutationen spielen inzwischen immunonkologische Therapien eine entscheidende Rolle: Die
Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom: Limitierte Chemotherapie eignet sich zur Optimierung der Checkpoint-Inhibition
2. Juni 2020
Köln – Das Risiko für Infektionen mit dem Pandemievirus SARS-CoV-2 und für schwere Verläufe einer COVID-19-Erkrankung ist bei einem großen Teil der Tumorpatienten erhöht: durch Komorbiditäten, durch
„Bei schnell wachsenden Tumoren müssen wir behandeln“
2. Juni 2020
Alexandria – Auch über 75-jährige Patienten mit einem Krebserkrankung profitieren von Immuncheckpoint-Inhibitoren – zumindest in der ersten Therapielinie. Das zeigen die Ergebnisse einer Metaanalyse,
Keine Altersgrenze für Checkpoint-Inhibitoren
2. Juni 2020
Alexandria – Die Behandlung fortgeschrittener Plattenepithelkarzinome des Kopf-Hals-Bereichs mit Immuncheckpoint-Inhibitoren scheint wirksam zu sein, allerdings nur bei einem relativ geringen Anteil
Kopf-Hals-Tumoren: Sagt die aus dem Blut bestimmte Tumormutationslast die Wirksamkeit einer Immuntherapie vorher?
27. Mai 2020
Waldems-Esch – Bei einer Hyposensibilisierung wegen einer Allergie unterscheiden sich die Alterskohorten stark voneinander. Das berichtet der Statistikdienstleister Insight Health. Laut dem
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER