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Medizin

Einfluss der Hormonersatztherapie auf das Alzheimerrisiko

Donnerstag, 7. März 2019

/gballgiggs, stockadobecom

Helsinki – Finnische Frauen, die nach den Wechseljahren Hormonpräparate einnahmen, hatten nach den Ergebnissen einer Fall-Kontroll-Studie im britischen Ärzteblatt (BMJ 2019; 364: l665) ein erhöhtes Risiko, später an einem Morbus Alzheimer zu erkranken. Die vaginale Applikation scheint dagegen unbedenklich zu sein.

Der Schutz vor Demenzerkrankungen gehörte in der „Blütezeit“ der Hormonersatz­therapie zu den Vorteilen, die Frauen von der täglichen Einnahme von Östrogenen mit oder ohne Gestagenzusatz in Aussicht gestellt wurden. Die Substitution sollte auch hier die Nachteile der Natur ausgleichen und verhindern, dass Frauen häufiger als Männer am Morbus Alzheimer erkranken.

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Die Women’s Health Initiative (WHI) beendete auch diesen Traum. In einer Teilstudie, der WHI Memory Study, kam sogar heraus, dass die Einnahme von Östrogenen als Monopräparat oder in der Kombination mit einem Gestagen das Risiko auf eine Demenz erhöht (JAMA 2004; 291: 2947-58).

Dieses Verdikt wurde nicht von allen Experten akzeptiert und schon bald wurde diskutiert, dass ein falsches „Timing“ der Hormontherapie für das ungünstige Ergebnis der Studie verantwortlich sein muss. An der WHI Memory Study hatten nur Frauen im Alter von über 65 Jahren teilgenommen. Die meisten Frauen begannen die Hormonersatztherapie dagegen bereits zu Beginn der Menopause, also etwa im Alter von 50 Jahren. Die meisten Frauen nahmen die Hormone nur so lange ein, wie sie unter klimakterischen Beschwerden litten, die selten bis ins Seniorenalter anhalten.

Da die WHI vermutlich nicht an einer jüngeren Frauengruppe wiederholt wird und auch andere größere randomisierte kontrollierte Studien nicht in Sicht sind, hat sich die Argumentation auf die Ebene epidemiologischer Studien verlagert, die zwar keine Beweiskraft haben, aber interessante Hinweise liefern können.

Günstige Voraussetzungen für epidemiologische Studien bestehen in Finnland, wo in Registern erfasst wird, welchen Frauen Hormonpräparate verordnet werden und welche davon später an einer Demenz erkranken. Ein Team um Tomi Mikkola von der Universität Helsinki hat jetzt die früheren Verordnungen aller 84.739 Frauen, bei denen zwischen 1999 und 2013 ein Morbus Alzheimer diagnostiziert wurde, mit einer gleich großen Zahl von Frauen verglichen, die nicht an einer Demenz erkrankt sind.

Wie zu erwarten wurde der Morbus Alzheimer bei fast allen Frauen erst nach dem 60. Lebensjahr und bei mehr als der Hälfte erst nach dem 80. Lebensjahr diagnostiziert. Nur sehr wenige Frauen nahmen zu dem Zeitpunkt noch Hormone ein. 3 Viertel hatten die Hormontherapie bereits vor mehr als 10 Jahren beendet. Da die Erkrankung jedoch viele Jahre vor Einsetzen der ersten Gedächtnisstörungen beginnt, schließt dies nicht aus, dass die Hormontherapie die Ablagerungen im Gehirn gefördert haben könnte.

Die Gegenüberstellung der Alzheimerpatientinnen mit den Kontrollen ergab, dass die an Demenz erkrankten Frauen tatsächlich etwas häufiger eine Hormonersatztherapie betrieben hatten. Mikkola ermittelt für Anwenderinnen von Östrogen-Monopräparaten (sie kommen wegen der Förderung eines Endometriumkarzinoms nur nach Hysterektomie infrage) eine Odds Ratio von 1,09, die mit einem 95-%-Konfidenz­intervall von 1,05 bis 1,14 signifikant war. Für die Frauen, die Östrogen-Progestogen-Kombinationen verwendet hatten, betrug die Odds Ratio 1,17 (1,13 bis 1,21). Das sind keine bedrohlichen Zahlen. Das absolute Risiko ist minimal. Auf 10.000 Frauen und Jahr kommen nach den Berechnungen von Mikkola nur 9 bis 18 zusätzliche Demenzen.

Um die „Timing“-Hypothese zu prüfen, hat Mikkola die Daten von Frauen verglichen die zu Beginn der Hormonbehandlung über und unter 60 Jahre alt waren. Zwischen den beiden Gruppen gab es so gut wie keine Unterschiede. Für eine protektive Wirkung von Östrogenen bei einem früheren Behandlungsbeginn fand Mikkola keinerlei Hinweise.

Interessant sind die Zahlen zur vaginalen Anwendung der Hormone, die heute bevorzugt wird, um die systemischen Nebenwirkungen zu minimieren. Von den finnischen Frauen hatten immerhin etwa 13 % zeitweise vaginale Präparate angewendet. Mikkola ermittelt eine Odds Ratio für die Diagnose eines Morbus Alzheimer von 0,99 (0,96 bis 1,01). Diese Applikationsform ist demnach, soweit sich dies aus epidemiologischen Untersuchungen schließen lässt, bedenkenlos.

© rme/aerzteblatt.de

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Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Samstag, 16. März 2019, 22:33

Bloßgestellt?

Ich fühle mich nicht bloßgestellt, sondern nehme wahr, dass es Ihre Absicht ist, mich bloßstellen.
»Autoren von Webseiten blamieren sich mit umstrittenen Äußerungen, Inhalten und Schlussfolgerungen höchsten öffentlich nachprüfbar selbst«. Dieser Satz enthält den Begriff „umstrittene Inhalte“. Ich sehe niemanden über meine Inhalte streiten. Nun, damit über sie gestritten werden könnte, müssten sie bekannt sein. Das sind sie mit einer Ausnahme aber nicht. Aber diese Ausnahme meint offenbar, dass es genüge, zu zeigen, dass sich diese Inhalte mit den heiligen Inhalten in Konflikt befinden. Papier streitet nicht. Galilei mochte sich einen Papst gewünscht haben, der seine Ansichten bloß veröffentlicht haben würde.
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Freitag, 15. März 2019, 11:34

Herzlichen Dank für die Alias-Bestätigung!

Meine bisher geäußerte Vermutung, "Ferdinand Wolfbeißer" sei nur der Alias-Name für Johann Niedermayer (Selbstdarstellung unter
http://members.chello.at/meinewebseite/default.htm), wurde durch den u.g. Kommentar desselben eindeutig bestätigt.

Das korrekte Zitieren von Webinhalten ist keine Bloßstellung: Autoren von Webseiten blamieren sich mit umstrittenen Äußerungen, Inhalten und Schlussfolgerungen höchsten öffentlich nachprüfbar selbst.

Der missglückte, theologisch angehauchte Vergleich mit "seinerzeitigen biblischen Schriftgelehrten" ehrt mich durchaus, da ich seit meinem Studienbeginn mit Biologie, Psychologie und Medizin in Bonn, Berlin und Sydney bzw. in Klinik und Praxis im Ruhrgebiet mich immer auch als medizinischer Schriftgelehrter verstanden und verhalten habe: Fest auf dem Boden interaktiver, kommunikativer, selbstkritischer Evidenz- und Praxis-basierter Humanmedizin stehend.

Familienorientierte hausärztlich-allgemeinärztlich-internistische medizinische Versorgung von der Wiege bis zur Bahre ist meine Profession. Da brauche ich mich nicht hinter "heiligen Schriften", Dilettantismus oder gar "Fake News" zu verstecken.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z.Zt. Mauterndorf / A)

Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Donnerstag, 14. März 2019, 21:54

Kommentar zu den Ausführungen von Dr. Schaetzler!

Dr. Schaetzler zitiert nun schon zum zweiten Mal meine Webinhalte. Zweifellos mit der Absicht, mich damit bloßzustellen.
Damit erweckt er einen ähnlichen Eindruck wie die seinerzeitigen biblischen Schriftgelehrten, welche die Richtigkeit von etwas anhand der Inhalte heiliger Schriften zu beurteilen pflegten.
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Montag, 11. März 2019, 17:57

F. Wolfbeißers einfältige Fake-News!

Ich zitiere 14. (15. gekürzt) aus "Das Geheimnis der 91 essentiellen Nährstoffe von Dr. Joel Wallach", Seite 28 und 29
https://pulsar.li/downloads/dasgeheimnisder91essentiellennaehrstoffevondrw.pdf

"14. BORMANGEL
Bormangel - darüber sollten besonders die Frauen Bescheid wissen, denn es hilft ihnen, das Calcium, was sie einnehmen, in ihren Knochen zu halten, damit es keine Osteoporose gibt. Außerdem hilft es den Frauen bei der Östrogen- und den Männern bei der Testosteronbildung. Wenn Frauen nicht genügend Bor haben, bekommen sie die negativen Folgen der Menopause zu spüren, Männer wissen nicht, ob sie Hose oder Rock tragen sollen." (Zitat Ende)

Hier haben der Autor J. W. und F. W. ihren semantisch auf den Kopf gestellten Unfug nicht mal bemerkt und korrigiert - Bormangel helfe gegen Osteoporose und bei der Östrogen-/Testosteronbildung???

Weiter im Text von Dr. J. W. (gekürzt):
"15. ALZHEIMER...eine Krankheit, die man von[r] 40 Jahren noch nicht kannte. Weil es sie nicht gab...erst 1979...als Krankheit erkannt...Alzheimer als Killerliste bei Erwachsenen über 65 Jahren auf Platz 4...Unser Gehirn besteht zu 75% aus Myelin...selbst zu 100% aus Cholesterin. Sie selbst produzieren nur 10% Ihres täglichen Cholesterinbedarfs. Die anderen 90%...Ernährung. Wenn Sie nun...das Verzehren von Eiern gänzlich einstellen, zudem Margarine statt Butter zu sich nehmen...die Haut des Hähnchens abziehen...schlussendlich Tofu statt rohem Fleisch essen, ja dann bekommen Sie Alzheimer!
Im März 2000...prophezeit...dass uns Alzheimer innerhalb der kommenden 25 Jahre unfassbare 14 Millionen tote Amerikaner bescheren wird. 25 Jahre zurückgerechnet starben 250.000 Menschen und nochmals 25 Jahre davor starb nicht ein Einziger...Bereits vor 50 Jahren war es in der Veterinärmedizin bekannt, wie sich Alzheimer bei Tieren im Frühstadium erfolgreich besiegen lässt. Dazu wurde eine hohe Dosis an Vitamin E...beigemischt. Dies wurde den Tieren verabreicht, damit sie kein Alzheimer bekommen...exakt 1992, fanden Mediziner heraus, dass Vitamin E den Gedächtnisschwund bei Alzheimer Patienten verringert. Damit sind die Humanmediziner in nur 50 Jahren zur gleichen Erkenntnis gekommen wie bereits die Veterinärmediziner lange Zeit zuvor.
Vielleicht ist es also für Sie ratsam und insgesamt gesehen auch sicherer, zum Tierarzt zu gehen?" (Zitat Ende)

Abgesehen davon, dass Vitamin E, durch mehrere Interventionsstudien eindeutig belegt, völlig wirkungslos ist, hatte der Arzt Alois Alzheimer den nach ihm benannten Morbus Alzheimer (Alzheimer-Krankheit AK/AD) im Jahr 1906 erstmals als Kasuistik beschrieben, nachdem er im Gehirn einer verstorbenen Patientin charakteristische Veränderungen festgestellt hatte.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z.Zt. Mauterndorf/A)

PS: Ferdinand Wolfbeißer ist vermutlich ein Alias-Name für Johann Niedermayer, ein Österreicher, geboren 1946, der z.B. als
"Die wirkliche Ursache der Arteriosklerose" den Vitamin C Mangel identifizieren möchte. Seine Links:
http://members.chello.at/meinewebseite/Emai.htm
http://members.chello.at/meinewebseite/Semmelweis.htm
http://members.chello.at/meinewebseite/Impressum.htm
Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Donnerstag, 7. März 2019, 18:56

Bor

Hinsichtlich der Hormonproblematik verdient Aufmerksamkeit, was auf Seite 28 des Webinhaltes https://pulsar.li/downloads/dasgeheimnisder91essentiellennaehrstoffevondrw.pdf zu lesen ist.
LNS

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