NewsPolitikADHS verursacht hohe Krankheitskosten
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

ADHS verursacht hohe Krankheitskosten

Donnerstag, 7. März 2019

/Bernd Libbach, stockadobecom

Frankfurt am Main – Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) verursacht hohe Krankheitskosten. Das geht aus einer Studie des Universitätsklinikums Frankfurt hervor. Demnach sind die medizinischen Kosten eines Menschen mit ADHS im Durchschnitt um 1.508 Euro höher als die einer Vergleichsperson ohne ADHS.

Ursache dafür sind hauptsächlich Behandlungen in Krankenhäusern und durch Psychiater. ADHS-Medikamente verursachen der Studie zufolge rund elf Prozent der Zusatzaufwendungen. Den Frankfurter Wissenschaftlern zufolge leiden weltweit etwa fünf Prozent der Kinder und circa 2,5 Prozent der Erwachsenen an ADHS.

Anzeige

Um die volkswirtschaftlichen Kosten der Erkrankung zu schätzen, analysierten die Wissenschaftler des Universitätsklinikums Frankfurt anonymisierte Kranken­versicherungsdaten von fast vier Millionen Deutschen. Sie verglichen die medizinischen Kosten von Personen mit einer ADHS-Diagnose mit denen einer Gruppe ohne ADHS.

Dabei fanden sie außerdem heraus, dass die medizinischen Kosten bei Personen über 30 Jahren im Vergleich zu jüngeren Altersgruppen deutlich erhöht sind. Es zeigte sich auch eine veränderte Zusammensetzung: Bei Erwachsenen sinken die Kosten für ADHS-Medikamente im Vergleich zu Jugendlichen und Kindern, während die Kosten für Psychiater und für andere Medikamente erheblich steigen. Auch ein hoher Kranken­stand führt zu einem erheblichen Kostenanstieg.

Das erklären sich die Studienautoren mit einer Versorgungslücke: Nach Erlangen der Volljährigkeit fallen Personen mit ADHS aus der regelmäßigen Betreuung durch den Kinderarzt. Das führe dann möglicherweise dazu, dass sie neben der ADHS weitere Krankheiten entwickelten. So sei bekannt, dass Personen mit ADHS ein stark erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Reihe von zusätzlichen, komorbiden Erkrankungen aufwiesen.

Affektive Störungen – wie Depressionen – und Angst­zustände treten der Untersuchung zufolge am häufigsten auf: Zwei Drittel der ADHS-Patienten über 30 Jahren hatten eine solche zusätzliche Diagnose, im Vergleich zu nur einem Fünftel der Erwachsenen ohne ADHS. Auch für Substanzmissbrauch und Adipositas ist das Risiko bei Menschen mit ADHS deutlich erhöht.

Diese Komorbiditäten erhöhen die Krankheitslast der ADHS der Studie zufolge enorm. Die Analyse zeigt, dass Substanzmissbrauch und krankhafte Fettleibigkeit gerade im Erwachsenenalter die teuersten zusätzlichen Erkrankungen darstellen. Insgesamt sind die Mehrkosten dieser Komorbiditäten für Personen mit ADHS um 1.420 bis 2.715 Euro höher als bei Personen ohne ADHS, die an denselben Erkrankungen leiden.

Die Forscher empfehlen daher, die psychische Gesundheitsvorsorge über die gesamte Lebensspanne der Betroffenen zu verbessern. Eine frühzeitige Behandlung, die in der Kindheit beginnt und sich im Jugendlichen- bis ins Erwachsenenalter fortsetzt, erscheint ihnen daher ratsam. © hil/sb/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #77316
alexanes
am Freitag, 15. März 2019, 09:43

ADHS Zeitalter

Es ist ein Zeitalter mangelnder Aufmerksamkeit und der Hyperaktivität: https://www.youtube.com/watch?v=3nwwKbM_vJc
Avatar #35331
samtrinczek
am Donnerstag, 7. März 2019, 23:22

ADHS verursacht hohe Kosten

Ich bin ADHSler und frage mich, woher die hohen Kosten kommen. Seit meiner Kindheit habe ich es und es wurde NIE erkannt. Erst im späten Alter kam ich selber drauf und ging dann zu meiner Ärztin, die es mir nach einer Untersuchung bestätigte. Mir wurde weder irgendeine Behandlung, noch irgendein Medikament gezahlt, noch sonst irgendetwas.

Alles habe ich selber aus eigener Tasche bezahlt und da ich keine Medikamente und auch keine psychologische Betreuung wollte und mich selber therapierte (wäre eine lange Geschichte dies zu erzählen), frage ich mich, wo hier die hohen Kosten sind.

Außerdem ist ADHS definitiv KEINE Krankheit sondern ein "Andersein" so wie jemand statt braune Augen grüne hat usw. Es ist bis heute für einen Erwachsenen, der darunter leider, immer noch unmöglich auf irgendeine Weise Hilfe zu erhalten.

Man leidet selber unter seinem Zustand und ich hatte das große Glück, meinen Verdacht bestätigt zu bekommen. Die ganze Geschichte des Leidens, sei es in der Schule, in der Ausbildung, im Beruf und im Leben, möchte ich niemandem gönnen.
Avatar #749369
Ambush
am Donnerstag, 7. März 2019, 17:55

ADHS ist der Janus mit den 2 Gesichtern , es gibt Kosten dadurch und aber auch gesellschaftlichen Nutzen dadurch

https://www.adhspedia.de/wiki/Stärken_von_ADHS-Betroffenen
https://www.adhspedia.de/wiki/Bekannte_Persönlichkeiten_mit_ADHS
https://www.adhspedia.de/wiki/Klaus-Peter_Lesch und als Excerpt aus dem letzten Link: Zum Krankheitswert der ADHS
„ADHS ist ein Extrem einer Persönlichkeitsvariante, das zunächst einmal gar keinen Krankheitswert besitzt [...] Der hohe Energiepegel, der Enthusiasmus, sich mit einer Sache auseinanderzusetzen, die große Kreativität, die Fähigkeit zum Querdenken und der Gerechtigkeitssinn – all das sind Ressourcen, die für unsere Gesellschaft wichtig sind“. ...die evolutionären Aspekte von ADHS hat "Ambush" bereits vielfach ausgeführt.
Avatar #749369
Ambush
am Donnerstag, 7. März 2019, 17:41

In Wahrheit sind die Kosten noch viel höher

Nun gibt es aus anderen Ländern ähnliche Untersuchungen zu den volkswirtschaftlichen Kosten von ADHS , z.B. https://www.theguardian.com/society/2018/feb/15/undiagnosed-adult-adhd-could-cost-uk-billions-a-year-report-finds ….in Wahrheit sind die volkswirtschaftlichen aber auch die gesellschaftlichen Kosten von unbehandeltem ADHS noch viel höher... ADHS haben nicht nur 2,5% der Erwachsenen und die Studienlage zu den weltweiten Prävalenzen von ADHS ist ohnehin variierend... 8% bis 10% der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland , die zumindest auffällig ist im Sinne von ADHS (wenn auch längst nicht jeder davon behandlungsbedürftg und erst recht nicht kontinuierlich behandlungsbedürftig ist), das dürfte viel eher hinkommen... und nochmals die Prognose von Russel Barkley, dem weltweit renommiertesten Wissenschaftler zu ADHS , wonach sich das ADHS-Spektrum irgendwann als das zentrale Thema in der Psychiatrie insgesamt herausstellen dürfte https://adhsspektrum.wordpress.com/2018/03/03/haeufigkeit-von-adhs-im-erwachsenenalter-in-der-allgemeinpsychiatrie/
LNS

Nachrichten zum Thema

25. Juni 2020
Dortmund – Patienten mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) könnten von einer sogenannten transkraniellen Gleichstromstimulation (tDCS) profitieren. Das geht aus einer
Patienten mit ADHS könnten von Gleichstrom-Stimulation des Gehirns profitieren
17. Juni 2020
Silver Spring/Maryland – US-Ärzte können ihren jugendlichen Patienten mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) künftig eine App für ein Tablet verordnen. Die Grundlage für die
Computerspiel unterstützt Behandlung von Kindern mit ADHS
9. April 2020
München – Einige Kinder mit einer Aufmerksamkeitsdefizit/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS) zeigen keine Hyperaktivität, sondern sind im Gegenteil eher „still und verträumt“. Darauf weist die Stiftung
Nicht alle ADHS-Kinder sind hyperaktiv
25. Februar 2020
Durham/North Carolina – Eine für Kinder mit der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) konzipierte Spiele-App für Tablets hat in einer randomisierten Studie die Aufmerksamkeit und die
ADHS: Tablet-App trainiert (nur) die Aufmerksamkeit
24. Februar 2020
Bethesda/Maryland und Stockholm – Kinder von Frauen, die vor der Schwangerschaft adipös waren, erkrankten in einer prospektiven Beobachtungsstudie häufiger an der
Studie: Adipositas der Schwangeren erhöht ADHS-Risiko des Kindes
11. Februar 2020
Sheffield – Kinder und Jugendliche mit der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) werden häufiger mit Medikamenten behandelt, wenn ihre Eltern einer niedrigen sozialen Schicht
ADHS: Patienten aus ärmeren Familien werden häufiger mit Medikamenten behandelt
29. Januar 2020
Odense/Dänemark – Die Einnahme des Psychostimulans Modafinil in der Schwangerschaft hat in einer bevölkerungsbasierten Studie im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2020; 323: 374-376) das Risiko von
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER