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Medizin

Oraler Wirkstoff schützt Mäuse vor Influenza

Montag, 11. März 2019

Grippe A Grippevirus H1N1 H5N1 H5N1 Partikel. Eingefärbt in roter 3D-Darstellung der Ausbreitung des Virus Schweinegrippe, Vogelgrippe, Hundegrippe, Pferdegrippe Epidemie./dpa
Influenza-A-Virus /dpa

Leiden/La Jolla – Eine niederländische Arbeitsgruppe des Pharmazieherstellers Johnson & Johnson hat in Zusammenarbeit mit US-Forschern einen neuen Wirkstoff gegen Influenza-A-Viren erfolgreich an Mäusen getestet. Die niedermolekulare Verbindung (Englisch: small molecule) JNJ4796 verhält sich ähnlich wie der neutralisierende Antikörper CR6261. JNJ4796 kann aber oral verabreicht werden und wäre vermutlich günstiger in der Herstellung als Antikörper, die injiziert werden müssen. Gegen im vergangegen Jahr (Influenza B) und aktuell zirkulierende Influenzasubgruppen (H3N2) hätte der Inhibitor allerdings nicht geholfen. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in Science (2019; doi: 10.1126/ science.aar6221).

Als Vorlage des neuen Inhibitors gegen verschiedene Influenzaviren diente ein breit wirksamer Antikörper. Dieser bindet an das Protein Hämagglutinin (HA) auf der Membran des Virus und hindert das Virus so daran, mit einer Wirtszelle zu verschmelzen. In einem Screening suchten die Wissenschaftler nach oral wirksamen Substanzen, die dasselbe Epitop (HA) binden und blockieren wie der Antikörper CR6261. In der niedermolekularen Verbindung (Englisch: small molecule) JNJ4796 wurden sie fündig. Die niederländischen Forscher haben Mäusen diese Substanz oral verabreicht und gezeigt, dass sie vor lethalen Dosen verschiedener, aber nicht aller Influenzaviren schützt.

Eine Blaupause für weitere neue Wirkstoffkandidaten

Besonders beeindruckend erscheint Virologen die Methodik, mit der der nieder­molekulare Inhibtor entwickelt wurde, der dieselbe Funktion hat, wie ein Antikörper: „Die vorgestellte Selektionsmethode kann auf viele weitere Antikörper die Viren neutralisieren angewendet werden und könnte benutzt werden, um ähnliche Moleküle gegen HIV, Ebola, Lassa und weitere zu finden“, sagt Florian Krammer von der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York.

Von möglichen ersten klinischen Versuchen sprechen die Autoren bisher nur sehr vage. Auch das Potenzial, Resistenzen zu entwickeln, wurde noch nicht untersucht.

Einschränkungen in der Hausarztpraxis

In der Praxis gäbe es bei einem solchen Wirkstoff zudem einiges zu bedenken: Ein Schnelltest in der Hausarztpraxis bestätigt nur die Influenzadiagnose, aber nicht die Subgruppe. „Solche antiviralen Substanzen müssen darüber hinaus sehr schnell eingenommen werden. Man hat also mit der genügend umfassenden Diagnostik einen großen Vorlauf, der sehr viel Zeit kostet. Für einen breiten Ansatz gegen die Grippe taugt dieser Inhibitor also erst einmal nicht“, erklärt Stephan Ludwig, Leiter des Instituts für Molekulare Virologie, Westfälische Wilhelms-Universität Münster.

Besser profitieren als Patienten in der Hausarztpraxis könnten Patienten in Kliniken, bei denen es sich nur um die schweren Fälle handle, führt Ludwig weiter aus. Hier bekämen die Betroffenen auch die entsprechende Differentialdiagnostik.

Gut sei zudem, dass man mithilfe der publizierten Versuche auch den Mechanismus kennen würde, betont der Virologe aus Münster. „Denn das ist bei solchen Wirkstoff­screenings normalerweise nicht der Fall. Jetzt muss der Inhibitor in Phase-1- und -2-Studien seine Wirkung beweisen.“ © gie/aerzteblatt.de

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