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Politik

Regierungs­beauftragte befürwortet Patientenlotsen

Donnerstag, 7. März 2019

/dpa

Berlin – Angesichts eines unübersichtlichen Gesundheitssystems unterstützt die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Claudia Schmidtke, die Einführung sogenannter Patientenlotsen. Diese könnten dabei helfen, die medizinische Betreuung zu organisieren und einen Überblick über Versorgungsangebote und Sozialleistungen zu geben, sagte die CDU-Politikerin heute bei einer Tagung in Berlin.

Mehr als die Hälfte der Deutschen fänden sich Umfragen zufolge im Gesundheits­system nicht gut zurecht, erklärte Schmidtke weiter. Selbst für gut Gebildete sei dies mitunter eine Herausforderung. Gleichzeitig werde den Patienten mehr Eigenver­antwortung zugesprochen. Der Gesundheitszustand von Menschen mit geringer Gesundheitskompetenz sei schlechter, warnte die Beauftragte. Dies habe auch Auswirkungen auf das System als Ganzes, da vermeidbare Kosten entstünden.

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Patienten sollten alle notwendigen Informationen zur Verfügung stehen, damit sie selbstbestimmt das Gesundheitssystem nutzen und entscheiden könnten, sagte Schmidtke. Oft wüssten sie aber nicht, welche Leistungsanträge sie stellen müssten und wie sie an wichtige Informationen kämen. „Dies kann dazu führen, dass Therapien verspätet oder gar nicht stattfinden.“ Die Unabhängige Patientenberatung (UPD) leiste zwar einen wichtigen Beitrag, decke aber nicht den grundsätzlichen Bedarf bei der Versorgung ab.

Eine vom Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium geförderte und im vergangenen Jahr abgeschlossene Studie hatte bereits existierende Modellprojekte mit Patientenlotsen untersucht. Patienten sähen deren Einsatz sehr positiv, sagte Studienleiterin Grit Braeseke vom IGES-Institut. Sie empfänden eine höhere Versorgungssicherheit und eine Stärkung ihres Selbstmanagements. Auch gebe es Hinweise auf eine bessere Lebensqualität sowie weniger Kranken­haus­auf­enthalte.

Die Forscher schlagen vor, Patientenlotsen für schwer, chronisch oder mehrfach erkrankte Menschen einzuführen, die ihre Versorgung nicht selbst oder mithilfe ihres Umfeldes organisieren können. Ein Arzt solle den Bedarf im Einzelfall feststellen, fordern die Experten.

Die neutralen und unabhängigen Lotsen würden die Patienten informieren und beraten, den Versorgungsplan mit ihnen und den zuständigen Stellen organisieren und die Qualität der Versorgung regelmäßig überprüfen. Infrage für diese Aufgabe kämen beispielsweise Pflegekräfte mit entsprechenden Weiterbildungen. © kna/aerzteblatt.de

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Avatar #761342
Pflegekraft_Frank
am Freitag, 8. März 2019, 10:45

Bald wieß niemand mehr wohin er muss!

Ganz bestimmt ist das deutsche Sozialgesetzbuch äußerst verwirrend. Aber jetzt wird es doch wirklich grotesk. Jetzt sollen Menschen, die nicht aus dem Gesundheitssektor stammen sich an Lotsen wenden, die jedoch nur ein Sozialgesetzbuch abdecken. Was passiert wenn ich dann als Angehöriger oder Patient aber ein Anliegen aus einem anderen Buch habe und mir das nicht bewusst ist? Darf ich dann erneut mehrere Wochen auf einen Termin in einer anderen Behörde oder Beratungsstelle warten?
Nein das scheint nicht der richtige Weg zu sein.
Nicht ganz kann die Aufregung in den Kommentaren unter mir verstehen. Sollte doch der Patient im Vordergrund stehen und nicht die Belange des Arztes. Ich bin ein großer Fan von medizinischen Fachangestellten und deren Ausbildung und Kompetenzen. Genau wie wir Pflegekräfte auch über Kompetenzen und Wissen über die deutsche Sozialgesetzgebung haben. Aber wie so oft spielt der Zeitfaktor die entscheidende Rolle. In Deutschland haben wir eine erschreckend niedrige Zeitspanne was das Patient-Arzt-Gespräch betrifft. Wie sollen dabei die nötigen Informationen über Reha, Kurzzeitpflege oder sonstige Leistungen aus den verschiedenen Sozialgesetzbüchern vermittelt werden? Ich finde das Modell der Community Health Nurse äußerst interessant. Dieses Modell scheint auch weniger in Konkurrenz mit dem Arztberuf zu stehen, sondern zielt eher auf die Kooperation zwischen Pflegekräften und Ärzten ab.
Finde diesen Artikel ganz interessant. Er beleuchtet beide Modelle positiv und kritisch:

https://carewelt.de/2019/03/08/patientenlotsen-vs-community-health-nursing/

Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Donnerstag, 7. März 2019, 21:35

Danke, "MTJF"

"Der Einsatz von Patientenlotsen sei eine sinnvolle Option, Patienten in einem komplexen, segmentierten Versorgungssystem bei besonders schwierigen Krankheiten und Krankheitsverläufen zu ihrem Leistungsanspruch zu verhelfen und die Wirksamkeit von Medizin und Pflege zu erhöhen" ist eine pseudologische Schlussfolgerung hausärztlich-allgemeinärztlich-internistisch bildungsferner Schichten des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums, der Sozialrechtler der Ruhr Universität Bochum und des Berliner IGES-Instituts.

Doch anstatt das umständlich-unübersichtlich-verschachtelte 5. SOZIALGESETZBUCH (SGB V) gründlich zu entrümpeln, zu entbürokratisieren und Patienten-gerechter zu formulieren, soll ein vom Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terium ins Spiel gebrachter Patientenlotse die bio-psycho-soziale, medizinische Steuerungsfunktion der Hausärztinnen und Hausärzte und ihre Mitarbeiter/-innen in Deutschland ganz offensichtlich untergraben, für bisher unzureichend, unqualifiziert, ungenügend und nicht zertifiziert erklären.

Die vertragsärztliche Kernkompetenz der hausärztlich-allgemeinärztlich-internistischen Versorgung soll ersetzt oder überflüssig gemacht werden.

Der Gipfel dabei ist, dass diese, von uns und unseren Medizinischen Fachangestellten (MFA) nicht nur im Rahmen der Hausarzt-zentrierten Versorgung (HzV) bisher immer zusätzlich und o h n e Honorar bzw. ohne Anerkennung erbrachte sozialmedizinische Kärrnerarbeit, jetzt von extra qualifiziertem Fachpersonal erbracht und z u s ä t z l i c h bezahlt werden soll.

Da kehren immer mehr Kolleginnen und Kollegen der hausärztlich-vertragsärztlichen Tätigkeit den Rücken zu und wollen sich nicht mehr als Facharzt für Allgemeinmedizin in unterversorgten Gebieten niederlassen.

Dies bedeutet eine systematische Demontage der hausärztlichen Kernkompetenz
und Lotsenfunktion, ohne dass ein antiquiert-dirigistisches SGB V sach-und fachgerecht neu formuliert und gestaltet wird. Ich hätte durchaus mehr Sensibilität und Achtsamkeit gegenüber den sozialen und medizinischen Lebensleistungen von Hausärztinnen und Hausärzten in Deutschland erwartet.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z.Zt. Mauterndorf/A)
Avatar #93495
MTJF
am Donnerstag, 7. März 2019, 19:03

Meine Güte

man könnte ja auch auf die naheliegende Idee kommen, die Abläufe im Gesundheitssystem zu vereinfachen (sprich es zu entbürokratisieren), so dass man sich darin zurecht findet und gar keine Lotsen braucht - aber das ist ja wahrscheinlich wieder „zu einfach“ gedacht...
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Donnerstag, 7. März 2019, 18:59

Verlust Hausarzt-zentrierter Wahrnehmung!

Hier ist ein Verlust von Hausarzt-zentrierter Wahrnehmung, Empathie und Realitätssinn im Umkreis der bisher ausschließlich als Herzchirurgin klinisch tätigen Patientenbeauftragten der Bundesregierung, Frau Prof. Dr. med. Claudia Schmidtke (CDU), zu konstatieren. Sie konnte in ihrer bisherigen medizinischen Sozialisation die Hausarzt-Welt offensichtlich nicht ausreichend reflektieren.

Der vom Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium ins Spiel gebrachte Patientenlotse soll die bio-psycho-soziale, medizinische Steuerungsfunktion der Hausärztinnen und Hausärzte und ihre Mitarbeiter/-innen in Deutschland ganz offensichtlich untergraben, für bisher unzureichend, unqualifiziert, ungenügend und nicht zertifiziert erklären: Die vertragsärztliche Kernkompetenz der hausärztlich-allgemeinärztlich-internistischen Versorgung  ersetzen oder überflüssig machen.

Der Gipfel ist, dass diese, von uns und unseren Medizinischen Fachangestellten (MFA) nicht nur im Rahmen der Hausarzt-zentrierten Versorgung (HzV) bisher immer zusätzlich und o h n e Honorar bzw. ohne Anerkennung erbrachte sozialmedizinische Kärrnerarbeit, jetzt von extra qualifiziertem Fachpersonal erbracht und z u s ä t z l i c h bezahlt werden soll!?

Kein Wunder, dass immer mehr Kolleginnen und Kollegen der hausärztlich-vertragsärztlichen Tätigkeit den Rücken kehren und sich nicht mal als Facharzt für Allgemeinmedizin in unterversorgten Gebieten niederlassen wollen.

Eine systematische Demontage der hausärztlichen Lotsenfunktion! Da hätte ich durchaus etwas mehr Sensibilität und Achtsamkeit gegenüber den sozialen und medizinischen Lebensleistungen der Hausärztinnen und Hausärzte erwartet.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z.Zt. Mauterndorf/A)
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