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Reform der Psychotherapeuten­ausbildung: Berufsverband fordert Nachbesserungen

Montag, 11. März 2019

/Yeko Photo Studio, stockadobecom

Berlin – Die Deutsche Psychotherapeutenvereinigung (DPtV) begrüßt den Kabinetts­entwurf zur Reform der Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung grundsätzlich als „wegweisend“. Der Berufsverband fordert jedoch an einigen Stellen Nachbesserungen. „Erforderlich sind Nachbesserungen vor allem hinsichtlich einer offenen Legaldefinition und der Förderung der ambulanten Weiterbildung“, sagte die DPtV-Bundesvorsitzende Barbara Lubisch bei einer Pressekonferenz des Berufsverbands in Berlin.

Der vom Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) am 27. Februar vorgelegte Kabinettsentwurf passt die Ausbildungsstruktur der Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (KJP) an die der übrigen Heilberufe an.

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Vorgesehen ist ein fünfjähriges Universitätsstudium der Psychotherapie, nach dem nach einer staatlichen Prüfung die Approbation erteilt werden kann. Daran schließt sich eine nach Landesrecht zu organisierende Weiterbildung in stationären und ambulanten Einrichtungen an. Mit Abschluss der Weiterbildung wären die künftigen Psycho­therapeuten danach berechtigt, sich ins Arztregister einzutragen und eine Zulassung zur vertragsärztlichen Versorgung zu beantragen.

Die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) lehnte im Vorfeld den Referentenentwurf zur Ausbildungsreform strikt ab. Der Kabinettsentwurf werde derzeit „intensiv geprüft“, heißt es aus der BÄK. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der BÄK, befürchtet grundsätzlich „eine weitgehende Ausgliederung der Behandlung von psychisch Kranken aus dem medizinischen Versorgungssystem“. Anstatt auf eine ganzheitliche Behandlung komplexer Krankheitsbilder hinzuwirken, bedrohe die Reform eine individuelle somatische wie psychische Aspekte integrierende Versorgung. „Wir wollen Verbesserungen. Aber eine solche Reform darf nicht zulasten der Patienten gehen“, monierte Montgomery in einem Beitrag im Deutschen Ärzteblatt.

Legaldefinition nicht einengen

Die DPtV fordert eine offenere Legaldefinition als sie der Kabinettsentwurf derzeit vorsieht. „Ausübung der heilkundlichen Psychotherapie ist jede mittels wissen­schaftlich geprüfter und anerkannter psychotherapeutischer Verfahren vorgenommene Tätigkeit …“, heißt es in Paragraf 1, Absatz 2 des Psychotherapeuten­ausbildungs­reformgesetzes (PsychThGAusbRefG).

„Für die Beschreibung der beruflichen Tätigkeit ist dies sehr eng“, sagte Lubisch. Zwar sei es richtig, dass in der psychotherapeutischen Behandlung gesetzlich krankenversicherter Patienten nur wissenschaftlich anerkannte Verfahren zur Anwendung kommen dürften. Die Breite des Berufsbilds umfasse aber mehr, etwa die Erforschung von Innovationen, die Erstellung von Gutachten oder die Prävention. „Dies muss sich in der Definition des Berufs wiederfinden“, forderte die DPtV-Vorsitzende.

Ebenso wichtig sei eine finanzielle Förderung der ambulanten Weiterbildung. Der Gesetzentwurf leiste mit der Ermächtigung der Ausbildungsinstitute zur ambulanten Weiterbildung einen sehr wichtigen Beitrag zur Qualität. „Dieses Modell gibt es so bisher noch nicht – es ist neu und anerkennenswert, dass die ambulante Weiterbildung unter dem Dach der Weiterbildungsinstitute erfolgen kann“, betonte Lubisch. So könne die Koordinierung der Weiterbildung und die Verbindung von angeleiteter Therapie mit Supervision, Theorie und Selbsterfahrung gewährleistet werden.

Vergütung überdenken

Bedauerlich ist nach Ansicht der DPtV allerdings, dass im Gesetzentwurf nur die Vergütung der Weiterbildungstherapien vorgesehen ist. Die Kosten für das Betreiben der Ambulanz und für die übrigen Weiterbildungsanteile wie Supervision, Theorie und Selbsterfahrung seien so nicht zu erwirtschaften.

„Hier braucht es eine Nachbesserung“, forderte der stellvertretende DPtV-Bundesvorsitzende Gebhard Hentschel. „Unsere Vorstellung ist, in einem neuen Paragraf 75b SGB V psychotherapiespezifische Regelungen zu verorten. Dazu sind wir in Überlegungen mit unserem Justiziar.“

Zusätzliches Praxissemester gefordert

Auch die Dauer und die Inhalte des Psychotherapiestudiums sollten noch einmal diskutiert werden, fordert der Berufsverband. „Wir halten eine Dauer von mindestens fünf Jahren für sinnvoll“, betonte Lubisch. Dies würde die Möglichkeit eröffnen, ein elftes Semester einzuführen, das als Praxissemester in einer stationären Einrichtung der Regelversorgung abzuleisten sei. Der Kabinettsentwurf sieht genau fünf Jahre Studium vor.

Die Inhalte des Studiums sollen in einer Approbationsordnung endgültig festgelegt werden, die aber noch erarbeitet werden muss. „Wir setzen auf die Absicht des Gesetzgebers, die Vielfalt der wissenschaftlichen Verfahren zu erhalten. Dies sollte sich daher in verbindlichen Vorschriften in der Approbationsordnung wiederfinden“, forderte Lubisch.

Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung: Gesetzlicher Etikettenschwindel

Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium hat Anfang Januar einen Referentenentwurf für ein Gesetz zur Reform der Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung vorgelegt. Die Ärzte lehnen den Entwurf ab. Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundes­ärzte­kammer. Gut Ding will Weile haben“ – so sagt es der Volksmund.

Übergangsregelungen erscheinen verbesserungswürdig

Auch die Übergangsregelungen erscheinen aus Sicht der DPtV verbesserungswürdig. So seien Härtefallregelungen vorzusehen, damit nach altem Muster begonnene Ausbildungen auch sicher beendet werden könnten. Wichtig sei darüber hinaus, dass Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (KJP), die nach alter Approbationsordnung die Ausbildung abgeschlossen haben, die Möglichkeit erhalten, berufsrechtlich über alle Altersbereiche heilkundlich tätig zu sein. „Vorstellbar sind hier zum Beispiel Anpassungslehrgänge zum Erwerb der fehlenden Kompetenzen“, erläuterte Lubisch.

Die für die zukünftigen Psychotherapeuten vorgesehenen neuen Befugnisse zur Verordnung von Ergotherapie und psychiatrischer Krankenpflege sollten nach Ansicht der DPtV auch für die bisherigen Psychologischen Psychotherapeuten und KJP gelten. „Nur so ist eine berufsgruppenübergreifende Zusammenarbeit sinnvoll möglich“, betonte Hentschel.

Berufsverbände fordern Präzisierung

Schließlich fordert die DPtV – gemeinsam mit dem Berufsverband der Vertrags­psycho­therapeuten (bvvp), der Vereinigung analytischer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (VAKJP) sowie 20 weiteren Verbänden – eine „Präzisierung“ des Auftrags an den Gemeinsamen Bundesauschuss (G-BA) zur Ergänzung der Psycho­therapie-Richtlinie.

Mit dem Kabinettsentwurf zur Psychotherapieausbildungsreform wird der G-BA beauftragt, eine berufsgruppenübergreifende koordinierte Zusammen­arbeit der Psychotherapeuten mit anderen Leistungserbringern zu regeln, um die Versorgung vor allem für schwer psychisch Kranke zu verbessern. Außerdem soll der G-BA Regelungen zur Förderung der Gruppentherapie und zur weiteren Vereinfachung des Gutachterverfahrens beschließen.

Nach massiven Protesten von Ärzten und psychologischen Psychotherapeuten sowie einer erfolgreichen Bundestagspetition, die rund 217.000 Mitzeichner hatte, wurde der Passus zur „gestuften und gesteuerten Versorgung“ (Paragraf 92 Abs 6 a SGB V) aus dem Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) gestrichen. Diese Regelung wurde nun abgeändert in den Kabinettsentwurf für ein PsychThGAusbRefG aufgenommen.

„Die Förderung der berufsgruppenübergreifenden Zusammenarbeit wird von uns begrüßt. Dagegen überrascht die Verortung dieser Regelung in einem Gesetz, das die berufsrechtlichen Belange einer spezifischen Berufsgruppe betrifft“, kommentieren die Vertreter von bvvp, DPtV und VAKJP.

Präzisiert werden sollte nach Ansicht der Verbändevertreter, dass für die geplante berufsgruppenübergreifende strukturierte Versorgung leitliniengerecht bestimmte Diagnosen auszuwählen sind. Es wäre keinesfalls sachgerecht, Behandlungsumfang, -intensität und -art für jede Diagnose festzulegen, sagen die Verbändevertreter. © PB/aerzteblatt.de

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