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Medizin

Wie Acrylamid Krebs erzeugt

Montag, 11. März 2019

/dpa

Lyon – Forscher der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) haben herausgefunden, auf welche Weise das Gruppe-2A-Karzinogen Acrylamid, das in schmackhaften Lebensmitteln und im Tabakrauch enthalten ist, das Erbgut schädigt und dadurch die Entstehung von Tumoren anstoßen kann. Die in Genome Research (2018; doi: 10.1101/gr.242453.118) vorgestellten Laborbefunde zeigen, dass der Acrylamid-Metabolit Glycidamid einen genetischen Fingerabdruck induziert, der auch bei vielen Krebsarten nachweisbar ist.

Acrylamid entsteht beim Frittieren, Braten oder Rösten in der sogenannten Maillardreaktion, die den Geschmack von Nahrungsmitteln verbessert. Auch Tabakrauch enthält die Chemikalie, die seit einigen Jahren im Verdacht steht, krebserregend zu sein. Die IARC stuft Acrylamid aufgrund von Tierexperimenten und epidemiologischen Studien als „wahrscheinlich karzinogen“ (Gruppe 2A) ein. Bisher war jedoch unklar, auf welche Weise Acrylamid Schäden in der DNA erzeugt, die das Krebswachstum erklären könnten.

Dies scheint jetzt einem Team um den IARC-Forscher Jiri Zavadil gelungen zu sein. Die Forscher erzeugten zunächst in Zelllinien mit Glycidamid, das in der Leber aus Acrylamid entsteht, verschiedene Mutationsmuster („mutational signature“). Diese Muster gingen mit der Bildung von DNA-Addukten einher, die bei der Zellteilung zu Mutationen führen können und ein bekannter Mechanismus für die Krebsentstehung sind.

Im nächsten Schritt suchten die Forscher in 1.600 Tumorgenomen, die von anderen Forschern durchgeführt worden waren, nach den genetischen Glycidamidsignaturen. Sie fanden sie bei etwa einem Drittel aller Krebsgenome von 19 verschiedenen Tumorformen aus 14 Organen. Die höchste Anreicherung der Glycidamidsignatur wurde bei Lungenkrebs (88 % der untersuchten Tumore), Leber (73 %), Niere (über 70 %), Gallengang (57 %) und  Cervix uteri (50 %) beobachtet.

Die Befunde sind nach Ansicht von Zavadil ein wichtiger „mechanistischer“ Beweis dafür, dass eine in vielen Nahrungs- und Genussmitteln enthaltene Substanz charakteristische DNA-Schäden erzeugen kann, die möglicherweise an der Krebsentstehung beteiligt sind. Die Ergebnisse stützen die Einstufung von Acrylamid als karzinogene Substanz.

© rme/aerzteblatt.de

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