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Infektionen in der Schwangerschaft fördern Autismus und Depressionen

Dienstag, 12. März 2019

/falonkoontz, stockadobecom

Göteborg – Infektionen der Mutter während der Schwangerschaft erhöhen möglicherweise das Risiko des Kindes, im späteren Leben an einer Autismus-Spektrum-Störung oder an Major-Depressionen mit erhöhter Suizidalität zu erkranken. Dies ist das Ergebnis einer bevölkerungsweiten Kohortenstudie in JAMA Psychiatry (2019; doi: 10.1001/jamapsychiatry.2019.0029).

Es ist bekannt, dass Infektionen während der Schwangerschaft dem fetalen Gehirn schwere Schäden zufügen können. Bisher schien das Risiko auf einzelne Erreger beschränkt zu sein, die als TORCH-Komplex (Toxoplasma, „Other“, Röteln-Virus, Cytomegalie-Virus und
Herpes simplex-Virus) zusammengefasst werden. Bei diesen Erregern ist eine direkte toxische Wirkung auf das Gehirn nachgewiesen.

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Die jetzt von einem Team um Verena Sengpiel von der Sahlgrenska Universität in Göteborg durchgeführte Analyse deutet darauf hin, dass die Gefahr sich nicht auf diese Erreger beschränken lässt. Die Forscher haben die Daten von knapp 30.000 Schweden, bei deren Müttern während der Schwangerschaft eine Infektion festgestellt worden war, mit den restlichen 2,1 Millionen Schweden verglichen, die im gleichen Zeitraum zwischen 1973 und 2014 geboren wurden. Endpunkt der Studie waren Hospitalisierungen der Kinder wegen einer Autismus-Spektrum-Störung oder einer Major-Depression bis zum 41. Lebensjahr. Außerdem wurde in den Sterberegistern nach Todesfällen durch Suizide gesucht.

Die Analyse ergab, dass eine Infektion der Mutter während der Schwangerschaft das Risiko des Kindes auf einen Autismus um 79 % erhöhte. Die Hazard Ratio von 1,79 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,34 bis 2,40 statistisch signifikant. Das Risiko auf Depressionen war um 24 % erhöht (Hazard Ratio 1,24; 1,08-1,42). Schweden, deren Mütter in der Schwangerschaft wegen Infektionen behandelt wurden, hatten laut der Studie auch ein erhöhtes Suizidrisiko (das jedoch nicht genau quantifiziert wird).

Ein erhöhtes Risiko auf bipolare Störungen oder Psychosen einschließlich der Schizo­phrenie konnte nicht nachgewiesen werden. Frühere Untersuchungen hatten darauf hingedeutet, dass das Risiko auf eine Schizophrenie nach einer Grippeerkrankung der Mutter während der Schwangerschaft erhöht sein könnte.

Welche Krankheitserreger für die Infektion in der Schwangerschaft verantwortlich waren, konnte Sengpiel nicht ermitteln. Ein erhöhtes Risiko war jedoch auch nach Harnwegs­infektionen nachweisbar. Sie werden meist von Bakterien ausgelöst, die vermutlich nicht das Gehirn der Feten erreichen. Sengpiel vermutet deshalb, dass die Entzündungsreaktionen während der Infektion für die vermuteten Schäden im fetalen Gehirn verantwortlich sind. Dies könnte über die vermehrte Bildung von Serotonin erfolgt sein, das als Neuro­transmitter in die Entwicklung des Gehirns eingreift könnte. Wie immer in epidemiolo­gischen Studien lässt sich eine Kausalität nicht zwingend beweisen. © rme/aerzteblatt.de

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