NewsMedizinAktinische Keratose: Kostengüns­tigste von vier Therapien erzielt in Studie die beste Wirkung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Aktinische Keratose: Kostengüns­tigste von vier Therapien erzielt in Studie die beste Wirkung

Dienstag, 12. März 2019

/Milan, stockadobecom

Maastricht – Die Selbstbehandlung mit einer Creme mit 5 % Fluorouracil hat in einer randomisierten Studie aktinische Keratosen im Kopf- oder Halsbereich häufiger zur Abheilung gebracht als eine photodynamische Therapie oder die topische Anwendung einer Imiquimodcreme oder eines Ingenolmebutatgels. Dies zeigen die jetzt im New England Journal of Medicine (NEJM 2019; 380: 935-946) vorgestellten Ergebnisse einer vergleichenden Studie aus den Niederlanden.

Die aktinische Keratose ist eine bei hellhäutigen Menschen sehr verbreitete Lichtdermatose und Präkanzerose. In der Rotterdam-Studie hatten 49 % der Männer und 28 % der Frauen wenigstens eine Läsion. Dermatologen raten nicht nur bei kosmetisch störenden oder symptomatischen Läsionen zur Behandlung. Denn auf dem Boden einer aktinischen Dermatose können sich Hautkrebse bilden.

Anzeige

Einzelne aktinische Keratosen können operativ, mit Laser oder durch eine Kryochirurgie entfernt werden. Bei flächigen Läsionen ist dies nicht mehr möglich. Hier stehen verschiedene lokale Behandlungen zur Verfügung. Zu den ältesten gehört die Applikation des Zytostatikums 5-Fluorouracil (5-FU). Cremes mit 5 % 5-FU werden seit den 1950er-Jahren angeboten. Der Patient trägt die Creme 2-mal täglich über 4 Wochen auf. Die Behandlung ist kostengünstig. Die Creme kostet etwa 50 Euro.

Ende der 1990er-Jahre wurde Imiquimod eingeführt. Der Immunmodulator erzeugt eine Entzündungsreaktion, die die Abheilung der Läsionen fördert. Die Behandlung erfolgt einmal täglich an 3 Tagen der Woche über 4 Wochen. Ingenolmebutat ist seit 2013 für die Behandlung der aktinischen Keratose zugelassen. Der Diterpenester wird aus der Gartenwolfsmilch Euphorbia peplus gewonnen. Sein Wirkmechanismus ist nicht vollständig geklärt. Die Behandlung erfolgt einmal über 3 Tage. Die Anwendung von Imiquimod oder Ingenolmebutat kostet etwa 100 Euro.

Eine weitere beliebte Behandlung ist die photodynamische Therapie. Dabei wird die Haut nach dem Auftragen des Photosensibilisators Methyl(5-amino-4-oxopentanoat) mit UV-Licht bestrahlt, was ebenfalls eine entzündliche Reaktion auslöst, die die Abheilung der Läsion fördert. Die photodynamische Therapie ist die kostspieligste Behandlung. Für 2 Gramm des Wirkstoffs (reicht für 25 cm2) werden 225 Euro verlangt.

Niederländische Dermatologen haben die 4 Behandlungen in einer randomisierten Studie verglichen. An der Studie nahmen 624 Patienten mit mindestens 5 Läsionen an Kopf oder Hals vom Olsen-Grad 1 oder 3 teil. Sie wurden zu gleichen Anteilen auf die 4 Behandlungen randomisiert. Primärer Endpunkt war die Abheilung von mindestens 75 % der Läsionen nach 12 Monaten.

Dieses Ziel erreichten mit Fluorouracil 74,7 Prozent der Patienten (95-%-Konfidenzintervall 66,8 bis 81,0 %) gegenüber 53,9 (45,4-61,6 %) mit Imiquimod und 37,7 (30,0-45,3 %) mit der photodynamischen Therapie. Die Behandlung mit mit Ingenolmebutat war nur zu 28,9 (21,8-36,3 %) erfolgreich.

Nach den Berechnungen von Maud Jansen vom Maastricht Universitair Medisch Centrum Plus und Mitarbeiter  kam es mit Ingenolmebutat mehr als 3-mal häufiger zum Therapieversagen als mit Fluorouracil (Hazard Ratio 3,33; 2,29-4,85). Die Hazard Ratio für die photodynamische Therapie betrug 2,73 (1,87-3,99) und für Imiquimod 2,03 (1,36-3,04). Die älteste und kostengünstigste Therapie erzielte damit die beste Wirkung. Unerwartete toxische Nebenwirkungen traten laut Jansen bei keiner der 4 Therapien auf. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

8. Februar 2019
King of Prussia/Pennsylvania – Omadacyclin, ein neues Tetrazyklin, das bisherige Resistenzmechanismen vermeidet, hat sich in 2 randomisierten Phase-3-Studien in der Behandlung von ambulant erworbenen
Omadacyclin: Neues Tetrazyklin bei Pneumonien und Hautinfektionen wirksam
17. Januar 2019
Rostock – Die Zahl der Skabiesfälle in Mecklenburg-Vorpommern hat im vergangenen Jahr stark zugenommen. 2018 seien 411 Fälle gemeldet worden. 2017 waren noch es 182 Fälle, wie das Landesamt für
Mehr Skabiesfälle in Mecklenburg-Vorpommern
10. Januar 2019
Seoul – Die Behandlung mit DPP-4-Inhibitoren, einer Gruppe von relativ neuen Antidiabetika, war in einer Fall-Kontroll-Studie in JAMA Dermatology (2019; doi: 10.1001/jamadermatol.2018.4556) mit einem
Typ-2-Diabetes: DPP4-Inhibitoren erhöhen Risiko auf bullöses Pemphigoid
2. Januar 2019
Berlin – Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) und die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG), vertreten durch die Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie (ADO), haben eine neue S3-Leitlinie
S3-Leitlinie „Aktinische Keratose und Plattenepithelkarzinom der Haut“ vorgelegt
28. Dezember 2018
New Haven/Connecticut – Der Januskinase-(JAK-)Inhibitor Tofacitinib, der seit dem letzten Jahr als Reservemittel zur Behandlung einer rheumatoiden Arthritis zugelassen ist, könnte nach einem
Rheumamedikament Tofacitinib bei kutaner Sarkoidose wirksam
20. Dezember 2018
London – Medienberichte über dermatologische Patienten, deren Kleidung nach dem Anzünden einer Zigarette plötzlich in Flammen stand, veranlassen die Medicines and Healthcare products Regulatory Agency
Hautcremes machen Kleidung leichter entflammbar
4. Dezember 2018
Köln – Bei einer Neubewertung des Wirkstoffes Ingenolmebutat (Picato) erkennt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) jetzt einen Zusatznutzen des Wirkstoffes
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER