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Medizin

Testosteron könnte kardiale Risiken deutlich erhöhen

Montag, 11. März 2019

/Wolfilser, stockadobecom

Hongkong – Männer, die aus genetischen Gründen erhöhte Testosteronspiegel haben, erkranken häufiger an Thromboembolien, Herzinsuffizienz und Herzinfarkt. Dies kam in einer Mendelschen Randomisierung im britischen Ärzteblatt (BMJ 2019; doi: 10.1136/bmj.l476) heraus, die die Warnungen der US-Arzneimittelbehörde FDA bestätigt und einen ungünstigen Ausgang einer laufenden Studie zur Testosteronsubstitution im Alter befürchten lässt.

Testosteron ist der Inbegriff der Männlichkeit. Wegen seiner anabolischen Wirkungen wird es seit Längerem von jungen Männern aus der Bodybuildingszene und zunehmend von Besuchern von Fitnesszentren illegal konsumiert. Zuletzt ist auch die Zahl älterer Männer gestiegen, die ihre nachlassende Virilität mit Testosteron auffrischen wollen.

Die Behandlung könnte jedoch mit erheblichen Risiken verbunden sein. Die US-Arzneimittelbehörde FDA warnte bereits vor 3 Jahren vor den unklaren Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System. Die Drug Safety Communication der FDA basierte vor allem auf den Ergebnissen von Beobachtungsstudien, in denen langjährige Anwender von Testosteron häufiger Herzinfarkte und Schlaganfälle erlitten. Epidemiologische Studien können den Zusammenhang jedoch nicht beweisen. Sie können nicht ausschließen, dass andere Faktoren die Anfälligkeit erklären.

Ein relativ neues Instrument zur Risikoabschätzung ist die Mendelsche Randomisierung. Sie basiert auf den Ergebnissen von genomweiten Assoziationsstudien (GWAS), in denen in größeren Kohorten nach Genvarianten gesucht wird, die bestimmte Eigenschaften des Menschen prägen, etwa seinen Testosteron-Spiegel. In den GWAS wurde entdeckt, dass Männer mit bestimmten Genvarianten im JMJD1C-Gen erhöhte Testosteronspiegel haben. Da es sich um ein genetisches Risiko handelt, sind äußere Einflüsse, die die Ergebnisse von Beobachtungsstudien verfälschen können, ausgeschlossen.

Ein Team um Mary Schooling von der Universität Hongkong hat jetzt untersucht, ob die gleichen Gene, die die Testosteronkonzentrationen erhöhen, auch das Risiko auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen beeinflussen. Diese Untersuchungen werden Mendelsche Randomisierung genannt, weil sie zum einen genetische Merkmale nutzen (Mendel), zum anderen aber die Studienobjekte wie in einer randomisierten Studie nach dem Zufallsprinzip (Randomisierung) in Gruppen einteilen.

Die Forscher haben zunächst die Daten der UK Biobank analysiert, die zwischen 2006 und 2010 Blutproben von einer halben Million Briten archiviert hat und seither Informationen zu möglichen Erkrankungen der Teilnehmer sammelt. Zur Verifizierung wurden die Daten des „CARDIoGRAMplusC4D“-Konsortiums analysiert, das auf den Ergebnissen des internationalen 1.000-Genome-Projekts basiert.

In beiden Kohorten erlitten Menschen mit einem genetisch bedingt erhöhten Testos­teronspiegel häufiger als andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In der UK Biobank war bei Männern (aber nicht bei Frauen) jeder Anstieg des Testosteronspiegels um 1 nmol/l mit einem doppelten Risiko auf ein thromboembolisches Ereignis (Odds Ratio 2,09; 95-%-Konfidenzintervall 1,27 bis 3,46) und ein fast 8-fach erhöhtes Risiko auf ein Herzversagen (Odds Ratio 7,81; 2,56-23,8) verbunden. Das Herzinfarkt war dagegen nur gering und statistisch nicht signifikant erhöht (Odds Ratio 1,17; 0,78-1,75). Im 1.000-Genome-Projekt wurde dagegen eine signifikante Assoziation mit dem Herzinfarktrisiko (Odds Ratio 1,37, 1,03 bis 1,82) gefunden.

Ob und wie zuverlässig die Vorhersagen der Mendelschen Randomisierung sind, wird sich in einigen Jahren zeigen. Die Hersteller von Testosteron prüfen derzeit in der TRAVERSE-Studie, ob eine Testosteronbehandlung das Risiko von Herz-Kreislauf-Ereignissen erhöht. An der Studie sollen 6.000 Männer im Alter von 45 bis 80 Jahren teilnehmen. Ergebnisse werden für das Jahr 2022 erwartet.

© rme/aerzteblatt.de

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