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Erfolg im Ebolaeinsatz nur mit mehr Entwicklungshilfe

Montag, 11. März 2019

/dpa

Genf – Gewalt, Misstrauen und Frust der Bevölkerung im Osten des Kongo verhindern in dem Konfliktgebiet einen erfolgreichen Kampf gegen das gefährliche Ebolavirus. Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) setzt deshalb auf eine neue Strategie: Die Menschen brauchten neben dem Ebolaeinsatz deutlich mehr Unterstützung, auch zur Verbesserung der Infrastruktur in der Region, sagte der Ebola-Einsatzleiter der WHO, Michel Yao.

Der Kanadier reagierte auf eine Analyse der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF), die die derzeitige Ebolastrategie für gescheitert erklärt hat. In Konfliktgebieten, wo seit Jahrzehnten bewaffnete Gruppen kämpfen, würden zu viele Infizierte nicht in Behand­lungs­­zentren gebracht. Demnach sind Menschen misstrauisch, dass Ebolaeinsätze ein Vorwand für politische Akteure sind, in die Dörfer zu gelangen. Sie seien auch frustriert, weil Helfer viel Geld in den Kampf gegen Ebola stecken, während Kinder weiter an Malaria sterben.

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Vertrauens­vertrag mit der Bevölkerung notwendig

Auch die rigorose Abschirmung von Patienten und die ihrer Ansicht nach wenig würdevollen Beerdigungen von Opfern stoßen demnach auf Ablehnung. „Wir wollen einen Vertrauens­vertrag mit der Bevölkerung schließen“, sagte Yao. „Wenn wir die Herzen der Menschen nicht gewinnen, werden wir keinen Erfolg haben.“ Dazu gehöre mehr Rücksicht auf die Wünsche der Bevölkerung. „Wir haben seit dem großen Ebolaausbruch in Westafrika 2014 viel gelernt“, sagt Yao.

So würden Patienten in Behandlungszentren nicht mehr in völliger Isolation behandelt, sondern könnten unter Sicherheitsvorkehrungen Besuch empfangen. Statt Ebolatote von Fremden in hermetisch geschlossenen Schutzanzügen beerdigen zu lassen, würden die Leichenbestatter in den Dörfern geschult, wie sie Infizierte bestatten können, ohne dass sich jemand ansteckt. Statt sämtliche Habe eines verstorbenen Ebolapatienten zu verbrennen, werde nun geschaut, ob Dinge, an denen die Angehörigen besonders hängen, nicht anders dekontaminiert werden können.

Infra­struktur­­projekte schnell beginnen

Wenn an einer örtlichen Gesundheitsstation eine Wasserpumpe fehle, versuche die WHO im Rahmen des Ebolaeinsatzes inzwischen, Abhilfe zu schaffen. Bei größeren Infra­struktur­­problemen würden andere Akteure ins Boot geholt. „Die Weltbank etwa plant bereits Projekte für nach dem Ende des Ebolaausbruchs, aber wir ermuntern sie, schon jetzt anzufangen“, sagte Yao.

Wie MSF findet es auch die WHO problematisch, wenn die kongolesischen Behörden mit Polizei oder Militär vor Behandlungszentren stehen oder bei Besuchen in Dorfgemein­schaften zugegen sind. Allerdings müsse das Personal vor Übergriffen geschützt werden. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus wollte diese Fragen am Wochenende im Kongo mit der Regierung besprechen.

Unterdessen haben Bewaffnete bei einem neuen Angriff auf ein Ebola-Behand­lungs­­zentrum in der Demokratischen Republik Kongo einen Polizisten getötet. Ein medizinischer Mitarbeiter des Zentrums wurde nach offiziellen Angaben durch die Schüsse am Samstagmorgen verletzt. WHO-Generaldirektor Ghebreyesus besuchte die Klinik in der Stadt Butembo und verurteilte den Angriff.

Der Kampf gegen die bisher schlimmste Ebolaepidemie im Kongo gerät durch solche Angriffe immer wieder ins Stocken. Das Behandlungszentrum in der östlichen Unruhe­provinz Nord-Kivu hatte erst vor einer Woche wieder seine Arbeit aufgenommen, nachdem es wegen eines früheren Überfalls hatte schließen müssen. Insgesamt gab es bereits drei Angriffe auf die Einrichtung.

Bei dem derzeitigen Ebolaausbruch haben sich in den vergangenen sieben Monaten mehr als 900 Menschen angesteckt, mehr als 570 Infizierte sind an der Krankheit gestorben.

© afp/aerzteblatt.de
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